| “Ich heiße Wilhelm Richard Wagner, und bin den 22. Mai 1813 in Leipzig geboren. Mein Vater war Polizei-Aktuarius und starb ein halbes Jahr nach meiner Geburt. Mein Stiefvater, Ludwig Geyer, war Schauspieler und Maler; er hat auch einige Lustspiele geschrieben, worunter das Eine: „Der bethlehemitische Kindermord“ Glück machte: mit ihm zog meine Familie nach Dresden. Er wollte, ich sollte Maler werden; ich war aber sehr ungeschickt im Zeichnen.“

Die ersten Sätze einer frühen autobiografischen Skizze lassen noch nicht ahnen, dass ihnen eines der eindrucksvollsten künstlerischen Lebenswerke des 19. Jahrhunderts folgen wird. Doch Richard Wagner war nicht nur der Erneuerer und Vollender des Musikdramas, der kämpferische Demokrat und frühreife Kapitalismuskritiker, sondern auch ein Genie, das permanent zur Selbstüberschätzung neigte, und obendrein noch ein geistiger Brandstifter, der nicht davor zurückschreckte, sein literarisches Schaffen mit ebenso haltlosen wie abstoßenden Pamphleten („Das Judentum in der Musik“) zu durchsetzen. Das soeben erschienene digitale Kompendium vereint auf über 50.000 Bildschirmseiten den kompletten Wagner in Schriftform. Neben sämtlichen zitierfähigen Schriften und Dichtungen – zu denen nicht nur die theoretischen Abhandlungen und Opernlibretti, sondern auch nicht vollendete Entwürfe wie „Friedrich I.“, „Jesus von Nazareth“ oder das Buddha-Drama „Die Sieger“ gehören -, enthält die CD-Rom Briefe von und an Wagner, die Autobiografie „Mein Leben“ und „Das Braune Buch“, in dem die Tagebuchaufzeichnungen von 1865 bis 1882 verzeichnet sind. Darüber hinaus wurden Cosima Wagners Tagebücher von 1869 bis zum Tod ihres Mannes im Jahr 1883, Carl Friedrich Glasenapps Anfang des 20. Jahrhunderts erschienene Biografie in sechs Bänden sowie Martin Gregor-Dellins „Richard Wagner. Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert“ und Gregor-Dellins „Richard Wagner. Eine Biographie in Bildern“ aufgenommen. Eine komfortable Suchfunktion – in die es sich lohnt, einmal den Begriff „Meyerbeer“ einzugeben, um Wagners bizarre Stimmungswechsel im Schnelldurchlauf nach zu erleben – rundet das außergewöhnliche Projekt ebenso sinnvoll ab wie das umfangreiche Bildmaterial und die Faksimiles, die der technischen Leistung schließlich auch eine persönliche Note geben. Für Wagner-Freunde – vor, während und nach den Bayreuther Festspielen – eine absolut unverzichtbare Neuerscheinung!
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