Freiheit – Überlegungen zur Malerie von Sandro Vadim

Sandro Vadim im Internet:
www.sandrovadim.de/
E-Mail: vadim@kuenstlernetz.de

Sandro Vadim.
war schon in Karlsruhe als Künstler präsent, als das SWO | Kunstportal 1996 seine virtuellen Pforten öffnete. Der in Rom geborene Künstler hat schon 1988 sein Kunststudium an der Karlsruher Akademie abgeschlossen.
Seither freischaffend, ist Sandro Vadim bekannt durch zahlreiche Ausstellungen hier in unserer Region und im europäischen Ausland. Seit fünf Jahren im Vorstand des BBK Karlsruhe war und ist er an vielen Kunstaktivitäten auch als gefragter Organisator beteiligt.

Sandro Vadim im Künstlerporträt im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
Sandro Vadim; © Foto: privat

Sandro Vadim nämlich ist, wie man hierzulande sagt, furchtbar fleißig: der immer gelassen und konzentriert auftretende Künstler erzählt, daß er heute – anders als in seiner Studienzeit – kaum noch Zeit bei Vernissagen oder in Künstlerkneipen verbringt, sondern meist bei der Arbeit in seinem Atelier, das man von seiner Wohnung aus über einen Hinterhof erreicht, der an warmen Sommertagen durchaus eine südländische Atmosphäre bietet.

Im großen Atelierraum ist man rundum umgeben von Bildern verschiedenster Formate, unterbrochen nur von zwei Tischen mit Pigmenten und Gefäßen zum Farben mischen und einem Regal mit zahllosen CDs und der dazu gehörenden Stereoanlage, doch darauf kommen wir noch.
Bleiben wir zunächst bei Sandro Vadims künstlerischer Arbeit.

Arbeit.
Vadims Bilder sind nie gegenständlich, haben nie Titel und es gibt sie in den unterschiedlichsten Größen: von eher kachelgroßen quadratischen Arbeiten (15 x 15 cm) bis hin zu Plakatwänden (etwa 260 x 360 cm).
Die Farben, die der Künstler selbst mischt, früher mehr Eitempera, heute meist eine Mischung aus Acrylfarbe und Pigmenten, trägt er vielschichtig auf, so dass eine sehr hohe Dichte entsteht.

Sandro Vadim im Künstlerporträt im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
Acryl Pigment auf Leinwand, 25 x 50 cm, 2010
© Künstler, VG Bildkunst Bonn, 2020

Sandro Vadim erklärt mir, was er damit meint: von einem Stapel gerade selbst gezimmerter kleinerer (30 x 30 cm) Holzrahmen (er bereitet gerade eine Ausstellung in Karlsruhe Durlach vor) nimmt er einen und führt ihn über eines der sehr großen Bilder: “jeder kleine Ausschnitt des großen Bildes ist so stark und intensiv, das man ihn als eigenes Bild herausnehmen könnte”, erläutert er.
Insofern sind die großen Arbeiten keine Vergrößerungen der kleinen, von denen meist mehrere gleichzeitig entstehen.
Die Arbeiten bilden nichts ab, sind ungegenständlich und tragen keine Titel, weil Sandro Vadim den Betrachtern nichts vorschreiben möchte: dennoch alles andere als zufällig sind die Farbkompositionen offen für die freie Assoziation des Betrachters, der hier an Landschaften denken mag oder an innere Stimmungen.
Mit der Verbindung dieser beiden Elemente wiederum assoziiere ich selbst ein drittes:

Musik.

“Selbstverständlich” bejaht der sympathische Künstler meine Frage, ob er bei der Arbeit Musik höre.
Klassik, Jazz, Weltmusik oder auch mal Tango kommen hier zum inspirierenden Einsatz.

Acryl Pigment auf Leinwand,110 x 100 cm, 2010
© Künstler, VG Bildkunst Bonn, 2020

Ich erlebe in Sandros Bildern bei aller Vielfalt und der hohen Differenziertheit dennoch eine “gewisse durchgehende“ Stimmung, die ich musikalisch in einer Aufnahme von Pat Metheny auf den Punkt gebracht glaube: “As Falls Wichita, So Falls Wichita Falls”.
Mit den sphärischen Klangteppichen, die Methenys Kollege Lyle Mays hier an den Keyboards ausbreitet, kommen wir von der Musik direkt zur Lyrik

Lyrik

“Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus…”
Joseph von Eichendorff berühmte Zeilen fallen mir ein insbesondere angesichts der ruhigen Blautöne, die Sandro Vadim aus seinen Pigmenten zaubert. Die Romantik scheint nahe.

Sandro Vadim im Künstlerporträt im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
Acryl Pigment auf Leinwand, 50 x 50 cm, 2010
© Künstler, VG Bildkunst Bonn, 2020

Doch sind all dies meine ganz persönlichen Assoziationen. Diese sind ja von Mensch zu Mensch verschieden und heute wahrscheinlich andere als morgen in vielleicht ganz anderer Stimmung.

Der Künstler selbst jedenfalls bildet nichts ab und interpretiert auch nicht, er gibt uns nichts vor außer dem Bild selbst, denn sehr wichtig für Sandro Vadim ist die
Freiheit

Freiheit.

Intuitiv hat Sandro Vadim sein künstlerisches Talent entdeckt und sich entschieden, mit dem Studium der Kunst sein Talent weiterzuentwickeln. Ganz bewußt vermeidet er soweit es möglich ist, Entscheidungen, die ihn auf eine bestimmte Richtung dauerhaft festlegen. Wichtig ist ihm, beweglich zu bleiben und weiterhin seiner Intuition folgen zu können.

Sandro Vadim im Künstlerporträt im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
Eitempera auf Leinwand, 150x 150 cm, 2008
© Künstler, VG Bildkunst Bonn, 2020

In diesem Sinne ist Freiheit ziemlich genau das Gegenteil von Beliebigkeit: Freiheit wird hier erkennbar als die Fähigkeit, selbst zu entscheiden und entscheidungsfähig bleiben zu wollen. Ein hoher Anspruch an sich selbst, der immer auch Risikobereitschaft einschließt. Ein Leben mit wenig Sicherheit ist dem Künstler möglich, nicht möglich ist ein Leben ohne

Freiheit.

Jürgen Linde im Februar 2011