Boris Petrovsky: Kunstwerk der Woche

Boris Petrovsky: Iconeon 14, 2020 ist Kunstwerk der Woche der Galerie Geiger Konstanz

Spätestens seit das ZKM in Karlsruhe 2013 seine 20 x 6 m große interaktive Wünschelmatrix präsentiert hat, gehört Boris Petrovsky zu den bekanntesten Licht-Künstlern in Deutschland. Der 1967 in Konstanz geborene Künstler studierte 1989-96 Freie Kunst und Produktdesign an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Im Zentrum seines Schaffens steht die Frage nach dem Sinn von Kommunikation und der Bedeutung von Botschaften in einer Welt der permanenten Reizüberflutung, wobei er sich in seinem Werk bevorzugt mit der Wirkung von Neon-Schrift-Elementen beschäftigt.

Boris Petrovsky, Iconeon 14, 2020, Neonröhren, 56 x 41,5 x 15 cm
 © Boris Petrovsky, Galerie Geiger

Mit der im Kunstverein Konstanz gezeigten Arbeit Urbanes Unterholz entstand 2005 eine erste raumfüllende Installation aus gebrauchten Neonbuchstaben und Leuchtstoffröhren. 2007 beginnt Petrovsky die Serie der Cluster-Arbeiten und ist erstmals in Galerieausstellungen und auf Messen vertreten. 2012 erregt die computergesteuerte, aus 520 Winkekatzen bestehende Installation The Global Pursuit of Happinessor: The Army of Luck auf der art Karlsruhe großes Aufsehen . 2014 erhält er den Prix Ars Electonica in Linz und wird für den International Light Art Award nominiert.
Die in diesem Jahr entstandene Arbeit Iconeon 14 kann als ein für sein Schaffen und Denken sehr typisches Werk gelten. Die Arbeit besteht aus drei lässig ineinander verwobene Neonröhren, von denen eine ein markantes kühles Blau, die anderen beiden dagegen ein Weiß von unterschiedlicher Intensität und Strahlkraft aufweisen. In ihrer Anordnung erinnern sie unwillkürlich an ein Schriftzeichen oder Firmenlogo, haben aber zugleich eine sehr strenge grafische Qualität, fast wie eine minimalistische Zeichnung aus Licht. Die technisch bedingten Kabel sind dabei völlig stimmig in die Gesamtwirkung einbezogen und verleihen dem ebenso klaren wie komplexen Gebilde eine zusätzliche Dynamik. Der Betrachter sucht unwillkürlich nach einer Bedeutung dieses Zeichens. Sind seine Elemente europäischen oder doch eher asiatischen Ursprungs? Handelt es sich um eine kommerzielle Botschaft aus der Werbewelt? Oder ist es gar eine Chiffre, ein geheimes Symbol? Boris Petrovsky spielt mit unserer Erfahrung, unserer Erwartung – virtuos und ästhetisch äußerst präzise. Und er führt uns gerade dadurch vor Augen, wie sehr wir von der Werbung darauf trainiert sind, die allgegenwärtige Reizüberflutung um uns herum einzuordnen und zu deuten, und wie sehr es uns stört, wenn da plötzlich ein undeutbarer Rest bleibt.

Dr. Stephan Geiger, Galerie Geiger Konstanz