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Walle Sayer: Kleine Studie
Reglos, im abgebrochenen Spiel, stehen die verbliebenen Figuren.
Über Nacht ist aus ihrem Warten ein Ausharren geworden.
Im Raum tut alles Abgewandte so, als wüßte es den nächsten Zug.
Ein Stilleben, wär nicht die Stubenfliege, die unbehelligt durch die Reihen läuft.
Aus: Walle Sayer: Den Tag zu den Tagen, Gedichte, Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen 2006.
Der Autor:
Walle Sayer Geb. 1960 in Bierlingen (Kreis Tübingen), lebt und arbeitet der Autor in Dettingen bei Horb, veröffentlicht Lyrik und Prosa (zuletzt „Kerngehäuse“, Aufzeichnungen und Prosagedichte, 2009; „Den Tag zu den Tagen“, Gedichte, 2006, im Verlag Klöpfer und Meyer, Tübingen). Walle Sayer erhielt u.a. den Thaddäus-Troll-Preis, den Förderpreis zum Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg, den Berthold-Auerbach-Preis, den Förderpreis der Hermann-Lenz-Stiftung und den Ludwig-Uhland-Förderpreis. Er ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller und im P.E.N.
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Begründung:
Ein Gedicht, Sprache, in der Schwebe; ein Gedicht, in dem Warten zum Ausharren wird, die Schwebe wird gehalten. Es ist dies ein typisches Gedicht für Walle Sayer, der wieder einmal seine ganz eigene Sprachlandschaft entwirft, aus Gegenständen, die uns umgeben und die mir, dem Leser, plötzlich in ganz neuem Zusammenhang bewusst werden. Es gibt hier keine Kategorien mehr, wie „schön“ oder „ergreifend“ – die Sprache dieses Gedichts vertraut ganz auf ihre eigene Kraft, sie „will“ nichts bewirken, nicht einmal bloß beschreiben, sie ist einfach da, stark, offen, offen für das Besondere am Alltäglichen.
Sprache als das hörbar, lesbar gemachte Nichts, das so Sinn bekommt. Das kann nur einer, der die Welt gelassen sieht, und mit dem Abstand des Beobachters, des Erfahrenen, des Erlebenden. Literatur vermittle mehr eine generelle Haltung als eine Meinung, sagte Sayer in einem Interview. Diese, seine durchgängige Haltung ist an diesem Gedicht direkt ablesbar.
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