| Text vom Komponisten, nach Goethes „Faust“ (Teil 1 und 2) – in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Uwe Sandner | Regie: Alexander Schulin | Bühne: Christoph Sehl | Kostüme: Ute Frühling | Chor: Carl Robert Helg
Mit: Konstantin Gorny/Christof Fischesser/Luiz Molz (Mefistofele), Keith Ikaia-Purdy/Mauro Nicoletti (Faust), Barbara Dobrzanska (Margarete/Helena), Hans-Jörg Weinschenk/Günter Nowak (Wagner), Silvia Hablowetz/Sabrina Kögel (Marthe), Janja Vuletic (Pantalis), Doru Cepreaga (Nereus) Badischer Staatsopernchor, Extrachor, Kinderchor Badische Staatskapelle

Alexander Schulin und Christoph Sehl, das Regieteam der vielbeachteten Karlsruher „Falstaff“-Produktion (Eröffnung der Spielzeit 2002/2003), werden Arrigo Boitos (1842-1918) ausgefallenes und interessantes Werk in Szene setzen. Diese Oper lässt sich nicht nur als Dokument für die italienische Goethe-Rezeption des 19. Jahrhunderts begreifen, sondern auch als Versuch, einen neuen Weg zwischen Gesangsdrama und Musikdrama zu finden.
Ekkehard Pluta schreibt: „"Wir könnten eher auf La Traviata verzichten als auf Mefistofele,‘ schrieb 1891 der später als Dramatiker berühmt gewordene Musikkritiker George Bernard Shaw – ein Urteil, das heutzutage überwiegend Kopfschütteln hervorrufen dürfte. Denn während unter Fachleuten keinerlei Dissens darüber besteht, dass die Libretti für ‚Otello‘ und ‚Falstaff‘, die Arrigo Boito für den greisen Verdi schrieb, zu den besten Opernbüchern der Musikgeschichte gehören, gilt ihnen der Komponist Boito als eine allenfalls kuriose, in Grenzen interessante Randerscheinung." Als einziger der zahlreichen Vertoner bezieht Boito auch Goethes zweiten Teil der Dichtung mit ein und führt den Kampf der höheren Mächte so bis zum Ende durch. In seiner Oper wird die Vorlage nicht – wie es der Gounodschen Vertonung oft vorgeworfen wird – zu einem süßlich-sentimentalen Liebesspiel verwässert. Der „Faust“-Stoff zieht ihn als ewiges Menschheitsthema an, als den – das Erdendasein ausmachenden – Dualismus von Gut und Böse, Glauben und Wissen, Genuss und Bescheidung; Spannungsfelder, die er selbst sehr genau kennengelernt und durchlebt hatte.
"Mefistofele" (Uraufführung der 1. Fassung: 5. März 1868 in Mailand, 2. Fassung: 4. Oktober 1875 in Bologna; letztere Fassung liegt auch der Karlsruher Aufführung zu Grunde) zeigt eine überaus phantasievolle und farbenreiche Klangpalette: zwischen „seraphischem Wohlklang“ und prägnanter, scharfer Charakterisierung. Dass Harmonik und Instrumentation stilistische Einflüsse von Meyerbeer und Wagner zeigen, schmälert die Komposition nicht.
WEITERE VORSTELLUNGEN: 9.6. UND 19.6.2004
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