| Manchmal „stolpert“ man über einen Buchtitel, interessiert, liest rein in ein Buch und ist von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. So ein Buch ist der erste Roman von Eleonora Hummel, die in Kasachstan und im Kaukasus aufgewachsen ist und heute in Dresden lebt.
Was macht den erzählerischen Sog dieses Buches aus?

Eleonora Hummel schreibt ganz und gar „von innen heraus“ – und dies meistert sie ohne in der Innerlichkeit zu verharren; eine große Leistung. Diese Autorin schreibt ein ehrliches Buch, unprätentiös, sie hat eine Geschichte, die sich an der des 12jährigen Mädchens Alina orientiert, die in einem seltsamen und doch dem Leser eindeutig nachvollziehbaren Schwebezustand lebt; durchgehalten wird die Perspektive des Mädchens hin zur Perspektive der jungen Frau am Schluß des Buches, und der Leser kann viel erfahren: über das Schicksal der Russlanddeutschen, gestaltet – wie es bei guten Romanen sein muß – nicht an langatmigen, philosophisch-theoretischen Ausführungen, sondern am Beispiel Einzelner: am Großvater Alinas, am Vater, an der Mutter, an der Schwester, die je einen einzelnen Stern im Universum des Mädchens verkörpern.
Viel wird klar über die Situation der Deutschstämmigen in Russland, über ihr Schicksal als deklarierte Volksfeinde während des Krieges – ein Schicksal, das nachwirkt im Prinzip bis heute, Grund für viele, in die Heimat der Vorfahren zurückkehren zu wollen. Eindrucksvoll beschreibt die Autorin aber auch Landschaften und Lebensweisen in Russland – und damit wird ihr Buch auch zu einem Fundus der Erkenntnis über ein uns immer noch unbekanntes Land.
Ein Fundstück, dieses Buch, ein literarisches Kleinod – der Erstling dieser Autorin nach einigen kürzeren literarischen Arbeiten in Zeitschriften. Wir werden noch viel erwarten dürfen.
Eleonora Hummel: Die Fische von Berlin, geb., 224 S., Steidl Verlag, Göttingen 2004, 18 Euro.
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