Abstrakt in Disko

Henriette Grahnert | 26. September 2020 – 22. November 2020 | Städtisches Museum Engen
Henriette Grahnert: Doubleface, Acryl auf Leinwand,2019
© VG Bildkunst Bonn, Foto: Künstlerin

„Right angel in right angle“ lautet der Titel eines Bildes von Henriette Grahnert, der wortspielerisch mitten hinein in ihre Bildwelten führt, bei denen auch die Worte, besser: die Titel ein wichtiges Wörtchen mitzureden haben. Denn auf dem Bild zu sehen ist sowohl ein rechter Winkel wie ein „rechter Engel“, oder zumindest sein Attribut: das weich
fallende, lange Haar. Die 1977 in Dresden geborene und heute in Leipzig lebende Künstlerin zitiert in ihren Werken die unterschiedlichsten Malereitraditionen: sei es die Farbfeldmalerei, den gestischen Pinselschwung oder die Popart. Ihre Arbeiten scheinen nicht nur aus einer Vielzahl an Verweisen und Zitaten zu bestehen, diese Semantik bringt auch ein ironisches Bezugssystem einander kommentierender Wörter und Bildformen hervor, deren Humor die von der Kunstgeschichte sanktionierten Stilbegriffe aufs Korn nimmt. So zeigt etwa die Serie „Keeping secrets“ drei Farbbalken, die chaotisch auf die Leinwand verteilte Farbspritzer überdecken. Welche Geheimnisse werden hinter den akkurat gezogenen Farboberflächen gewahrt?, darf sich der Betrachter fragen. Mit ihrer sehr eigenen Kombinationstechnik lädt Grahnert abstrakte Bildstrukturen inhaltlich auf und gibt ihnen eine menschlich-emotionale Dimension. Man darf hier schmunzeln, gerne auch lachen und die Kunst als das sehen, was sie in ihrem Kern, und nicht nur ihren Bildtiteln, darstellt: den Menschen in all seiner „inneren Schönheit“ und „Schrulligkeit“.