Marc Peschke über das neue Foto-Buch von Wolfgang Strassl
Was bedeutet es, jung zu sein? Es ist eine Zeit des Werdens, in der die Unschuld der Kindheit allmählich verblasst und die Freuden und Herausforderungen des Erwachsenenalters in der Ferne auftauchen. Es ist eine Zeit des Dazwischen, der Unsicherheit, der Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit, aber auch eine Zeit der Hoffnungen und Möglichkeiten, des Potenzials und der Verheißung.
In Being Young – Portraits of Becoming lädt der Münchner Fotograf Wolfgang Strassl uns ein, dieses kurze, aber prägende Kapitel im Leben genau zu betrachten. Strassls Kamera drängt sich dabei nicht auf, sondern hält sich mit ruhiger Sensibilität und sanfter Bewunderung zurück. Die Porträtierten scheinen sich dessen bewusst zu sein und fühlen keine Notwendigkeit, sich zu verstellen oder etwas vorzutäuschen. In diesen flüchtigen Begegnungen werden ihre Offenheit, ihre Unsicherheit und ihr Selbstbewusstsein gleichzeitig sichtbar.
Die Porträtserie ist ein visuelles Gedicht, eine Zusammenstellung von Gesichtszügen, Körperhaltungen, Blicken und Gesten – und genauso faszinierend wie das Jungsein selbst.

Wolfgang Strassl über seine Porträts
„Als Fotograf fühle ich mich oft zu jungen Menschen hingezogen. Einer der Gründe, warum ich sie so interessant finde, ist, dass ihr Leben noch vor ihnen liegt. Sie befinden sich noch in einer Lebensphase, in der alles möglich ist. Junge Menschen beflügeln meine Fantasie. Ich frage mich, was das Leben für sie bereithält und welche Wege sie einschlagen werden … Außerdem überrascht es mich immer wieder, wie viel offener junge Menschen mir gegenüber sind, wenn ich als Fotograf auf sie zugehe. Sie sagen viel eher ‚Warum nicht?‘ und befinden sich noch in einer experimentellen Phase, in der sie bereit sind, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Mich fasziniert, wie ihre Offenheit, ihre Unsicherheiten und ihre Selbstsicherheit gleichzeitig sichtbar sind … Fast alle meine Porträts sind das Ergebnis zufälliger Begegnungen. Obwohl ich aktiv nach solchen Begegnungen suchte, fand ich sie meist durch Zufall. In diesem Sinne empfand ich es immer als Glücksfall, diese Menschen zu treffen und ihre Erlaubnis zu erhalten, ihr Porträt zu machen … Sobald sie zugestimmt haben, sich fotografieren zu lassen, lautet ihre erste Frage oft: Was muss ich tun? Wenn ich ihnen sage: Du musst gar nichts tun. Bleib einfach so, wie du bist, und lass uns auch dort bleiben, wo wir sind, spüre ich oft, dass dies für sie eine Überraschung ist, aber vor allem eine große Erleichterung.“
Das neue Buch von Wolfgang Strassl ist soeben im KERBER Verlag erschienen.
36 Euro | 20,0 × 26,7 cm | 160 Seiten | ISBN 978-3-7356-1084-3