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Boris Petrovsky 28. Juni 2019 im kunstportal-bw

Boris Petrovsky

28.06. - 22.09.2019

Total Recourse – Im Lauf der Dinge

Juni 2019 | Ehemaliges Siemensgelände | Gebäude 5 | Halle 5
Bücklestrasse 1-5, 78467 Konstanz

Eröffnung 27. Juni 2019 | 19 Uhr
Opening 27th of June 2019 | 7 p.m.
Grußworte: Uli Burchardt, OB Konstanz
Einführung: Richard Tisserand, Kunstraum Kreuzlingen (CH)

Bis 22. September:
Öffnungszeiten: Freitag 13 - 20 Uhr | Samstag 11 - 20 Uhr | Sonntag 11 - 18 Uhr

28. Juni bis 22. September 2019
28th of June until 22nd of September 2019

»TOTAL RECOURSE – IM LAUF DER DINGE«
Boris Petrovsky - Ein gebauter Film

"Das Gleis verspricht die Entgleisung, die es zu verhindern vorgibt."
Marcus Steinweg, "Splitter", Berlin 2017

Boris Petrovsky im kunstportal-bw

Mit seiner Arbeit "Total Recourse - Im Lauf der Dinge" fasst Boris Petrovsky gleichermaßen das große Ganze, das System oder die Struktur von Bewegung und Bewegungen in den Blick, setzt sich aber im gleichen Zug auch mit den mikrokosmischen Kippmomenten auseinander. Containerwagen fahren selbsttätig mit Abstand auf einer in sich verschlauften Schienen-Endlosschleife und begegnen sich äußerst knapp auf der Kreuzung.

Die Installation, ein „gebauter Film“, füllt eine Fabrikhalle, ein ehemaliges Prüffeld für Großrechenanlagen der informationsverarbeitenden Industrie der 60er und 70er Jahre in Konstanz.

Wenn vom “Lauf der Dinge“ gesprochen wird, geht es ins Herz (in die Prozesse und Prozessoren) der Feedback- und Selbstreflexionsschleifen. Das heißt: Im Verlangen nach Störungsfreiheit der Systeme, nach größtmöglicher Ab- und Versicherung bei Steuerung in Echtzeit und allumfassender Regelung, scheinen sich Innen und Außen, Anwesenheit und Abwesenheit, Nähe und Ferne – Utopien und Dystopien übergangslos ineinander zu verstülpen." Doch welche Wirklichkeiten sind "wirklicher" als andere? Für Petrovsky rückt der Faktor Zeit innerhalb der Analyse von Bewegung mehr und mehr ins Zentrum: "Endlosigkeit ist eine Frage des Zeitbegriffs. Heute, gestern und morgen sind zu einem Zeitkomplex verstülpt. Die ablaufende Zeit, ‚Chronos‘, und der Moment einer Gelegenheit, ‚Kairos‘ scheinen hier ineinander verschränkt zu sein: Die Zukunft kommt hier vor der Gegenwart und alles ist absehbar, voraussehbar, und doch auch wieder nicht, und immer alle
machen mit. Wort und Bild sind wie kurzgeschlossen, zirkulieren und ringen dabei miteinander.“ Der Lauf besitzt einen implizierten Unterboden. Tiefe bedeutet, in einen Abgrund zu schauen, auch eine Bodenlosigkeit tut sich auf, auch Kontingenz, Unsicherheit. Ein fliegender (Gleis-)Teppich entsteht... Hier wird klar: selbst das komplexeste System kann durch eine einzige Unschärfe in sich zusammen fallen. Mehr noch: Der Unfall gehört immer implizit zum System - wenn auch nur als hinterlegte Wahrscheinlichkeit. An diese Überlegungen anknüpfend eröffnet "Total Recourse" eine Vielzahl neuer Perspektiven in Form konkreter und unkonkreter Räume. Ist es eine Bedeutungsaufladungsmaschine, eine Wunschmaschine, eine Verteileranlage in einem Versandzentrum, eine Modelleisenbahnanlage, eine Ausstellung von Kunst, eine Industriemesse, ein Jahrmarkt? Sind es Modelle von Wirklichkeit oder ist es schon Wirklichkeit?

Fiktionales und Faktisches, Biografisches und Narratives, Abbild und Trugbild, Sprache und Bild verstülpen sich ineinander. Und: Wie läuft es mit »Der Lauf der Dinge« (Fischli und Weiss, 1987) im Lauf der Dinge?

TOTAL RECOURSE – IM LAUF DER DINGE ist der zweite Teil einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem und über das Erbe der medialen Moderne und wie sie weiter wirkt.
Mit der Ausstellung gibt Petrovsky auch einen persönlichen Einblick in Einflüsse, Denkweisen, Ansätze und Fragestellungen, die seine künstlerische Arbeit prägen.

Weitere Veranstaltungen dazu (performative Führungen, Lesungen) werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Boris Petrovsky im Internet:
Website: www.petrovsky.de
E-Mail: boris@petrovsky.de
kunstportal-bw-Künstlerporträt: | 2031 - über Boris Petrovsky

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