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Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Puccini als Avantgarde-Komponist

"Tosca" in Osnabrück: Gastdirigent Rasmus Baumann verblüfft mit einer kühnen Klangauffassung

Eine Milliarde Fernsehzuschauer sollen 1992 die von Brian Large an Originalschauplätzen produzierte "Tosca" verfolgt haben. Ins Unüberschaubare angewachsen ist die Zahl der Gesamteinspielungen und Kino-Adaptationen. Doch der erdrückenden Rezeptionsgeschichte zum Trotz gelingt den Städtischen Bühnen Osnabrück eine Neuproduktion dieses Opernmythos ohne den penetranten Nachgeschmack des längst Bekannten.

Christian Tepe über Verdis Tosca in Osnabrück

Szenenfoto: Uwe Lewandowski

Einen entscheidenden Anteil zu diesem Erfolg steuern Gastdirigent Rasmus Neumann vom Staatstheater Kassel und das Osnabrücker Symphonieorchester bei. Mit einer unerwartet scharfkantigen und schroffen Interpretation der ohnehin harten Orchestersprache der „Tosca“ rufen sie die Modernität des Werkes zum Zeitpunkt seiner Uraufführung im Jahr 1900 in Erinnerung. Alles Kinematographische weit hinter sich lassend machen Baumann und das Orchester das Bedrohungspotenzial der Bühnengeschehnisse geradezu physisch erlebbar. Um so wirkungsvoller heben sich von den beunruhigenden Gewalträuschen die delikat musizierten, aber in latenter Spannung gehaltenen, blühenden orchestralen Lyrismen der Liebesduette ab. Insgesamt vermitteln Baumann und das Orchester eindringlich, wie in dieser Musik eine Ahnung der verheerenden politischen Katastrophen des 20.Jahrhunderts steckt und springen mit ihrer Lesart für eine Inszenierung ein, die die politische Dimension der Oper weit zurückhaltender angeht.

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