Kunstausflüge mit Sigrid Balke | Endspurt für die Willi Siber Ausstellung in der Kunsthalle Weishaupt (bis 19.04.2026)

„Im schönsten Haus in der Region ausstellen zu dürfen, unweit von Oberschwaben wo ich mich Zuhause fühle, dass erfüllt einen großen Traum“. In der Kunsthalle Weishaupt in Ulm haben die Werke von Willi Siber, noch bis 19.April 2026 ein kongeniales Raumpendant gefunden. Die Ausstellung, eigentlich zum 75.Geburtstag des international geschätzten Künstlers im vergangenen Jahr geplant, ist keine Retrospektive auf sein Lebenswerk, sondern legt den Schwerpunkt auf Arbeiten aus den vergangenen Monaten. Doch ganz auf die frühen Holzarbeiten Sibers zu verzichten, würde ihm und dem Kunstpublikum nicht gerecht. Durch die Abwesenheit von Farbe – ganz in weiß gehaltene Skulpturen in weißen Räumen – wirken die frühen Arbeiten Sibers geradezu sakral. Sie sind daher ein passendes Entree zu einem angrenzenden Raum, in dem der Löwenmensch, bekanntestes Objekt der Eiszeitkunst,sein vorübergehendes Domizil gefunden hat. „Er ist eine Ikone vom Museum Ulm und mit dieser Interimslösung ist er auch während der Sanierung des Museums für Besucher zugänglich“, begründet die Leiterin der Kunsthalle, Kathrin Weishaupt-Theopold, die Kooperation.

Doch zurück zur Ausstellung von Willi Siber und dem kuratorischen Spagat zwischen den Holzarbeiten und den Epoxidharzarbeiten im zweiten Stockwerk der Kunsthalle. „Die Erklärung für diese Zäsur ist ganz einfach“ so Siber. „Bei einem Künstlerworkshop in Utrecht hatte ich dort nur die zur Verfügung stehenden Materialien. Darunter Epoxidharz, das ich mit dem mir vertrauten Holz kombiniert habe“. Die daraus entstandenen Tafelbilder sind die Verbindung zu den neueren Arbeiten im zweiten Stockwerk.

Bild links: Willi Siber:
Wandobjekt, 2025
MDF, Interferenzlack
140 x 70 x 9 cm
Private Collection, Ulm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Foto: Henry M. Linder

Der Raum öffnet sich in seiner gesamten Großzügigkeit und inszeniert die Werke von Willi Siber als geradezu kontemplativ anmutende Farbe-Form-Licht- und Raum-Wirkung, zu einem Spiel mit matten und glänzenden Oberflächen, mit negativen und positiven Formen und, nicht zuletzt, mit den Sehgewohnheiten der Betrachter. Bild oder Skulptur – diese Frage stellt sich für Willi Siber nicht. Barocke Üppigkeit und Minimalismus sind für ihn kein Widerspruch. Die amorphe Struktur eines Tropfens, eine der immer wiederkehrenden Formen, ist für Siber ein Sinnbild für Bewegung, Leichtigkeit und Veränderung. Dazu das Licht, der Standpunkt des Betrachters und die verwendeten Lacke, die in ihrer Intensität, ihrer Makellosigkeit und Ästhetik nahezu unwirklich erscheinen. Siber verwendet hochglänzende oder matte, mit Pigmenten versehene Lacke, die das Licht brechen, unterschiedliche Nuancen einer Farbe zum Leuchten bringen und die Dreidimensionalität der Werke unterstreichen. Die Auseinandersetzung mit den Grundlagen sinnlicher Wahrnehmung, mit dem Erleben von Farbe und Form, Material, Fläche und Raum ist die Grundlage seiner künstlerischen Arbeit.

Bild oben: Portrait: Willi Siber, Galerie Benden & Ackermann; Foto Mathis Wienand

Eine Kunst, die von der Formensprache, dem faszinierenden Farbenspiel und der Interaktion mit Licht und Raum lebt. Sehenswert auch das filmische Porträt von Willi Siber, das in der Ausstellung zu sehen ist – ein Filmteam begleitete den Künstler während eines Jahres in seinem Atelier und dokumentierte seine Arbeitsweise.

Ausstellungsdauer: bis 19.April 2026
www.kunsthalle-weishaupt.de

© Text: Sigrid Balke