Nicht anders und nicht gleich

11.07.2020 –  So. 02.08.2020 | GEDOK Karlsruhe

Nicole Bellaire: Pflanzenkosmos_VIII_2020,
Farbholzschnitt auf Papier, 25 x 25 cm
© Künstlerin, VG Bildkunst Bonn, 2020

Nicole Bellaire und Meggi Rochell
Druckgrafik, Zeichnung, Collage und keramische Plastik

Eröffnung Sa. 11.07., 14-18 h; beide Künstlerinnen stehen für Gespräche zur Verfügung
Ausstellungsort: GEDOK Künstlerinnenforum, Markgrafenstr. 14 (Ecke Fritz-Erler-Str.),
                             76131 Karlsruhe; Haltestelle: Kronenplatz/Fritz-Erler-Straße

Meggi Rochell: tanze, 2017 | ©Künstlerin, VG Bildkunst Bonn, 2020

Öffnungszeiten: Mi – Fr 17 – 19 h, Sa + So 14 – 16 h; | Sa + So ist jeweils eine der Künstlerinnen anwesend!
Finissage, So 02.08, 14-16 h:
Die beiden Künstlerinnen führen durch die Ausstellung und sprechen über ihre Arbeiten.

Nicht gleich – allein schon die verwendeten Materialien der beiden Künstlerinnen sind unterschiedlich. Arbeiten auf Papier bei Nicole Bellaire, keramische Plastiken bei Meggi Rochell. Die eine setzt sich mit dem Menschen auseinander, die andere mit Pflanzen und kleinem Getier. Hier raumgreifend dreidimensional, dort flächig und zweidimensional. Bewegungsmomente menschlicher Figuren, realitätsnah festgehalten, treffen auf Natureindrücke in poetischer, abstrakter Übersetzung.

Nicht anders? Dennoch finden sich Gemeinsamkeiten in den Arbeiten der beiden Künstlerinnen. Beider Interesse gilt einem flüchtigen, vergänglichen Moment, festgehalten und bewahrt in künstlerischer Chiffrierung. Vom natürlichen Vorbild inspiriert, spüren sie den Bewegungen, den feinen Strukturen, der ganz eigenen Ästhetik des Lebendigen nach.
Wild wachsende, zauberhafte Natur ist der Ausgangspunkt der Werke von Nicole Bellaire: Wegesränder, Brachflächen, unberührte Wiesen … ständig bedroht durch menschliche Eingriffe, Überformung und damit verbundenem Verlust. Diese kleinen Inseln ursprünglicher Wildnis versucht sie auf künstlerische Weise in Holzschnitten, Zeichnungen und Collagen zu konservieren und zu bewahren.
Bereits als Jugendliche legte sie Herbarien an und skizzierte Wiesenblumen mit botanisch genauem Anspruch. In ihren aktuellen Werken ist die äußere Wirklichkeit in erster Linie gestalterischer Anlass. Es geht nicht mehr um wissenschaftliche Genauigkeit, sondern um zeichnerische Spuren als schöpferische, evolutionäre Wachstumsprozesse. So entwickelt sich ein eigener, sehr persönlicher Naturkosmos, der zwischen realistischer Abbildung und Abstraktion changiert.
Der Blick auf die menschliche Natur ist Gegenstand der keramischen Plastiken von Meggi Rochell. Die Figuren befinden sich im Zustand der Bewegung, körperlich, emotional oder mental. Erfahrungen aus mehreren Jahren Bewegungstheater fließen in die dargestellten Charaktere ein. Mal modelliert als ganzer Körper, mal als Fragment, in raumgreifender Größe oder als kleine Figurine, kommunizieren sie mit dem Betrachter durch ihre Gesten, ihre Bewegungen, den Ausdruck ihres Körpers. Sie erzählen Geschichten, bergen Geheimnisse und dennoch bleibt ihr emotionaler Ausdruck oft vage. Sie öffnen Räume für Träume, Interpretationen und Projektionen und erlauben so dem Betrachter stumme Zwiegespräche für neue, ganz eigene Geschichten.