Daniela Nowitzki

Kunst im Blick – über Daniela Nowitzki

Daniela Nowitzki im Internet:
Website Daniela Nowitzki: www.daniela-nowitzki.de/

Jo Winter  im kunstportal-bw
Daniela Nowitzki; © Foto: : Joël Petzold

Lyrische Landschaftsbilder, die wir erleben als mögliche Filmstills aus einem Film mit elegischer Musik bis hin zu fototechnisch experimenteller Fotografie – diese ganze Bandbreite fasst die Künstlerin Daniela Nowitzki in einem Wort zusammen – Fotografie.

Fotografie – ein Medium / das Medium, mit dem Wirklichkeit so gezeigt werden kann, “wie sie tatsächlich ist”…(?).
Eine Annahme, die sowohl naheliegend als auch sehr streitbar ist:

Drei Aspekte fallen uns unmittelbar ein:

(1) Der Fotograf wählt einen bestimmten Bild-Ausschnitt und eine bestimmte Perspektive, was subjektive Elemente unvermeidbar werden lässt. Etwa das Gesicht einer Person, mal frontal, mal schräg von untern fotografiert erzeugt zwei ganz verschiedene Eindrücke, auch wenn das Objekt ja identisch ist.

(2) Dann das Foto als Objekt an der Wand (oder auf einem Bildschirm). Der Gegenstand des Bildes ist aus seinem ursprünglichen Kontext herausgelöst und der Betrachter sieht ein Bild, ohne den Entstehungskontext zu kennen.
Auch ist der Betrachter kaum unvoreingenommen: Zu einer Ausstellung kommt er in einer bestimmten Stimmung, wahrscheinlich mit bestimmten Erwartungen, die dann auf seine Wahrnehmung mehr oder weniger großen Einfluss haben.

Jo Winter  im kunstportal-bw
Daniela Nowitzki: Reet-Metamorphosis
© Daniela Nowitzki:, VG Bildkunst Bonn, 2020

(3) Hinzu kommt, dass wir, wenn wir heute Fotografien sehen, meist nicht wissen, ob und wie und in welcher Absicht der Produzent der Bilder diese explizit verändert hat. Mit der Digitaltechnik erscheinen die Möglichkeiten hierzu ja fast unbegrenzt.

Daniela Nowitzki, die natürlich längst auch Digitalkameras einsetzt, verzichtet in ihrer fotografischen künstlerischen Arbeit fast vollständig auf Manipulationen. Einmal mehr zeigt sich, dass es der künstlerische Blick ist, auf den es ankommt, der entscheidend ist.

Die Poesie der Naturaufnahmen, die in Daniela Nowitzkis Arbeit einen wichtigen Teil ausmachen, liegt in der Wahl des besonderen Bildausschnitts.
Immer wieder auch entdecken wir in den Naturfotografien dieser Künstlerin geometrische Elemente, die wir als “gewöhnliche Spaziergänger” nicht wahrnehmen und die dann das Bild prägen.
So einfach?
Nein, so schwierig.

Die Landschaftsaufnahmen, die Daniela Nowitzki präsentiert, wirken auf mich meist leise, sehr kontemplativ und konzentriert. Ganz ähnlich wie die Musik, die ich mag und oft bei der Arbeit höre: kammermusikalischer, kontemplativer Jazz: Azimuth, John Coltrane, Charlie Haden, Keith Jarrett, John Surman, Kenny Wheeler. Die meisten Namen sind dem Münchner Jazz-Label ECM-Records zuzuordnen.

© Daniela Nowitzki: Shadowtree
© Daniela Nowitzki:, VG Bildkunst Bonn, 2020

Dennoch bin ich überrascht, als Daniela Nowitzki mir berichtet, dass sie immer wieder auch Plattencover macht – nicht zufällig eben genau für ECM. Unter anderem hat Keith Jarrett ein Bild unserer Künstlerin als Cover ausgewählt: Nowitzkis Bild “At Night” ist das Coverbild der Solo-Piano-Aufnahme der CD “The Melody at Night, with You”.

Einmal mehr also entdecken wir einen Zusammenhang zwischen Bildender Kunst und Musik. Hier auf besonders anschauliche Weise.

Jo Winter  im kunstportal-bw
© Daniela Nowitzki: “At Night”;
ECM-Cover der CD “Keith Jarrett: The Melody at Night, With You”

Und Jarrett sieht ja seine Musik in Verbindung zu einer “höheren Macht” – Gott oder allgemein “die Schöpfung”? Die Schöpfung, soweit es die Natur betrifft, ist auch das Thema der künstlerischen Arbeit von Daniela Nowitzki.

Die Süddeutsche Zeitung hatte einmal, zum 70. Geburtstag des Künstlers, über Keith Jarrett geschrieben: sein vielleicht schönstes, klarstes, ruhigstes Werk: “The Melody At Night, With You”.

Als schön und klar und ruhig empfinde ich die Fotografien von Daniela Nowitzki. Die Künstlerin schafft nicht die Schönheit der Natur; sie macht sie für uns sichtbar – Daniela Nowitzki hat die

Kunst im Blick.
Jürgen Linde im Januar 2020

Daniela Nowitzki: Clear Borders, © Daniela Nowitzki, VG Bildkunst Bonn, 2020