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Fritz Deppert Um den Atem winterfrei zu machen: Wörter aus dem Fenster geworfen, Eiswörter, Kaltwörter, Drohwörter. Neue Wörter eingeatmet, Frühlingswörter, Farbwörter, Glückswörter. Auch im Computer die alten gelöscht und durch die neuen ersetzt für Disketten- ewigkeiten. Weiß und rosa blühen die Mandelbäume und schlagen Wurzeln in meinen Augen. Die aufgetauten Lieder der Schwarzamsel besetzen mein Gehirn mit Melodien für Sommerfugen. Ich genieße das steigende Jahr trotz des Wetterleuchtens am Horizont.
Der Autor
Fritz Deppert
Lyriker, Roman- und Kinderbuchautor, Erzähler, Hörspielautor.
Geb. 1932, lebt in Darmstadt.
Dr. phil., Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Frankfurt am Main. Promotion mit einer Arbeit über die Dramen Ernst Barlachs. Berufstätigkeit im höheren Schuldienst, zuletzt als Oberstudiendirektor der Bertolt-Brecht-Schule in Darmstadt. Mitglied im Verband der Schriftsteller (VS) und Ehrenpräsident der Schriftstellervereinigung "Die KOGGE", Mitglied im Internationalen PEN. Lektor des Darmstädter Wettbewerbs "Literarischer März".
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Begründung:
Im Gedicht zeigt sich der Plan des reinen Dichters, des Menschen, für den sich alle Zusammenhänge im Wort erschließen; der Ablauf der Jahreszeiten als Synonym für das Suchen nach Worten und damit das zeitweise Glück, die Wörter als Hilfsmittel, sich im Leben zurechtzufinden. Die Wörter und die Augen, möchte man sagen, wenn man dieses Gedicht liest, allein mit diesen lassen sich Koordinaten des Lebens bauen; Einflüsse von außen, das Wetterleuchten am Horizont, immer als Chance, selbst wenn Gefahr droht, wenn Schatten sich werfen, ist die Rettung beim Wort. Ein Gedicht, das – gerade jetzt, wenn der Herbst heraufzieht – Mut gibt, dass im ewigen Zyklus der Atem auch wieder „winterfrei“ wird, dass die Eis- und Kaltwörter irgendwann wieder aus dem Fenster geworfen werden und Frühlings- und Farbwörter Einzug halten.
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