CryptoArt

generativ, on-chain

Mi, 07.04.2021 – So, 06.06.2021 | ZKM Zentrum für Kunst Medien Karlsruhe

© Dmitri Cherniak, 2021


Seit 2014 ist es möglich, digitale Bilder mit Hilfe der Blockchain-Technologie zu zertifizieren und auf diese Weise Unikate herzustellen, so genannte NFTs (Non-Fungible Tokens). Doch erst seit diesem Jahr, nachdem eine Reihe digital zertifizierter Bilder für mehrere Millionen Dollar verkauft wurden, nimmt eine breitere Öffentlichkeit Notiz von dieser Entwicklung. 

Kjetll Golld: Archtype #455, 2021

Das ZKM erwarb bereits 2018 eine Reihe von NFTs und zeigt nun auf dem Kubus-Screen eine Auswahl von Werken aus der eigenen NFT-Sammlung sowie von privaten Leihgebern.

Die Blockchain-Technologie – ursprünglich entwickelt, um mithilfe kryptographischer Verfahren ein digitales Äquivalent zu Bargeld zu erschaffen – verändert die Ökonomie der digitalen Kunst. Digitale Werke, die jederzeit und unendlich kopierbar sind, können nun in Unikate oder limitierte Serien verwandelt werden. Die Logik der Verknappung und die Regeln des traditionellen Kunstmarktes werden in die digitale Welt übertragen. Darüber hinaus eröffnet die Technik jedoch auch neue Möglichkeiten. Sogenannte „Smart-Contracts“, die  in die Blockchain eingebettet sind, können beispielsweise dafür sorgen, dass Künstler:innen bei jedem Weiterverkauf eines ihrer Werke automatisch einen bestimmten Prozentsatz des Verkaufspreises auf ihr Kryptowährungs-Konto überwiesen bekommen. Dadurch, dass jede Information der Blockchain dezentral, von tausenden von Computern beglaubigt werden, sind alle Vorgänge transparent und unveränderbar.

Die Anfänge

Die ersten NFTs lassen sich auf das Jahr 2014 datieren. Im Mai 2014 verkaufte der Künstler Kevin McCoy auf der Rhizome-Konferenz »Seven on Seven« im New Museum, New York, auf der Bühne ein GIF und veröffentlichte die Übertragung des Eigentums  auf der Namecoin-Blockchain. Zusammen mit Anil Dash gründete er »Monegraph«, die erste Plattform, die Blockchain-Technologie nutzte, um digitale Objekte zu authentifizieren. Im gleichen Jahr enstand in Berlin das digitale Kunstregister »ascribe«, 2015 gründete der Künstler Harm van den Dorpel dann die »left gallery«, die seitdem digitale, in der Blockchain zertifizierte Werke anbietet.

Snofro: Chrome Squlggles, 2021

Es wurde jedoch nicht nur im Kunstkontext mit NFTs experimentiert. Im Februar 2016 wurde das Handy-Spiel »Spells of Genesis« (SoG) veröffentlich, dessen Spielkarten in die in BitCrystals-Blockchain eingeschrieben waren. Im September des gleichen Jahres enstand die Plattform »Rare Pepe Wallet« , auf der seitdem Varianten des Internet-Memes »Pepe the Frog« in den Kryptowährungen Counterparty oder PepeCash gehandelt werden.

John Watkinson, Mtt Hall: Cryptopunks, 2016

Ende 2016 schließlich entstanden die bis heute bekanntesten NFTs: John Watkinson entwickelte einen Pixel-Art-Charaktergenerator, der nach einem Zufallsprinzip eine Auswahl von Merkmalen (Sonnenbrillen, Hautfarben, Haartypen, etc.) kombinierte und generierte auf diese Weise 10.000 »CryptoPunks«, kleine Porträts in einer Größe von 24 x 24 Pixel. Watkinson und Hall entwickelten einen technisches Verfahren, das es ermöglichte, eine Referenz auf ein digitales Bild zusammen mit „Marktplatzfunktionen“ auf der Ethereum-Blockchain einzuschreiben. Auf die »CryptoPunks«, die seit Juni 2017 gehandelt werden, folgten im November 2017 die »CryptoKitties« von Guile Gaspar, die nicht nur gesammelt, sondern „gezüchtet“ werden konnten.

An den »CryptoPunks« lässt sich die Dynamik der neuen digitalen Ökonomie beispielhaft zeigen: Kostete der erste Punk im Juni 2017 nur eine Transaktionsgebühr, die 10–20 US-Dollar betrug, wurde im März 2021 ein Bild aus der Serie für etwa 7.500.000 US-Dollar verkauft.