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Kunsthalle Göppingen im kunstportal-bw

www.kunsthalle-goeppingen.de

Kunsthalle Göppingen im Kunstportal Baden-Württemberg

11.12.2016 - 26.02.2017

Der Duchamp Effekt. Readymade. Werke aus der Daimler Art Collection

Wir laden Sie herzlich ein zur Eröffnung am 11. Dezember 2016 um18 Uhr Begrüßung: Werner Meyer; Kunsthalle Göppingen / Zur Ausstellung: Katharina Neuburger

Marcel Duchamp montiert 1913 das Vorderteil eines Fahrrads auf einen Hocker und erweitert damit fundamental die Geschichte der modernen Plastik und die Vorstellung, was ein Kunstwerk ist. Mit seinen Readymades führt er Alltagsgegenstände, Industrieprodukte in den Kunstraum ein. Aufgestellt auf einem Sockel werden Flaschentrockner, Fahrradgestell und Urinoir zu Kunst. Die künstlerische Produktion erfährt eine radikale Umwertung und kann nur mehr aus einem Akt der Auswahl eines Gegenstandes bestehen. So drehte Marcel Duchamp 1917 in seinem berühmten Objekt ein herkömmliches Urinoir um 90 Grad, signierte es mit R. Mutt und gab ihm den Titel „Fountain“. Der Anspruch an den Künstler als Schöpfer und die Aura des Kunstwerkes wurden mit dieser Setzung provokant hinterfragt: Was ist ein Kunstwerk? Was macht ein Künstler? Welche Rolle kommt dem Betrachter zu?

Lasse Schmidt Hansen: 3107/3107, 2008
Daimler Art Collection, Foto: Rainer Jordan, Berlin

Mit der Ausstellung „Der Duchamp Effekt. Readymade. Werke aus der Daimler Art Collection“ wird der historischen Bedeutung des Konzepts Readymade nachgegangen. Anhand einer hochkarätigen Auswahl von 29 Künstlerinnen und Künstlern aus der Daimler Art Collection stehen die Rezeptionsgeschichte des Readymade und seine Bedeutung heute zur Debatte. Alle Kunstwerke der Ausstellung stehen in Verbindung mit der vielleicht bedeutendsten und folgenreichsten Erfindung in der Kunst des 20. Jahrhunderts, mit Marcel Duchamps Readymades. Und sie verhandeln die Möglichkeiten, wie ein Industrieprodukt im Zusammenhang einer Kunstausstellung als Kunstwerk Bedeutung gewinnt.

Der französische Künstler Saâdane Afif bringt eigene Werke und Konzepte sowie die Arbeiten anderer in einen konstanten Fluss von Dekonstruktion, Interpretation Transformation und Neuschaffung. Afif bezieht sich direkt auf die Werke berühmter Künstlerkollegen, so verfügt sein Rennrad „L´André“ in der Mitte des Gestänges über eine Farbfolge, die auf den Konzeptkünstler André Cadere verweist. John M. Armleders Installation „Don‘t do it“ versammelt die berühmtesten Readymades, von Marcel Duchamps Urinoir über Andy Warhols Waschmittelboxen und Joseph Beuys‘ Filzrollen bis zum Teebeutel Rikrit Tiravanijas. Alle Objekte zeigen sich als zum Verkauf bereitstehende Waren und gleichzeitig als künstlerische Installation. Sylvie Fleury verarbeitet in ihrer Kunst fetischisierte Waren, Luxusgegenstände und Statussymbole aus der Massen- und Hochkultur. Mit dem Einsatz von Designobjekten und erworbenen Konsumartikeln, wie Einkaufstüten mit orginalverpackten Waren, bezieht sie sich auf das Konzept des Readymades und stellt der männlich dominierten Kunstgeschichte eine feminin konnotierte Objektwelt entgegen. Jan Henderikse fasst Alltagsmaterialien in seriell angeordneten Assemblagen zusammen. 1962 schichtete er leere Obstkisten zu einem fragilen Readymade auf. Zufall und Konzept, Ordnung und Unordnung treffen aufeinander. Alicija Kwades Wanduhr mit analogem Zifferblatt folgt einer eigenen absurden Logik – während der Sekundenzeiger eine Sekunde vorrückt, dreht sich das gesamte Zifferblatt gegen den Uhrzeigersinn zurück, dennoch lässt sich die Uhrzeit ablesen. Das Ticken des Uhrzeigers lässt das Verrinnen der Zeit spürbar werden. Kwade zeigt die Uhr als Zeitmaschine und spielt darauf an, wie absurd der Mensch bisweilen auf die Zeit fixiert ist.

Standardisierung, Normierung und Abweichungen von der Norm beschäftigen Lasse Schmidt Hansen. Durch die Modifizierung von Vorgaben gelingt es ihm, Vorschriften und Regeln der industriellen Produktion zu unterwandern.
„3107/3107“ zeigt zwei Stühle von Arne Jacobsen, einer der beiden leicht größer als sein scheinbar identisches Gegenüber. Hansen spielt mit der kaum wahrnehmbaren Variation und Abweichung in festgelegten Systemen.
In allen Kunstwerken spielen Readymades im Sinne von Duchamp eine zentrale Rolle. Wie werden sie zur Kunst? Durch ihren Ortswechsel in den Kunstraum, durch die Auswahl eines Künstlers und wie er den Gegenstand in Szene setzt, durch den Bezug auf andere Kunstwerke, durch andere und neue Bedeutungen, die als Möglichkeiten der Interpretation aufscheinen… Kunstwerke geben gerne vor, Antworten zu geben. Wenn sie auch Fragen einfordern, werden sie um vieles wertvoller und interessanter und großartige Sehenswürdigkeiten.

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