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Kulturtipps von Uli Rothfuss im kunstportal-bw

Kulturtipps von Uli Rothfuss im kunstportal-bw

Was man von einem Roman erwartet.
T.A. Wilrodes Roman „Das Segantini-Projekt“.

Als ich das Buch zu Ende gelesen habe, empfinde ich es als Verlust, nicht einfach, woran ich mich langsam gewöhnt hatte, weiterlesen zu können, wie die Tage vorher: mich weiter hinein zu lesen in dieses Panorama einer Geschichte, die auch von mir handelt, so mein Eindruck als einer Protagonisten im Buch, mich einnehmen zu lassen von diesen Lebensgeschichten, Lebensentwürfen, die in dieser kleinen Welt des Internats in den Schweizer Bergen aufeinander treffen und sich immer mehr ineinander zu verweben scheinen. Dem Autor gelingt es, den Leser so ganz aufzunehmen, quasi hinein zu saugen in seine Geschichte, ihn sich als Teil der Geschichte fühlen zu lassen. Das ist Erzählkunst.

Kulturtipps von Uli Rothfuss im kunstportal-bw

Ein 400-Seiten-Roman. Ist dies überhaupt ein Roman? Also, es wird eine Geschichte erzählt, die Geschichte zunächst einmal des jungen Jiri, Student, dem es irgendwie gelungen ist, aus der Tschechoslowakei heraus- und in die Schweiz hineinzukommen, wie, das erschließt sich im Roman nicht so ganz, auch wenn es Andeutungen gibt, z.B. dass sein Vater, der alternde Herr Professor vorübergehend im Internat unterrichtet, ansonsten aber auf einer „Insel“ lebt – warum, so fragte ich mich oft, nennt der Autor öfters die Dinge nicht beim Namen, welchen Abbruch hätte es der Geschichte getan, die Insel mit Namen zu benennen, den Studienort des Protagonisten; eher als störend empfinde ich diese Geheimnistuerei denn als Bereicherung, als Offenhalten der Handlung.

Worum geht es in diesem lange vor sich hin fließenden Text, frage ich mich wiederholt. Was ist das Anliegen des Autors, außer einfach einen Ausschnitt aus dem Leben von ein paar Personen zu erzählen, die sich mehr oder weniger zufällig irgendwann – auch das wird nie genau benannt, außer auf dem Cover, wo es heißt „in den 60er Jahren“, was man aus dem Romantext allenfalls vermuten kann – die sich begegnen, sich aneinander reiben, sich nahe kommen, die Emotionen verstecken oder ausleben, es ist eine Geschichte, die so vor sich hin fließt, die man freilich gerne liest, die aber keine Zwangsläufigkeit hat, keinen eigentlichen Spannungsbogen, der den Leser atemlos weiterlesen lässt. Eher einen Erzählstrom, der ihn einfach mit sich trägt, dabei sich erfreuen lässt an der erzählerischen Strömung zu einem Ziel hin, das dann doch unbekannt ist und letztlich auch bleibt.

Auch der Versuch, die Geschichte vom Schluss her anzugehen, hilft wenig. Sie endet wie in einem neuen Anfang, es geht, so kann sich der Leser vorstellen, weiter, wie schon die 400 Seiten vorher, der Erzählfluss leitet wie das Leben ins Nichts und hinein ins Alles zugleich. Das ist einerseits eine Stärke dieses Romans, andererseits lässt es den Leser auch etwas allein mit seinen Wünschen und Hoffnungen.

Diese Erzählstruktur erinnert an jene großen Romane vergangener Zeiten, die weit ausholen und Familienpanoramen (das Internat und sein personelles Inventar kann man ohne weiteres als eine große Familie auffassen) vor den Leser hinstellen, sie über hunderte von Seiten ausbreiten, und gerade die Tatsache, dass scheinbar nichts passiert, lässt auf feinste Nuancen achten und sehen, dass doch ungemein viel passiert. So wird man auch in diesem Buch zum Beobachter der fein ausgebreiteten Emotionen, der Bezüge zwischen Handlungen und personellen Aktionen. Auch auf die Bezüge – der Autor wählt als Haupt-Handlungsort ein Internat in einer schweizerischen Gebirgslandschaft – zwischen Landschaft und Menschen, die Gegensätze der Landschaft, die sich in diesen Menschen wiederfinden.

Die Methode, sich die Geschichte über ein Hauptmotiv zu erschließen: über das „Segantini-Projekt“, das bereits im Titel benannt wird. Segantini, der geheimnisvolle italienische Maler, dessen Bilder im Roman immer wieder auftauchen, und dessen Werk im Roman die Vorlage für ein Theaterstück gibt, an dem verschiedene Akteure des Romans in unterschiedlicher Intensität arbeiten. Über weite Strecken verschwindet dieses Motiv hinter alltäglichen Beziehungsstudien zwischen den Akteuren, dann scheint es wieder herauf, als würde es bemüht, den Roman zusammenzuhalten. Es gibt so neben den Hauptakteuren eine inhaltliche Klammer, die oft im Hintergrund verschwindet. Dies über mehrere hundert Seiten durchzuhalten und am Ende nicht bemüht wirken zu lassen, ist auch Erzählkunst.

Das stärkste an Wirkung in diesem Roman ist die Frage, die sich der Leser immer wieder und zunehmend stellt: was ist konkret, was ist inszeniert, und was ist imaginiert in diesem Leben im Buch? Nicht aus der Sicht des Autors, nicht ob er dieses oder jenes selbst erlebt hat; sondern aus der Sicht der Protagonisten, die in ihren Emotionen aufeinander treffen, agieren, reagieren, die sich in ihren Vorstellungen ausleben, im Leben dann nur ansatzweise oder mit abrupten Brüchen.

Dieser Roman hat viel mit dem Leben zu tun, er ist nicht abgehoben, auch wenn er in einer abgehobenen Sphäre in einem elitären Internat in den Schweizer Bergen spielt. Der Autor breitet vor uns ein Geschichts- und Personenpanorama aus, in das wir uns hineinversetzt fühlen, in dem wir „mitspielen“. Seine Sprache reißt uns nicht mit, aber sie trägt uns durch die Geschichte, und genau diese Sprache ist es, die uns auch durch die Geschichte lotst.

Es ist kein Roman, der gelesen und weggelegt wird, die Figuren, die Geschehnisse, und seien sie für sich auch manchmal banal, aber eben nicht im Zusammenhang, sie lassen uns nicht schnell los. Das ist es doch, was man von einem Roman erwartet.

T.A. Wilrode: Das Segantini-Projekt. Roman. Brosch., 412 S., buch & media, München 2013, 19,90 Euro.

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