Botschafterin des Lichts – über Gudrun Schön-Stoll

Schnittmenge II, Acryl auf Leinwand, 70 x 70 cm
© Gudrun Schön-Stoll

Gudrun Schön-Stoll im Internet:
Website: www.schoenstoll.de/
E-Mail: diekunstzeigerin@gmail.com

Dein Gesicht

Nie wirst Du Dein Gesicht
sehen können

Deine wahren Augen
Deinen wahren Mund

Für immer wird es für Dich
ein Geheimnis sein

und jeder
außer Dir

kann es lüften

Gudrun Schön-Stoll

Gudrun Schön-Stoll ist Malerin & Poetin [und, wie sich nachher zeigen wird, Botschafterin des Lichts].

Der Arbeits-Schwerpunkt, den zu benennen ihr nicht leicht fällt, ist dann doch zunächst die bildnerische Arbeit, die uns auch zuerst aufgefallen war. Natürlich interessiert uns hier wieder die Verbindung – vielleicht ja die Untrennbarkeit – dieser beiden Welten.

Einmal mehr also geht es hier um Sprache und Bildende Kunst. Gedanken und dann lyrische Texte über das Leben, über Zweifel und Ängste und natürlich auch über Liebe und Gewißheit, sind ein Teil der Kunst von Gudrun Schön-Stoll.

“Erkenne das Glück“ ist ein Leitsatz der Künstlerin. Sprache und Sehen, Denken und Erkennen gehören zusammen auf eine geheimnisvolle Weise und wir betrachten weiterhin den Versuch, dies zu erforschen, als eine Reise, deren Ziel eben der Weg ist.

Am seidenen Faden, Acryl auf Leinwand, 70 x 60 cm
© Gudrun Schön-Stoll

Was die beeindruckende Bandbreite des bildnerischen und textuellen Schaffens dieser Künstlerin betrifft, so verweisen wir nachdrücklich auf deren Website.

“Memory ARTEfact” ist der Titel der aktuell weiter wachsenden Serie von Arbeiten, die oft als Auftragsarbeiten entstehen: Inhaltlich geht es um die “Visualisierung von Erinnerungsmomenten in einem Kunstwerk . Einer Assemblage aus Objekt und Papier” (Gudrun Schön-Stoll)

Sinnlich starke Arbeiten, auch durch die Materialien – oft verwendet Gudrun Schön-Stoll selbstgeschöpftes Papier, das sie virtuos in Formen bringt, die alleine schon Kunstwerke sind.

Wobei die meist farblich wie formal reduzierten Zeichnungen und Objekte, die sie aufbringt und/oder als Objekte einarbeitet, Teil eines Ganzen werden, wie ich dies so noch nirgendwo erleben konnte. Zum Teil sind es Auftragsarbeiten von Menschen, die der Künstlerin Erinnerungsstücke bringen – etwa ein nur noch teilweise erhaltenes Armband eines geliebten Menschen, das Gudrun Schön Stoll dann “rekonstruiert“ und zum Bestandteil der Kunstarbeit macht.
Die dann für den Auftraggeber eine sehr intime Bedeutung hat, aber für uns alle Bedeutungsinhalte visualisiert, die ganz unabhängig vom konkreten Einzelfall Erfahrungen, Gefühle – oder wie Gudrun Schön-Stoll es formuliert: “Lebensbefindlichkeiten” – erkennbar macht. In dieser Leistung liegen Erkenntnis und Kunst.

Das Jadearmband, 35 x 35 cm, Objekt in handgeschöpftem Papier | Memory ARTEfact
© Gudrun Schön-Stoll

Wieder sind wir auf der Suche, um zu verstehen: ich treffe eine Frau, die sich erst mit über 20 endgültig für die Kunst entschieden hat – zum Glück! Was sie vorher alles gelernt und beruflich gemacht hat, ist, natürlich, Teil ihrer Persönlichkeit und alles fließt ein in ihre Arbeit, deren intuitive, oft überwältigende Sinnlichkeit immer im Kopf beginnt.Die Künstlerin ist gelernte Fliesenlegerin und Innenarchitektin (Dipl. Ing.) – insofern immer schon kreativ tätig und doch auch der Geometrie und dem analytischen Denken verpflichtet:

“Denken, denken, denken…” sagt sie mehrmals, als wir über ihre Arbeit sprechen, und sie erklärt, wie etwa die Borderline-Reihe entstanden ist: ihre Tochter berichtete ihr von einer jungen Frau, die diese Borderline-Krankheit hatte und Gudrun Schön-Stoll beginnt damit, sich schlau zu machen und sich alle greifbaren Informationen zum Thema zu erarbeiten.

Borderline, 195 x 195 cm, neun Arbeiten 60×60 cm, Acryl, Lack, Holz auf handgeschöpftem Papier. Trägermaterial MDF | © Gudrun Schön-Stoll

Dann entstehen Themen, Ideen für Bilder – zuerst also aus dem Kopf, was uns zwangsläufig die Art verkopfter Kunst erwarten/befürchten lassen könnte, auf die ich persönlich oft ganz gut verzichten kann.
Doch entwickelt sich in der künstlerischen Arbeit bei Gudrun Schön-Stoll schnell eine Eigendynamik, bei der aus dem vom Kopf gesetzten Thema, das oft auch den figurativen Beginn eines Bildes definiert, dann schnell Weiteres, Neues entsteht.

Das Thema ist noch da, doch viel mehr ist zu sehen, weil die Künstlerin jedes Mal weitere Assoziationen einzuarbeiten vermag. Dies gelingt in ihrer Malerei und genauso auch in ihrer Lyrik:

Gudrun Schön-Stoll vor einer ihrer Arbeiten | © priva

Die ersten Sonnenstrahlen
Wenn nach grauen Regentagen
die ersten Sonnenstrahlen
auf unser Antlitz fallen
und uns
für einen kurzen Augenblick
das Gefühl geben
unsterblich
zu sein
gibt es für diesen Moment
weder Raum
noch Zeit.

Das Sein löst sich auf und legt
sich
sanft

wie Novembernebel
auf das Gras.
Gudrun Schön-Stoll.

Wir suchen, wie eingangs wiederholt, nach Verbindungen zwischen Bildender Kunst und (lyrischer) Sprache.
Licht als bildhafte Erkenntnis ist ein zentraler Aspekt in der Lyrik. Für das Sehen und für die Malerei ist Licht notwendig. Die umfassende Bedeutung des Lichts für unser Leben insgesamt erklärte im Februar ZKM-Chef Peter Weibel auf dem Symposium “The Future of Light Art” (08.- 09.02.2018).

Lebensquadratur, Acryl und Holz auf Leinwand, 80 x 80cm | © Gudrun Schön-Stoll

“Nicht nur, dass wir existieren, verdanken wir dem Licht, sondern auch alles, was wir wissen, wissen wir durch das Licht. Licht ist eine Botschaft des Universums, WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen können Botschafter des Lichtes sein.” (Peter Weibel, Vorstand ZKM | Karlsruhe)

Wir sehen nun deutlicher als zuvor: KünstlerInnen, gerade wenn sie in mehreren Sparten arbeiten, sind BotschafterInnen,
und wir ernennen Gudrun Schön-Stoll zu einer

Botschafterin des Lichts
Jürgen Linde, im Februar 2018