Die Kunst der Fuge – über Stefanie Lampert

Stefanie Lampert im Internet:
Website: www.stefanie-lampert.de
E-Mail: stefanie-lampert@web.de

Stefanie Lampert ist zuerst und vor allem Malerin.
Was zunächst vielleicht verblüfft, denn viele denken bei diesem Namen zuerst an Rauminstallationen, bei denen das Licht eine wichtige Rolle spielt. Lampert selbst spricht von “dreidimensionalen Bildern” oder von “Lichtmalerei”.

Stefanie Lampert, © Foto: Stefanie Lampert

Wer aber wie ich die Arbeit dieser Künstlerin schon länger kennt, assoziiert vielleicht doch zunächst die – trotz oder wegen aller Reduktion hochkomplexen – Wandarbeiten aus monochromen Bildtafeln. Auch hier schon bringt uns Stefanie Lampert den Raum in den Blick: fast immer sind es mehrere Tafeln, deren Bezug zueinander ein Gesamtbild erzeugt – kompositorisch geteilt durch Fugen.

Eine der Ausstellungen mit Stefanie Lampert, die ich selbst erleben durfte, war ihre Tageslicht-Installation “Montevideo“ im Museum Ritter (2007). In einem Interview zu diesem Projekt berichtet die Künstlerin von einem japanischen Schriftzeichen für “Raum“, das übersetzt bedeutet:
Der Raum und die Zeit sind der Rahmen allen Geschehens.

Tageslicht-Installation “Montevideo”, Museum Ritter 2007/2008
© Stefanie Lampert, VG Bildkunst Bonn

Dies erinnert uns zwingend an Immanuel Kant und dessen Kategorien Raum und Zeit, die als Bedingungen a priori unsere Wahrnehmung determinieren.

In diesem Sinne sagte einmal ZKM-Chef und Medientheoretiker Peter Weibel treffend:
“Wir sehen nicht die Welt, wir sehen nur Bilder“.

Relief /Wandmalerei, Bundesverfassungsgericht Karlsruhe
Kunst am Bau 2008 | © VG Bildkunst Bonn

Von daher ist durchaus naheliegend, als Bild nicht nur oder ausschließlich das zu begreifen, was auf einer Leinwand oder irgend einer anderen Oberfläche fixiert ist, sondern jeweils als das, was wir gerade sehen. Und schon kommen Raum und Licht ins Spiel – und auch die Zeit, denn mit der Tageszeit verändern sich ja das natürliche Licht, die Farbtemperatur, die Farbwahrnehmung und das Schattenspiel.

ohne Titel, Öl auf Leinwand, 114x214cm, 3-teilig
Galerie Rottloff 2006 | © VG Bildkunst Bonn

Stefanie Lamperts dreidimensionale Bilder machen diese Bewegung sichtbar: Licht und Zeit fungieren als integrale Teile dieser Kunst. Bewegung wird hier zum zentralen Thema. Dies wird nochmals verstärkt, ja: multipliziert, weil die Bewegung des Betrachters – im Raum und in der Zeit – eine weitere Dimension zum Gesamtwerk hinzufügt.

ohne Titel,Öl auf Leinwand 87x235cm, 4-teilig
Galerie Julia Philippi, Heidelberg 2010
© VG Bildkunst Bonn

In all dem sehe ich wieder einen Bezug zur Musik, die wir ja auch als Bewegung in der Zeit begreifen können: der für Minimal-Musik bekannte Komponist Steve Reich etwa betitelt viele seiner Stücke als “Movements“.

Von Steve Reich wiederum wissen wir, dass er sehr stark inspiriert wurde von Johann Sebastian Bach. Und eines der Werke von Bach wiederum evoziert eine assoziative Überleitung zur ungegenständlichen künstlerischen Arbeit von Stefanie Lampert:

Die Kunst der Fuge.
Jürgen Linde im Dezember 2011