ZKM Karlsruhe | 16. – 26.04.2026 | Lichthof 8+9; 1. OG | Eröffnung Do, 16.04.2026

Die diesjährige Graduiertenausstellung der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG) mit dem Titel »26 Grad« widmet sich dem Moment des Übergangs vom gemeinsamen Studium in einen neuen Lebensabschnitt.

Bild oben:© Grafik: Mark Bendt, Karla Kniep & Felix Köder

Die Ausstellung versammelt aktuelle Diplomprojekte von rund 20 Absolvent:innen der HfG aus den Fachbereichen Kommunikationsdesign, Produktdesign, Medienkunst, Szenografie und Ausstellungsdesign sowie Kunstwissenschaft und Medienphilosophie und macht einen besonderen Moment des Aufbruchs und Übergangs erlebbar.

Ein zentrales Leitmotiv der Ausstellung ist das Steintürmchen: Es dient als Orientierung, wenn Wege unübersichtlich werden, und symbolisiert zugleich den kreativen Akt des Gestaltens, das Setzen von Punkten, die erst im Zusammenspiel Sinn ergeben. Jeder Stein steht für ein individuelles künstlerisches Projekt der Absolvent:innen. Erst gemeinsam entstehen Strukturen, die mehr sind als die Summe ihrer einzelnen Teile. Die Steintürme werden so zum Symbol für den Abschluss des Studiums und den Ausblick in neue Richtungen. Sie markieren einen Standort, tragen Erfahrungen und Prozesse in sich und sind zugleich Ausgangspunkt für zukünftige Projekte.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus allen fünf Fachbereichen und verdeutlicht, wie eng diese zusammenarbeiten. Der interdisziplinäre Austausch prägt die künstlerischen und gestalterischen Positionen nachhaltig. Trotz ihrer Verschiedenheit haben die Absolvent:innen eines gemeinsam: Sie stehen am Ende ihres Studiums und am Beginn eines neuen Abschnitts. Die Werke treten in Dialog, spiegeln die Vielfalt der Positionen wider und zeigen, wie aus individuellen Arbeiten ein gemeinsames Erlebnis wird.

Ein begleitender Katalog gibt Einblicke in Entstehung, Methoden und Hintergründe der ausgestellten Projekte.

Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, 16. April 2026, mit einer Vernissage, bei der die Gelegenheit besteht mit den Absolvent:innen ins Gespräch zu kommen und findet ihren Abschluss in der Finissage am Sonntag, 26. April 2026. 

Stuttgarter Pionier der Medienkunst: Ulrich Bernhardt im ZKM

Bernhardts Schaffen erstreckt sich über sechs Jahrzehnte und umfasst Malerei, Fotografie, Grafik, Installation, Objekte, Film- und Videokunst sowie Kunst am Bau, künstlerische Forschung und Projekte im öffentlichen Raum. In seinen Arbeiten reflektiert Bernhardt aktuelle Technologien und den gesellschaftlichen Wandel in Zusammenhang mit der griechischen Mythologie und erforscht, wie technologische Entwicklungen unser Bewusstsein und Selbstverständnis beeinflussen.

Der Mensch und die Dimensionen der Zeit
Im Zentrum der Ausstellung stehen die beiden Installationen „Der Fluss“ (1978) und „Der Sarkophag“ (1996/2025) aus der Sammlung des ZKM, die für die Präsentation aufwendig restauriert wurden und die sich beide mit verschiedenen Aspekten der Zeit, Vergänglichkeit und Dauer auseinandersetzen. Bereits ab 1974 arbeitete Bernhardt mit Video, 1978 entstand mit „Der Fluss“ die erste Videoinstallation des Künstlers. Sie thematisiert die Flüchtigkeit der Zeit und den stetigen Wandel unseres Kommunikationsverhaltens. Die Installation „Der Sarkophag“ bezieht sich in der für die Ausstellung aktualisierten Version auf das sich im nächsten Jahr zum vierzigsten Mal jährende Reaktorunglück von Tschernobyl, das Bernhardt als Ausgangspunkt für eine neue Vorstellung von Zeit interpretiert: Im Fokus steht die unvorstellbare Dauer von existentieller Gefährdung durch Strahlung – Zeit in grenzenloser Ausdehnung. Insbesondere mit Blick auf aktuelle Debatten über die Rückkehr zur Atomkraft erinnert das Werk an die Gefahren, die von dieser Technologie ausgehen.

