| Ganze drei Jahre dauerte Werner Schwabs Karriere als Theaterautor. 199O wurde sein erstes Stück „Die Präsidentinnen" in Wien uraufgeführt, es folgte ein kometenhafter Aufstieg: 1991 wurde er von der Fachzeitschrift „Theater heute" zum Nachwuchsautor des Jahres, 1992 bereits zum Dramatiker des Jahres gekürt. Es folgten mehr als siebzig Inszenierungen seiner Dramen, etliche Uraufführungen und Auftragswerke. Am Neujahrsmorgen des Jahres 1994 fand man ihn tot in seiner Wohnung in Graz, gestorben an den Folgen einer Alkoholvergiftung. Werner Schwab war noch keine 36 Jahre alt.

Ein Stoff, aus dem die Mythen sind: ein genialischer Außenseiter und Provokateur, aufgestiegen aus desolatesten sozialen Verhältnissen, wird zum Liebling des Feuilletons. Der Sohn einer Hausmeisterin und Putzfrau, aufgewachsen in lichtlosen, feuchten Kellerwohnungen, bringt es zum enfant terrible der Theaterwelt. Umstritten, umschwärmt, gehasst.
Das Besondere an Schwabs Stücken ist ihre Sprache, die durchaus in der Tradition von Ödön von Horváth, Thomas Bernhard und Marieluise Fleißer steht und doch einen ganz eigenen Ton findet: ein Kunstdialekt. Seine Figuren, von jeglicher Hoffnung auf eine bessere Zukunft verlassen, setzen der feindlichen Welt ihre kruden, verstiegenen Wortkaskaden entgegen. Es sind beredte Albträume, gespeist von einem tiefen Verständnis um die Verletzungen, die eine kleinbürgerliche Welt zufügen kann. Die Diskrepanz zwischen dem Geschilderten und der Art, wie Schwabs Figuren ihrer Lage Herr zu werden versuchen, erzeugt eine groteske Komik.
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