Eröffnung, 10.04.2026: It’s all about Time

Kunstmuseum Ravensburg | 11.04. – 19.07.2026 | It’s all about Time

Eröffnung, 10.04.2026; 19 Uhr:

Bild oben: Tehching Hsieh, One Year Performance 1980-1981 (Time Clock-Piece), 1980-1981 (Detail), Ausstellungsansicht Neue Nationalgalerie, Berlin, 2023 (Detail), © der Künstler, Foto: Noshe/Near Future

Ein Jahr ist die Zeit, in der die Erde die Sonne umrundet, die Einheit, in der wir über das Alter sprechen oder über das Vorübergehen der Zeit. Ein Jahr lang unterwarf sich Tehching Hsieh (*1950) der schwindelerregenden Disziplin, pünktlich zu jeder vollen Stunde die Zeitkarte einer Stechuhr zu stempeln und parallel ein Selbstporträt aufzunehmen. Seine legendäre Arbeit One Year Performance 1980–1981 (Time Clock Piece) ist eine der kompromisslosesten Meditationen über Zeit und wird zum zweiten Mal in Deutschland gezeigt. Mit dem Time Clock Piece nimmt der taiwanesisch-amerikanische Künstler die Intensität einer Welt vorweg, die niemals schläft.

Technologische Entwicklungen ermöglichen nicht nur eine immer effizientere Organisation unseres Lebens, sondern führen dazu, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verschwimmen. Bei vielen Menschen wächst der Eindruck, immer weniger Zeit zu haben und immer seltener im Einklang mit der Zeit zu sein. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich die Ausstellung It’s All About Time auf sechs raumgreifende Arbeiten internationaler Künstler:innen, die das Vergehen von Zeit sinnlich erlebbar machen, unterschiedliche Dimensionen der Zeiterfahrung ins Bewusstsein rücken und die standardisierte Zeitmessung hinterfragen.

In Tehching Hsiehs Langzeit-Performance und in Jill Baroffs (*1954) Zeichnungsserie Tide Drawings: Hurricane (2022/2023)trifft der Takt des Spätkapitalismus auf biologische Rhythmen und natürliche Kreisläufe. Hans-Peter Feldmanns (1941–2023) Porträtserie 100 Jahre (1998–2000) zeigt Menschen jeden Lebensalters von null bis hundert Jahren und rückt das Fortschreiten der Lebenszeit in den Mittelpunkt. Im Kontrast dazu nimmt die Filminstallation The Longest Sleep (2024) von Rafik Greiss (*1997) an Trance und Raves erinnernde Gebetsrituale in den Blick, die das gewohnte lineare Zeitempfinden außer Kraft setzen und eine intensive Gegenwartserfahrung ermöglichen. Während die begehbare Installation Durchbruch durch Schwäche (2009) von Alicja Kwade (*1979), bestehend aus verschiedenen Uhrengewichten, den Eindruck erzeugt, als bewegten sich die Besucher:innen durch den Fluss der Zeit, laden David Horvitz (*1972) textbasierte Vorschläge alternativer Uhren – etwa mit Sekunden, die dem Herzschlag folgen oder einer einschlafenden Uhr – dazu ein, gängige Konventionen, die unser Verständnis von Zeit prägen, zu hinterfragen. Wie das Time Clock Piece von Tehching Hsieh verweisen sie darauf, dass Zeit mehr ist als eine messbare Größe und sich nicht in Taktung und Effizienz erschöpft, sondern untrennbar mit unserem individuellen Erleben verbunden ist.

Die Ausstellung It’s All About Time lenkt den Blick auf das komplexe Phänomen Zeit – »[…] nicht als Gegenstand unseres Wissens, sondern als Dimension unseres Seins« (Merleau-Ponty).

Mit Arbeiten von Jill Baroff, Hans-Peter Feldmann, Rafik Greiss, David Horvitz, Tehching Hsieh, Alicja Kwade