Peter Weibel. (Post-)Europa?

Peter Weibel. (Post-)Europa? | Sa, 03.10.2020 – So, 31.01.2021
Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg
Kosten: 6€/ 4€

Anlässlich der Verleihung des Lovis-Corinth-Preises 2020 an Peter Weibel blickt die Ausstellung »(Post-)Europa?« in sein lebenslanges Werk des künstlerisch-kritischen Hinterfragens aktuellsten politischen und gesellschaftlichen Geschehens.

Bild: Peter Weibel: “Brennt das Haus Europa?”, 2020 
© Bild: Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Tobias Wootton

Die im Zweijahresrhythmus ausgelobte Auszeichnung richtet sich an bildende KünstlerInnen, deren Werk sich thematisch oder biografisch mit dem mittel- und osteuropäischen Raum beschäftigt und dabei zeitgenössische Ausdrucksformen im Bereich der Malerei, Grafik, Plastik/Skulptur, Installation, Performance, Fotografie und Neuen Medien erweitert. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie ist eng mit dem Preis verbunden. Der Lovis-Corinth-Preis wurde dort im Jahr 1974 erstmalig verliehen.

Als Künstler, Kunsttheoretiker und Kurator sowie als langjähriger Vorstand des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) prägt Weibel die internationale Szene der Medienkunst. Sein künstlerisches Schaffen umfasst Experimentalfilme, Computerkunst, Videokunst, Konzeptkunst und Performance. 64 seiner Werke, darunter Fotografien, Skulpturen, Videos, Videoinstallationen, Interaktive Soundinstallationen, Installationen mit Augmented-Reality-Visualisierung, sind in der Ausstellung zu sehen.

Die Ausstellung gibt einen Einblick in Peter Weibels vielfältiges Lebenswerk, das oft visionären Charakter besitzt und sich kritisch mit politischen und gesellschaftlichen Ereignissen auseinandersetzt. Im Mittelpunkt stehen solche Werke, in denen sich Weibel mit Kernfragen in Bezug auf Europa befasst. So ergründet er mit seiner Computer-Videoinstallation »Die Vertreibung der Vernunft« von 1993 ein einschneidendes historisches Ereignis – nämlich die erzwungene Emigration von Künstlern und Intellektuellen Österreichs zwischen 1933 und 1945. Die neueste Arbeit heißt »Brennt das Haus Europa?«. Weibel zeigt hier dem/der BetrachterIn im wahrsten Sinne des Wortes den Spiegel – so trägt die Figur der Europa plötzlich das eigene Gesicht, wodurch man aktiv in die Verantwortung gezogen wird.

»Aus Sorge um Europa habe ich mich für den Titel entschieden«, antwortet Peter Weibel im Interview mit Direktorin Dr. Agnes Tieze auf die Frage nach dem Motto der Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Weibel nimmt Bezug auf die aktuelle vielschichtige Krise Europas, die er als Folge einer andauernden Destabilisierung durch die beiden Weltkriege sowie durch das Geschehen danach versteht. Die Ausstellung trägt einige von Weibels Werken zusammen, in denen er sich mit Europa beschäftigt. Rückblickend fallen insbesondere seine visionären Vorstellungen auf. So bekommt die Installation »Station W – die Welt ein Krankenhaus« von 2019 angesichts der Corona-Pandemie eine erschreckende Aktualität.

Den thematischen Schwerpunkt bildet der große Ausstellungssaal mit einigen großflächigen Installationen. Der »Europa(t)raum« von 1983 besteht aus überdimensionalen, scheinbar blutverschmierten Messerklingen. Aus einem bestimmten Blickwinkel fügen sich die roten Flecken zur Europa-Karte zusammen. Genau hier ist eine Kamera positioniert, die den Betrachter mit ins Bild holt und ihn auf diese Weise über den durch Nationalismus und Separatismus zerrissenen Kontinent wandeln lässt.

Kuratorin: Dr. Agnes Tieze in Zusammenarbeit mit Prof. Peter Weibel

Leihgeber: Archiv des Künstlers; ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe; mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien; Land Oberösterreich, Sammlung Moderne und Zeitgenössische Kunst, Linz.

Weitere Informationen und “Einblick in die Ausstellung”