Erwin Gross – Auf Papier 2017–2019

05. Dezember 2019 – 13. April 2020

Erwin Gross: Ohne Titel | 2018
© Künstler
Erwin Gross: Ohne Titel | 2018
© Künstler

Der Maler Erwin Gross, Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und von 2000 bis 2012 Rektor der angesehenen Kunsthochschule, trat in der Vergangenheit vor allem mit seinen großformatigen Leinwänden an die Öffentlichkeit. Parallel zu seinem umfangreichen malerischen Werk entstehen bis heute auch Gouachen und Collagen, die bislang wenig bekannt sind. Nun zeigt die Städtische Galerie Karlsruhe die erste Sonderausstellung, die ausschließlich seinen Kunstwerken auf Papier gewidmet ist. In einer repräsentativen Auswahl sind Beispiele aus den letzten drei Jahren zu sehen. Die eher kleinen Kompositionen zeichnen sich durch eine stimmungsvolle, poetische Leichtigkeit aus. Sie assoziieren Erinnerungen an Landschaften, Pflanzen sowie gelegentlich Architektur und entführen die Betrachter*innen in ihre eigene innere Welt.

Erwin Gross: Ohne Titel | 2018
© Künstler
Erwin Gross: Ohne Titel | 2018
© Künstler

Diese Inhalte und Themen bieten einen weiten kreativen Spielraum und eine immense gestalterische Offenheit, die Erwin Gross immer wieder auslotet, wie bereits die 2008 realisierte Ausstellung „Erwin Gross – Malerei 1982–2007“ im Lichthof der Städtischen Galerie Karlsruhe eindrucksvoll vor Augen führte. Ein wesentlicher Ausgangspunkt ist für ihn das Material, zum Beispiel die Leinwand, die teilweise im rohen Zustand stehen bleibt, teilweise mit großen improvisierten Pinseln bearbeitet und mit Farbseen getränkt wird. Immer wieder benötigt der Künstler Abstand und blickt von oben auf die ausgebreiteten Flächen. Auf dem Boden des Ateliers liegen meist drei bis vier Gemälde in verschiedenen Arbeitsstadien.

Erwin Gross: Ohne Titel | 2018
© Künstler
Erwin Gross: Ohne Titel | 2018
© Künstler

Die Intensität des Malers im Umgang mit den gestalterischen Mitteln zeigt sich auch in der aktuellen Präsentation. Bereits der Ausstellungstitel deutet darauf hin. Denn „Auf Papier“ entstehen in der Regel kleinere Formate, die nicht nur den Künstler, sondern auch die Betrachtenden näher treten lassen. Die von Erwin Gross gewählten Bildträger zeichnen sich durch verschiedene Eigenschaften aus, die ganz unmittelbar auf die Erscheinung des Kunstwerks Einfluss nehmen: die individuelle Haptik der Papiere, die glattere, geschlossene oder die rauere, offene Oberfläche, wodurch die flüssige, manchmal auch eher trockene Farbe unterschiedlich aufgesogen wird. Zudem weisen die Blätter differierende Weißtönungen auf und beeinflussen damit das Verhältnis des Grundes zum Motiv.

Erwin Gross: Ohne Titel | 2017
© Künstler
Erwin Gross: Ohne Titel | 2017
© Künstler

Als Malmittel verwendet Gross in Acryl gebundene Pigmente und damit dieselben Materialien wie für seine Gemälde. Es kann durchaus passieren, dass er mit der Quaste, mit der er eben die Leinwand bearbeitete, über das Papier streicht. Zu seinen Arbeitsgeräten gehören auch bei dieser Werkgruppe neben dem Pinsel Schwämme oder Textilreste, um mit ihnen bestimmte Strukturen zu erzeugen. Charakteristisch ist eine eher zurückgenommene, meist tonige Farbigkeit in Grau, Grün und Braun; gelegentlich finden sich Akzente in Rot, Gelb oder Blau. In dieser Offenheit entstehen Texturen, die wie ferne Erinnerungen und innere Bilder auf Landschaftliches und Pflanzliches verweisen, ohne dass diese Assoziationen genau zu benennen wären.

Die Ausstellung findet im zweiten Obergeschoss der Städtischen Galerie Karlsruhe statt, in jenem Bereich, in dem zuletzt die Werke Karl Weyssers gezeigt wurden.

Erwin Gross: Ohne Titel | 2017
© Künstler
Erwin Gross: Ohne Titel | 2017
© Künstler
Biografie Erwin Gross

Geboren 1953 in Langenbrücken, Baden, Deutschland
Lebt und arbeitet in Karlsruhe

Seit 1990 Professor für Malerei, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe 2000–2012 Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe

Ausstellungen und Projekte (Auswahl):
documenta 7 Kassel (1982)
Sammlung Becht / Collectie Agnes en Frits Becht, Stedelijk Museum Amsterdam (1984)
Ateliers 63, 1980–1985, Museum Fodor Amsterdam (1985)
Musée d’Art Moderne Villeneuve d’Asq (1988)
Kunsthalle Baden-Baden (1997)
Landschaften eines Jahrhunderts, MMK Museum Moderner Kunst Frankfurt (1999)
Transarcadia revisited, Skulpturenhalle Basel (2000)
Up to now, Stedelijk Museum Amsterdam (2003)
Städtische Galerie Karlsruhe (2008)
Kunstverein Reutlingen (2011)
Aller Zauber liegt im Bild, Kunstmuseum Würth, Künzelsau (2011)
Von Ackermann bis Zabotin, ZKM Karlsruhe (2015)