verlängert bis 22.02.2026: James Rizzi – Home away from home

Ausstellung und Atelier-Eröffnung

Neues Kunstmuseum Tübingen | 05.10.2025 verlängert bis 22.02.2026:
James Rizzi – Home away from home

Aus aktuellem Anlass verlängert bis 22. Februar 2026

Wie das New Yorker Atelier von „America’s Good Guy“ James Rizzi in Tübingen ein neues Zuhause fand und warum es die große Ausstellung seiner Bilder auf Rezept geben sollte

Das Neue Kunstmuseum Tübingen (NKT) feiert bis zum 22. Februar 2026 James Rizzis 75. Geburtstag mit einer großen Ausstellung und gibt seinem New Yorker Atelier dauerhaft ein neues Zuhause. Sollte es den Besuch dieser Ausstellung bald auf Rezept geben? In England wird seit 2013 ein staatlich finanzierter Besuch von Kunstmuseen auf Rezept angeboten. In Berlin läuft aktuell das Projekt „Das heilende Museum“, eine Kooperation der Charité mit dem Bode-Museum. Es ist überfällig, die starke Wirkung von Rizzis beglückender Kunst auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen zu entdecken. Eintrittskarten zur Rizzi-Ausstellung nach englischem Vorbild demnächst auf Rezept? Seine Ausstellung „HOME AWAY FROM HOME“ liefert dafür reichlich Argumente. NKT-Leiter Bernhard Feil erzählt erstmals ausführlich, wie er einst die New Yorker Pop Art Legende James Rizzi kennenlernte, wie sie zu engen Freunden und Geschäftspartnern wurden und wie es dazu kam, dass Rizzis SoHo-Atelier jetzt dauerhaft im NKT ein neues Zuhause gefunden hat.

Bild oben: James Rizzi 2005 in seinem Atelier in SoHo. ©: Paul O. Colliton

Die ersten Werke von James habe ich schon 1995, also vor 30 Jahren gekauft. Eine Serie seiner Funny Faces‘,“ erinnert sich NKT-Leiter Bernhard Feil.

James hat mich mit seiner Kunst sofort in den Bann gezogen. Und wenn man so will, ist er auch mitverantwortlich, dass es heute das NKT gibt und unsere Firma, die Art 28. Es sind die ansteckende Fröhlichkeit, der Detailreichtum seiner Werke, die von ihm erfundene 3D-Druckgraphik, die mich von Anfang an begeistert haben.

2003 habe ich dann auch den Menschen James Rizzi auf einer Veranstaltung des SWR in Stuttgart kennengelernt. Ich hatte das Gefühl, ihn schon zu kennen, noch bevor ich ihn persönlich getroffen habe, weil sein Werk so viel über ihn selbst verrät. In Stuttgart lud er mich sofort zu einem Besuch seines Ateliers im New Yorker Künstlerviertel SoHo ein. Ein paar Monate später war ich dort. Es war mein erster Besuch in New York und mein erster Besuch in seinem Atelier.

Bei unserem zweiten Treffen am Hudson River erwähnte James, dass er mit seinem damaligen New Yorker Verleger unzufrieden sei, aber keine bessere Alternative wisse. Halb im Scherz bot ich ihm an, das für ihn zukünftig von Deutschland aus zu übernehmen. Kaum war ich wieder in Stuttgart gelandet, klingelte das Telefon. James erkundigte sich, wie der Rückflug gewesen sei und sagte dann: ‚Ihr habt jetzt ein Jahr Zeit, um alles vorzubereiten. Ich habe gekündigt.‘

Bild links: James Rizzi und sein langjähriger Freund und Geschäftspartner Bernhard Feil.
©: James Visser, St. Louis

Es muss gut 20 Jahre her sein, da kam James zum ersten Mal zu uns nach Tübingen und fühlte sich hier gleich wohl. Für ihn war das wie ein zweites Zuhause, ein HOME AWAY FROM HOME. Deutschland kannte und liebte er schon seit den 1980er Jahren, seit seinen ersten Aufenthalten in diesem Land. James mochte die Menschen und das Essen. Und es beeindruckte ihn, welchen Stellenwert die bildende Kunst in diesem Land und in ganz Europa hat.

Mit seiner Kunst und mit seinen überregional bedeutsamen Aktionen bereicherte er in den Folgejahren dann selbst tatkräftig diesen Stellenwert. Die von einem seiner Drucke verkleidete und nachts illuminierte Kuppel im CentrO in Oberhausen nannte er scherzhaft ‚My Sistine Chapel‘. Und auf die Frage, warum er ausgerechnet in Mainz eine große Werkschau präsentiere, sagte er in seiner schelmisch-entwaffnenden Art: ‚If it´s good enough for Gutenberg, it´s good enough for me‘.

