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Hinkelstein 35| Desintegration
Jeden Sonntag gute Nachrichten und manchmal kluge Gedanken.
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Liebe kunstportal-bw Leserinnen und Leser, hallo Abonnent,
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Manchmal „Kluge Gedanken“ dürfen Sie als HInkelstein-Leser an dieser Stelle erwarten. Das „Manchmal“ hatte ich vorausschauenderweise vorangestellt, für den Fall, der gerade mal wieder eingetreten ist. Ich werde älter, fast täglich, und da dauert das Denken manchmal etwas länger. Wenn ich mal (falls dies gelingt) 79 werden sollte, wie Donald Trump, geht es offenbar auch wieder schneller: Vielleicht kann ich dann so schnell denken, wie Trump seine Entscheidungen trifft und wieder ändert…
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Doch möchte ich hier schon eine Vorankündigung machen: im letzten Hinkelstein ging es ja um die Künstlerin Katharina Grosse und deren aktuelle Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart, ich hatte berichtet von meinen Eindrücken beim Presse-Termin. Gleich danach hatte ich begonnen, unser dann sehr aktuelles Künstlerinnenporträt über Katharina Grosse zu texten, das wir dann sehr schnell veröffentlichen konnten: Wo in der Welt kann das Bild sein? – über Katharina Grosse
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Am letzten Donnerstag war ich wieder auf der Reise, zu einem Atelierbesuch bei Tanja Pohl im Vogtland. Die Künstlerin, die derzeit in der FabrikGalerie Lauda eine hochinteressante Ausstellung hat, die ich selbst Anfang Mai besuchen und dann darüber berichten werde. Tanja Pohl wird nach ihrer großen Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt (sie wurde erst kürzlich mit dem „Landesstipendium des Freistaates Thüringen“ ausgezeichnet) bestimmt auch bald öfter hier in Baden-Württemberg zu sehen sein
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Bild oben: Bild oben: Tanja Pohl: Frachthafen, 2017; Öl auf Leinwand; 60 x 80 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2025; Tanja Pohl
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Tanja Pohls Arbeiten kommen aus Landschaften und sind immer auch Landschaft, selbst dann, wenn sie ausdrücklich anderes artikulieren, Köpfe und Körper, Maschinen und Gerät etwa. Doch gehen sie nicht von den herkömmlichen Landschaften aus – von naturbelassenen oder naturnahen Zeitformen – sondern vom gänzlich Menschengemachten, den Strukturen der Arbeit. Am Anfang waren das die realen Industriebrachen, jetzt ist es mehr, das fortgesetzte Agieren der Arbeit/des Menschen in Gebautem, kollektiv und von Generationen erbracht, in Gebrauch oder aufgegeben, vor längerem, jetzt oder demnächst: Vergangenheit also, Gegenwart und Zukunft in einem. Text: Gregor Kunz im Katalogbuch „Mensch Maschine“ (2015) . In diesem Katalog, meinem „Ersten Kontakt“ mit Tanja Pohls Kunst, erscheinen die Werke der Künstlerin vorwiegend (aber nie ausschließlich) düster. Eine Stimmung, die ich verbinde mit der Musik (Gothic oder Post-Punk?) von The Cure.
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Deshalb nehme ich den Titel von The Cures bisher wohl wichtigsten Album „Desintegration“. Wahrscheinlich wird dies dann auch der Titel des Künstlerinnenporträts (im Mai I hope) über Tanja Pohl, deren Kunst sehr viel zu erzählen weiß über Mensch, Maschine und gesellschaftlichem Wandel am Ende der Zeit des Industriekapitalismus.
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Das alles ist schwierig und dauert ein wenig. Aber hören Sie schon mal rein bei The Cure: Desintegration
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Mit ihrer Thematik – sagen wir „Landschaften und deren Veränderung im gesellschaftlich-kulturellen Wandel“ arbeitet Tanja Pohl in einem thematischen Umfeld, das aktueller nicht sein könnte: gerade befinden wir uns in einem Paradigmenwechsel: der alte klassische Industriekapitalismus scheint vorbei zu sein; die Zukunft ist noch ungewiss: der Wohlstand, der unser Land für eine ganze Weile zum Exportweltmeister und damit reich gemacht hat, steht zumindest in Frage: Die Dienstleistungsgesellschaft, die als Utopie (als Nachfolgerin der Industriegesellschaft) lange im Raume stand, wird gar nicht so einfach; schon gar nicht so einfach zu finanzieren.:Als Chronistin all dieser Entwicklungsstränge rückt Tanja Pohl, die sich selbst in ihrer künstlerischen Arbeit nie explizit politisch artikuliert, also sehr schwierige Themen in unseren Fokus.
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Ebendies ist Anfang Mai Thema in unserem neuen Künstlerinnenporträt.
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Wir wünschen Ihnen einen wunderbar, gut integrierten und integrativen Oster-Sonntag, an dem alles zusamenpasst: Kunst und (wenns beliebt) Nachdenken über Kunst, Sommer, Sonne, gute Laune..
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Herzliche Grüße Obelixa und das gesamte Redaktionsteam des kunstportals baden-württemberg
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