| Lange stand Gerda Taro im Schatten ihres Kollegen und Lebensgefährten Robert Capa. Heute gilt sie als Pionierin der Kriegsfotografie. Die Jüdin Gerda Taro, 1910 in Stuttgart geboren, war vor der existenziellen Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Paris geflohen. Zusammen mit Capa brach sie 1936 nach Spanien auf, um über den Kampf der Republikaner gegen Francos Faschisten zu berichten. Auf der Suche nach authentischen Bildern entstanden zwischen August 1936 und Juli 1937 Aufnahmen, die das Leid, aber auch das Leben der spanischen Bevölkerung in und mit dem Krieg aus beeindruckender Nahsicht dokumentieren und einen neuen Weg in der Kriegsberichterstattung beschreiten.

Taro starb als erste Kriegsfotografin 1937 bei einem Unfall während eines Rückzugsgefechtes in der Nähe von Brunete.
Im Jahr ihres 100. Geburtstages zeigt das Kunstmuseum Stuttgart als einzige Station in Deutschland die vom ICP New York zusammen mit Taro-Biografin Irme Schaber konzipierte Retrospektive. Sie umfasst 85 Exponate und begleitende Materialien. Der Erste Weltkrieg und die latent antijüdischen Ressentiments ihres kleinbürgerlichen Umfeldes prägen Kindheit und Jugend der 1910 in Stuttgart geborenen Gerda Taro. Die finanzielle Unterstützung einer Tante ermöglicht ihr eine moderne Erziehung. 1929 zieht die Familie nach Leipzig, um einen wirtschaftlichen Neuanfang zu wagen. Doch bereits vier Jahre später, mit Machtergreifung der Nationalsozialisten, muss Taro nach Frankreich emigrieren. Im linksintellektuellen Milieu von Paris wird aus der Emigrantin Gerta Pohorylle – so ihr Geburtsname – die Bildreporterin Gerda Taro. Durch die Arbeit in einer Bildagentur und private Kontakte zu Fotografen 2 eignet sie sich das professionelle Handwerkszeug an, vom Umgang mit der Kamera und der Arbeit in der Dunkelkammer bis zur Vermarktung des fotografischen Materials. In dieser Zeit wird aus der privaten Liaison zwischen Gerta Pohorylle und André Friedmann die berufliche Verbindung Taro-Capa. Stand zunächst noch die Platzierung der ›Marke‹ Capa im Vordergrund, emanzipiert sich Gerda Taro im Laufe der nächsten Monate zu einer unter eigenem Namen arbeitenden Kriegsfotografin. Das Fotografenpaar kommt am 5. August 1936 in Barcelona an, als die Straßenschlachten und Barrikadenkämpfe zwischen rechten Putschisten und Republikanhängern bereits vorbei sind. Nur dem Umstand, dass zwei Tage nach Francos Putschversuch eine allgemeine Mobilmachung erfolgte und weite Teile der Bevölkerung sofort bewaffneten Widerstand geleistet hatten, ist es zu verdanken, dass nur ein Drittel des Landes in die Gewalt der Faschisten gelangt.
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