Für eine Briefmarkenserie bei der Post nahm James mit einigen Entwürfen anonym an der offiziellen Ausschreibung teil und wurde mit überwältigender Mehrheit ausgewählt. Seine Idee war, die Serie ‚Grüße aus jedem Anlass‘ als Briefmarke in der Briefmarke umzusetzen. Wir zeigen ‚seine‘ Briefmarken, die er, was eine besondere Ehre war, auch signieren durfte, in unserer Ausstellung im NKT.

Besonders stolz sind wir darauf, dass wir nahezu alle Werke besitzen, die James in seinem Studio hängen hatte. Das allein macht den Besuch in seinem Atelier im 2. Stock unseres Museums schon zu einem ganz besonderen Erlebnis.

James Bescheidenheit, seine Bodenständigkeit, sein Humor, auch seine Streiche sind mir in ewiger Erinnerung. Ebenso die Eindrücke und Erlebnisse mit seiner Großfamilie. Denn James war durch und durch ein Familienmensch. Es freut mich deshalb ganz außerordentlich, dass seine fünf Jahre jüngere Schwester Roberta am 4. Oktober bei der Vernissage und der Eröffnung des Ateliers dabei sein konnte.

Seine Kunst, seine Werke, seine Persönlichkeit strahlen unvermindert, auch vierzehn Jahre nach seinem viel zu frühen und plötzlichen Tod, eine ansteckende Lebensfreude und Leichtigkeit aus.

Von der französischen Kunsthistorikerin Nathalie Bondil, die Direktorin des Museum of Fine Arts (MMFA) war, stammen die Worte: ‚Der Mensch ist biologisch darauf ausgelegt, von Schönheit berührt zu werden und dadurch Wohlbefinden zu empfinden‘. Die Millionen von Fans, die James in Deutschland und Europa hat, werden das sicherlich insbesondere auch für seine Kunst bestätigen können.

In Nizza erlaubt ein ‚L´art c´est la santé‘-Rezept (‚Kunst ist Gesundheit-Rezept‘), sogar den Besuch des berühmten Matisse-Museums. Medizinische Studien, die eindrucksvoll in vielen Ländern bewiesen haben, dass der Besuch von Kunstmuseen Stress und Ängste reduziert und die allgemeine psychische Gesundheit verbessert, die würden das ganz gewiss auch bei dem Menschenfreund und Weltbürger James Rizzi und seiner für alle ‚barrierefrei‘ zugänglichen Kunst belegen.

Rizzi auf Rezept. Wir werden das befürworten. Zumal sein Leben und sein schier unerschöpfliches Lebenswerk eindeutig zeigen: mit schädlichen Nebenwirkungen ist bei ihm nicht zu rechnen. Die nachfolgenden biografischen Skizzen sind dafür ein weiterer Beleg.“

Have Fun and Enjoy“– biografische Skizzen zu Rizzis Leben und Werk

„Meine Arbeit ist viel berühmter, als ich es bin. Die meisten Menschen wissen nicht, wie ich aussehe. Ich habe so eine Art obskuren Ruhm. Und das macht mir viel Spaß.“ Gesagt hat das James Rizzi (1950 – 2011), eine Legende der Pop Art, Weltbürger und Weltkünstler aus dem Big Apple, diesem Schmelztiegel der Völker und Kulturen.

Was ist das Besondere an seiner Kunst und an seinem Leben, dass James Rizzi gerade in Deutschland bis auf den heutigen Tag so unglaublich populär und beliebt ist?

Bild oben: Dagmar Wöhrl – Rizzi-Fan und neue UNICEF-Botschafterin mit dem UNICEF Grußkarten-Set von James Rizzi. © Foto: Giesbert Karnebogen

Zum einen sind das sicherlich seine unverwechselbaren, comichaft-filigranen Stadtlandschaften, bewohnt von fröhlichen Menschen und seinen berühmten Rizzi-Birds. Seine Bilder sprühen vor Lebensfreude, sind bunt in ihrer Kunst und bunt in allem, was zu einem toleranten und respektvollen Miteinander der verschiedensten Kulturen dazugehört.