Der Titel der Ausstellung „JETZT: Es war, wird und ist“ knüpft sowohl an diese Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten der Dimension Zeit an als auch an die Arbeitsweise des Künstlers: Bernhardt begreift Kunst als offenen, sich wandelnden Prozess. Immer wieder greift er in seiner Praxis auf bereits Geschaffenes zurück und überträgt es in neue Kontexte. „Ich bin kein Verfechter des originalen Kunstwerks. Die Bestandteile meiner Werke sehe ich als Kulissen an, als Material für Neues“, so Ulrich Bernhardt.

Von Anfang an politisch
Die Überzeugung, dass Kunst in unser Leben und in die Gesellschaft hineinwirken und Veränderung hervorrufen kann, ist seit den Studienjahren des Künstlers in den 1960er-Jahren ein wichtiger Aspekt seines Kunstverständnisses. Von Anfang an war Bernhardts künstlerisches Schaffen politisch geprägt, das zeigt zum Beispiel die Arbeit „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ (1967). Das von Bernhardt und Jürgen Holftreter für den Stuttgarter Sozialistischen Deutschen Studentenbundes entworfene Plakat wurde eines der berühmtesten Motive der 68er-Bewegung und ist in zahlreichen Abwandlungen auch heute noch weithin bekannt. Für seine ebenfalls in der Ausstellung gezeigte Serie „Liquidationen“ (1966-69) verwendete Bernhardt Bilder des Vietnamkriegs, die er aus dem Time Life Magazine ausschnitt und mit Lösungsmittel behandelte. Teile der Serie wurden während ihrer ersten Präsentation 1967 im Stuttgarter Club Voltaire von Vertretern der amerikanischen Militärpolizei zerstört.

Zu weiteren wichtigen Werken und Werkgruppen, die Bernhardts Interesse an Kommunikation und Interaktion veranschaulichen, zählt die Mail-Art-Aktion „Dein TV” (1981). Dafür lud er befreundete Künstler:innen ein, ihm auf einer Postkarte mit einem aufgedruckten Fernsehbildschirm ihren künstlerischen Kommentar zum damaligen Leitmedium Fernsehen zuzusenden. Für seine in den 1970er-Jahren entstandenen Copy-Art-Werke experimentierte der Künstler mit den damals neu aufkommenden Kopierern. Die Fotografie „Wiebke und das Industriezeitalter“ (1989), eine Überblendung von Aufnahmen der Schäden des Sturms Wiebke und von Innenansichten einer Motorenfabrik von Mercedes, thematisierte bereits früh den Zusammenhang von industriellem Fortschritt und der Klimakatastrophe.

Der Künstler als Kurator 
Ulrich Bernhardt ist nicht nur ein äußerst vielseitiger Künstler, seit den 1970er-Jahren ist er auch kuratorisch aktiv: 1978 gehörte er zu den Initiator:innen des Künstlerhauses Stuttgart, dessen erster künstlerischer Leiter er von 1978 bis 1986 war. In dieser Zeit realisierte er zahlreiche Ausstellungen, Symposien, Publikationen und partizipative Diskursformate, die den interdisziplinären Austausch und die internationale Vernetzung in der Medienkunst förderten. 1981 prägte er hier den Begriff der „künstlerischen Forschung“ – lange bevor dieses interdisziplinäre Feld sich in der Bildenden Kunst etablierte. Ungewöhnliche, mitunter auch absurde Methoden sollen hier mit persönlichem Erleben verbunden werden, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. 
Nicht nur als Künstler, sondern auch als Kurator trug Bernhardt so wesentlich zur Etablierung einer kritischen Gegenöffentlichkeit in der baden-württembergischen Landeshauptstadt bei.

Ulrich Bernhard und das ZKM
Seit 2019 befindet sich das umfangreiche audiovisuelle Archiv von Ulrich Bernhardt im ZKM. Die im Projektraum der aktuellen Sammlungspräsentation „The Story That Never Ends” gezeigte Ausstellung des Künstlers gibt mit ausgewählten Arbeiten erstmals einen Überblick über das Werk des Künstlers. „JETZT: Es war, wird und ist“ ist Teil einer Reihe an Ausstellungen im ZKM, mit der eine Pioniergeneration von bisher in der breiten Öffentlichkeit nur wenig bekannten Medienkünstler:innen gewürdigt wird.

Das Restaurierungsprojekt „Der Fluss“ (1978) konnte dank der großzügigen Unterstützung der Wüstenrot Stiftung, Projektpartner der Ausstellung „The Story That Never Ends“, realisiert werden.