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Hinkelstein 34|
| Wo in der Welt kann das Bild sein?
Jeden Sonntag gute Nachrichten und manchmal kluge Gedanken.
Liebe kunstportal-bw Leserinnen und Leser, hallo Abonnent,
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Zwei Hinkelsteine zuvor hatte ich versprochen, von mich selbst überfordernden kunsttheoretischen Gedanken (=eher nervendes Geschwurbel) hier abzusehen, und so soll es auch bleiben. Eine Fortsetzung unserer hier angestellten Überlegungen zur Entwicklung unserer (Medien-) Gesellschaft aber hatte ich mir weiterhin erlaubt. Dieses Thema erscheint mir sehr wichtig, nicht zuletzt auch für Kunst (die im Fokus bleiben wird) und unsere Freiheit.
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Gerade erst letzten Donnerstag wurde in Stuttgart eine Ausstellung – Staatsgalerie Stuttgart | 11.04.2025 – 11.01.2026: | Katharina Grosse – The Sprayed Dear eröffnet; den Besuch dieser Ausstellung empfehle ich jedem, der Gelegenheit dazu hat – es ist ein Erlebnis. Eine Schau, die immersive Wahrnehmungswelten und reflektiertes, kritisches Denken auf gelungene und zeitgerechte Weise verbindet. Demnächst mehr dazu in unserem (schon lange überfälligen) Künstlerinnenporträt über eine der wichtigsten Künstlerinnen aus Baden-Württemberg (Katharina Grosse ist gebürtige Freiburgerin). Bei der Frage nach dem Ort des Bildes in der Welt betrachte ich Welt als eben unsere Wahrnehmungswelt in der Mediengesellschaft, in der wir leben.
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Der Titel des heutigen Hinkelsteins ist eine Frage, die Katharina Grosse im Pressegespräch aufgeworfen hat, um zu beschreiben, mit welchen Themen sie sich in ihrem künstlerischen Schaffen (u.a.) befasst. Dies erinnert natürlich an den in unserer Serie oft zitierten Kunsttheoretiker Hans Belting, der in seiner Diskussion der Frage nach dem Ort des Bildes darüber nachdachte, ob das Bild, das unstrittig vor uns an der Wand hängt, ebendort ist, oder eigentlich erst in unseren Köpfen, wo es ja gewissermaßen neu entsteht?
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Katharina Grosse aber betrachtet diese Thematik mit mehr Abstand – und damit aus einem breiteren Blickwinkel: Wo in der Welt kann das Bild sein? So formuliert, weist diese Frage über die wahrnehmungsphysiologische – und psychologische Perspektive hinaus: gesellschaftliche, genauer: mediengesellschaftliche Aspekte fließen hier ein.
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In unserer digitalen Zeit ist die Bilderflut, die uns übermannt und erdrückt, der wir uns hoffnungslos ausgeliefert fühlen, inzwischen zum Klischee geworden. Es ist halt so.
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Katharina Grosses künstlerisches Schaffen motiviert mich, neu darüber nachzudenken: Viele kennen noch den berühmten Aufsatz von Walter Benjamin – Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. (Hier dazu der Wikipedia-Eintrag)
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Nun hat das Kunstwerk als solches offenbar die millionenfach technische Reproduzierbarkeit souverän überlebt; profitiert vielleicht sogar davon: digitale Bilder der Mona Lisa gibt es tausende Male mit einer einzigen Tastatur- oder Wort-Eingabe, doch die Schlangen vor dem Louvre werden eher länger als kürzer.
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Walter Bejamin schrieb ja über den denkbaren/ zu befürchtenden Verlust der Aura des Kunstwerks: vielleicht wird die Aura gerade jetzt in einer für unsere Massen- und Konsumgesellschaft massgeschneiderten Weise ersetzt durch immersive Wahrnehmungswelten?
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Als Benjamin seinen Essay 1935 schrieb, dachte er auch an die politische Instrumentalisierung durch Massenmedien, die im Aufstieg des deutschen Faschismus eine wichtige Rolle gespielt hat.
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Auch wenn ich selbst aktuell nicht einen neuen deutschen Faschismus befürchte, so stoßen wir doch, wenn wir uns mit dem heutigen Internet beschäftigen, immer wieder auf totalitäre Gefahren und Potentiale: im Internet kursieren Verschwörungstheorien, die für viele Menschen ein eigenes Weltbild definieren, das in keiner Weise kritisch hinterfragt wird: die “früher normalen Nachrichten“ hat man als Manipulation in großem Maßstab durchschaut.
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„Naja, mein Gott, was solls – Verschwörungstheorien gehören heute eben zur Unterhaltung“ könnte man denken. Kaum bestreitbar aber ist, dass moderne Massenmedien, gerade wenn sie eigene Nachrichtenkanäle (wie etwa Elon Musks X) und sogar eigene Satellitensysteme betreiben, zur Manipulation genutzt werden können. Unterhaltsame Verschwörungstheorien (wer lästert nicht gern über die sogenannten Reichsbürger etc.) und und unsere Pop-Kultur zeigen, dass wir diese Potentiale ernst nehmen sollten: politisch ganz harmlose Popstars (Taylor Swift, glaube ich, liegt ganz vorne mit rund 10 Mio Followern) und auch andere Influencer erreichen zig Millionen Follower. Die Follower folgen jeweils einer Person, also einem Leader.
Auch wenn ich keinen neuen Hitler als Leader befürchte – eine gute Verschwörungstheorie könnte durchaus gefährliche Dimensionen annehmen. Etwa die Denkschule des Long-Term-Thinking (Wikipedia-Eintrag) , der auch Elon Musk und Trump nahe stehen, ist auch für kritisch denkende Menschenzunächst keineswegs uninteressant:
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Im bald erscheinenden Künstlerinnenporträt über Katharina Grosse werden wir zeigen, wie diese Künstlerin in ihrer Arbeit ihren/unseren eigenen Denk- und Handlungsmustern künstlerisch forschend nachgeht Wo der Ort des Bildes ist, bleibt ein spannendes Diskussionsthema. Der Ort des kritischen Denkens bleibt in unseren Köpfen, bleibt in der Kunst und er bleibt, so denke ich: im freien Internet. Jürgen Linde am 13.04.2025
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die guten Nachrichten im kunstportal baden-württemberg am Sonntag, dem 13.04.2025:
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Die guten Nachrichten im kunstportal baden-württemberg am Sonntag, dem 13.04.2025:
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Wir wünschen Ihnen einen wunderschönen Sonntag, an welchem genügend Zeit für die Kunst ist.
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Herzliche Grüße Obelixa und das gesamte Redaktionsteam des kunstportals baden-württemberg
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