Zum anderen ist es sein Leben selbst. James Mutter hatte irische Wurzeln, die Vorfahren seines Vaters stammten aus der kleine Stadt Badetto in der Nähe von Bari in Süditalien. Rizzis Mutter hatte vier Brüder. Sein Vater drei Brüder und fünf Schwestern. Rizzi selbst hat einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Neben seinen Großeltern zählten noch an die vierzig Cousins und Cousinen zu seinem engeren Verwandtenkreis. „It´s great to have a big family“, war einer der Lieblingssätze des Familien- und Menschenfreunds Rizzi.

„Ich hätte mir keinen besseren großen Bruder wünschen können“, sagt seine Schwester Roberta. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke. Das liegt wohl daran, dass überall in meinem Haus Kunstwerke von ihm zu sehen sind. Mit meinen heutigen, fast 70 Lebensjahren, könnte ich meinen großen Bruder immer noch brauchen… (das ausführliche Interview mit James Rizzis Schwester Roberta „Chickie“ Essex-Rizzi haben wir als Extra-Doc dieser E-Mail beigefügt).

Die Stadt zwischen Hudson und East River und seine Bewohner prägten den Künstler und seine Bildsprache nachhaltig. Nur vier Jahre, von 1970 bis 1974, verbrachte er außerhalb seiner Geburtsstadt – in Florida, wo er Kunst studierte.

1981 erwarb er sein Loft in der Lafayette Street 284 im Herzen von SoHo. Hier entstanden nicht nur viele seiner bekanntesten Werke, es wurde auch zum Mittelpunkt seiner Arbeit und seines Lebens.

Seit dem 5. Oktober 2025, James Rizzis 75. Geburtstag, hat dieses Atelier im 2. Stock des Neuen Kunstmuseums Tübingen ein neues Zuhause. Als Dauerausstellung bietet es allen Besuchern die Möglichkeit, tief in Rizzis kreativen Kosmos einzutauchen und die Energie seines Arbeits- und Lebensraums unmittelbar zu erleben.

Die Jubiläumsausstellung ist eine faszinierende Zeitreise durch seine schier unerschöpflichen Schaffensjahre. Zu sehen sind frühe Arbeiten, Hauptwerke, selten gezeigte Unikate sowie einige seiner berühmtesten 3D-Konstruktionen (James gilt als der Erfinder der 3D-Druckgraphik und der 3D-Magnetbilder). Die Exponate stammen aus der umfangreichen Sammlung der Art 28, deren enge Partnerschaft mit dem Künstler den Grundstein für diese Ausstellung legte.

Weltstars wie Jim Morrison, Frontman der „Doors“, zählten zu Rizzis Freunden. Ebenso Tina Weymouth und Chris Frantz von den „Talking Heads“, für deren Dancefloor-Hits „Genius of Love“ und „Pleasure of Love“ er in London als kreativer Mastermind die animierten Videoclips entwarf. Auch darin, bei den animierten Musikvideos, war er weltweit der Pionier.

Zu Rizzis bekanntesten Werken zählt auch das Bild „May Peace and Love Be with You“. Das „Peace“-Zeichen ist Bestandteil vieler seiner Werke. Der Menschenfreund James Rizzi war zeitlebens ein Botschafter des Friedens. Wechselseitiger Respekt, ein tolerantes, friedliches Miteinander, seine grenzenlose Lebensfreude – James hat das immer vorgelebt. Und die Ausstellung und sein Atelier belegen das einfühlsam und nachdrücklich.

„HOME AWAY FROM HOME“ – in Tübingen hat James jetzt sein neues Zuhause. Fernab von den gesellschaftlichen und politischen Turbulenzen seines früheren Heimatlandes.

James Lebensmotto war einfach und kam von Herzen. Er wollte einfach nur „Fun“, Spaß haben. Im Leben wie in seinem künstlerischen Schaffen – diesen Spaß vermittelt er jetzt direkt weiter an seine zahllosen Fans und Bewunderer, die seine Jubiläumsausstellung und sein Atelier besuchen werden. „Have Fun and Enjoy“.

Mit einer Eintrittskarte Zugang zur Rizzi-Ausstellung sowie dem Besuch des Rizzi-Ateliers

Die Jubiläumsausstellung „James Rizzi – Home Away From Home“ ist seit dem 5. Oktober 2025 (James Rizzis 75. Geburtstag) und noch bis zum 22. Februar 2026 im Neuen Kunstmuseum Tübingen (NKT) zu sehen. James New Yorker Atelier ist für alle Besucher seiner Ausstellung ohne Mehrkosten zugänglich.