| Das Volk von Brabant drückt die Schulbank, aber nach kaum vier Stunden hat es seine Lektion gelernt. Als Lohengrin enttarnt, Elsa verlassen und der Traum von einem anderen Leben entschwunden ist, greift Thronfolger Gottfried zum Maschinengewehr und weist den Seinen den Weg in die Abgründe der Realität. Peter Konwitschnys „Lohengrin“-Inszenierung, die bei der Hamburger Premiere im Jahr 1998 einen veritablen Skandal entfachte und jetzt endlich als Mitschnitt des Gran Teatre del Liceu (Barcelona) auf DVD vorliegt, darf rückblickend als eine der zwingendsten Deutungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte betrachtet werden. Einfühlsamer und präziser, bildkräftiger und unverkrampfter ist der revolutionäre Elan des jungen Richard Wagner selten in Szene gesetzt worden, und das gilt eben auch für die bittere Ahnung des baldigen Utopieverlustes, die den Meister veranlasste, in „Lohengrin“ den „allertraurigsten“ seiner Opernstoffe zu sehen.

Die musikalische Umsetzung ist der herausragenden Regieleistung über weite Strecken ebenbürtig. Reinhard Hagen gibt einen sonoren König Heinrich, Emily Magee brilliert als schwindelfreie und auch schauspielerisch überzeugende Elsa, und Luana DeVol und Hans-Joachim Ketelsen dürften als Idealbesetzung von Ortrud und Telramund schwer zu überbieten sein. John Treleaven irritiert mitunter durch Schwankungen in höheren Lagen, zelebriert aber eine faszinierend unpathetische Gralserzählung. Chor und Orchester des Gran Teatre del Liceu sorgen in der Einstudierung von José Luis Basso und unter der Leitung von Sebastian Weigle für eine nicht immer filigrane, insgesamt aber allemal imposante Begleitmusik.
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