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Harald Schwiers in der Virtuellen Kulturregion SWO

"Schwein gehabt“

"Schwein gehabt " sagt der Volksmund. Und meint: Glück gehabt. Was aber hat beides miteinander zu tun? Wir kennen glückliche Kühe, in lila, Wolfgang Hennigs Schweine aber kommen uns monochrom entgegen. Wir kennen vielleicht glückliche Menschen, aber der Kulturkatalog sagt uns nichts über ihre Farbe. Und Schweine sind, in unserer Vorstellung, ja nun rosa. Ist das Glück zart pink? Oder vielleicht gar schwarz-weiß gescheckt wie das Schwäbisch-Hallische, liebreich „Mohrenköpfle“ genannt? Vor dem Verzehr.

Das Glück, so verspricht uns die Werbung, ist in aller Regel golden,. Finden wir heute hier das güldene Glück? Mit ein bisschen Schwein vielleicht…Ein kurzer Blick ins Lexikon oder eine schnelle Suche bei Wikipädia hilft uns in Sachen Glück und Schwein weiter: Mit mindestens 30 Seiten (inklusive Grimm). Pech, also kein Schwein gehabt. Das Ergebnis ist eher zum auf der Sau davonreiten…
Doch dann: Bei Abraham a Sancta Clara taucht in einer Predigt aus dem 17. Jahrhundert auf: „So sind in den Karten vier Säu: Eichel-Sau, Schellen-Sau, Herz-Sau, Graus- (Laub-)Sau, und weil die Säu mehr gelten als der König, so ist ja das ein säuisch Spiel“. Da habe ich doch Schwein, also unverhofftes, unerwartetes Glück gehabt.

Harald Schwiers in der Virtuellen Kulturregion SWO über Wolfgang Henning in der Galerie Knecht

Wolfgang Henning: Aus der Serie: „Briefe des Eurylochos“

Vermutlich, so der allumfassende Lutz Röhrich, stammt die semantische Verbindung Glück/Schwein von mittelalterlichen Spielen, bei denen der Preis für den Sieger bei Wetten, Schützenfesten u.ä. in der Regel ein Schwein war. Eine uns heute fremde Kultur.

Das beliebte borstige Haustier ist das wesentliche Element in Wolfgang Hennings Zyklus über den 10. Gesang von Homers „Odyssee“, der Geschichte, in der die Hälfte von Odysseus’ Weggenossen, 22 stramme Krieger, von Circe in Schweine verwandelt werden. Sie sind nicht nur, sondern haben auch mächtig Schwein, denn im Lauf der Geschichte verpflichtet sich der Held, sich „mit Circe aufs Lager zu legen“.
Natürlich nur, um die verwandelten Kollegen und Kumpels zu erlösen. Was denken Sie denn! Und das war so

"Bist du jener Odysseus, der, viele Küsten umirrend,
wann er von Ilion kehrt im schnellen Schiffe, auch hieher
kommen soll, wie der Gott mit goldenem Stabe mir saget?
Lieber! So stecke dein Schwert in die Scheid', und laß uns zusammen
unser Lager besteigen, damit wir, beide versöhnet
durch die Freuden der Liebe, hinfort einander vertrauen!

Damit stellt Homer selbst Richard Wagner – denken Sie an Siegfried im Ring – in den Schatten. Übrigens war Odysseus mit Circe nicht allein. Beteiligt waren auch vier Damen, „holdselige Mägde, die alle Geschäfte besorgten - Töchter der Quellen und schattigen Haine und der heiligen Ströme, die in das Meer sich ergießen.“ Und dann schreibt Homer weiter bzw. beschreibt Henning via seinen Berichterstatter Eurylochos in – unbeantworteten – Briefen (oder Emails), was geschah:

„Aber die vierte Magd trug Wasser, und zündete Feuer
unter dem großen Dreifuß an, das Wasser zu wärmen.
Und nachdem das Wasser im blinkenden Erze gekochet,
führte sie mich in das Bad,
und strömt' aus dem dampfenden Kessel
lieblich gemischtes Wasser mir über das Haupt und die Schultern,
und entnahm den Gliedern die geistentkräftende Arbeit.

Eine Dienerin trug in der schönen goldenen Kanne
über dem silbernen Becken das Wasser, beströmte zum Waschen mir die Händ', und stellte vor mich die geglättete Tafel.
Und die ehrbare Schaffnerin kam und tischte das Brot auf
und der Gerichte viel aus ihrem gesammelten Vorrat,
und befahl mir zu essen.“

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