ZKM Karlsruhe | 28.04. – 17.05.2026 | Foyer des ZKM
Welche Spuren hinterlässt eine Naturkatastrophe im kulturellen Gedächtnis? Was geschieht, wenn Kunstwerke plötzlich zu Notfällen werden? Und wie entscheiden Restaurator:innen, was noch zu retten ist?

Bild oben: Havariertes Kunstwerke aus dem Stadtmuseum Bad Neuenahr, Ahrweiler; ©
© Foto: Christof Hierholzer
Anlässlich des Arbeitstreffens der Notfallverbünde präsentiert das ZKM im seitlichen Foyer die Sonderausstellung „The Schlamm Is Everywhere“. Gezeigt werden Werke aus dem Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler, die bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 schwer beschädigt wurden. Der Ausstellungstitel geht auf einen eindringlichen Ausspruch der Restauratorin Joanna Bella vom Erkenbert-Museum Frankenthal zurück. Ihr emotionaler Ausruf beschreibt nicht nur den Zustand der betroffenen Region, sondern auch der betroffenen Kulturgüter äußerst treffend: überall Schlamm.
Die ausgestellten Objekte wurden am 1. August 2021 zur Erstversorgung ins ZKM gebracht. In einer kurzfristig organisierten Rettungsaktion arbeiteten Restaurator:innen aus Karlsruhe und Stuttgart gemeinsam daran, die beschädigten Werke für weitere Maßnahmen vorzubereiten. Zahlreiche freiberufliche Fachkräfte sowie Institutionen des Karlsruher Notfallverbunds waren an diesem Einsatz beteiligt.
Nicht alle Werke konnten gerettet werden. Bei einigen Gemälden hatten sich die wasserlöslichen Malschichten bereits unwiederbringlich aufgelöst. Im Rahmen einer sogenannten Triage – einer Priorisierung nach Dringlichkeit bwz. Machbarkeit – wurde entschieden, diese Objekte in ihrem beschädigten Zustand zu belassen. Heute stehen sie als fragile Zeugnisse der Katastrophe und verweisen eindrücklich auf die Bedeutung eines funktionierenden Kulturgutschutzes.
Die Ausstellung lenkt den Blick auf ein oft unsichtbares Arbeitsfeld: die Notfallrettung und Restaurierung von durch Wasser und Schlamm geschädigten Artefakten. Zugleich lädt sie dazu ein, über den Wert und die Verletzlichkeit unseres kulturellen Erbes nachzudenken.