Supernatural. Skulpturale Visionen des Körperlichen

Ausstellung der Kunsthalle Tübingen | 10. Oktober 2020 bis 07. März 2021

Supernatural. Skulpturale Visionen des Körperlichen

Isa Genzken: Schauspieler III, 3, Detail, 2015
Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Axel Schneider, Frankfurt

Eröffnung: 09. Okt. 2020
Nach der Ausstellung ALMOST ALIVE, die hyperrealistische Skulpturen der Pioniergeneration bis zur Jahrtausendwende präsentierte, fragt die Ausstellung SUPERNATURAL nach der Zukunft der Körperlichkeit im Zeitalter des Anthropozän.

Andro Wekua: Untitled, 2014
212,1  x  101,6  x 68,6 cm, Kunsthaar, Silikon, Wachs, Polymergips, PU-Schaum, Stahl, Glas, Kunstseil, Aluminiumguss, Gewebe, Motoren, Elektronik, Mechanik
Private Collection, Photo: Stephen White

Wir haben durch die Corona-Krise in den letzten Monaten sprichwörtlich am eigenen Leib erfahren, dass sich unser Verständnis der Welt und von uns selbst derzeit tiefgreifend verändert. So ist es mittlerweile überdeutlich, dass die Umweltzerstörung und die Möglichkeiten mittels digitaler Technik und Gentechnologie den Körper innerlich und äußerlich zu erfassen, ihn zu manipulieren und zu verändern auch einen nachhaltigen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung des Menschen haben werden.

Zukünftig werden wir in der Lage sein, alles Lebendige – die Natur, die Tierwelt und die Ebenbilder des Menschen –existenziell zu verändern. Wie werden die Körper der Zukunft aussehen? Wer oder was werden wir sein? In welcher Umwelt werden wir leben?

Fabien Mérelle: Papillons, 2013, 80 x 13 x 28 cm, Silikon, Harz, Farbe, Haare, Textilien
Courtesy the Artist and Edouard Malingue Gallery, Bildbearbeitung: Wolfgang Gießler

Werden wir angesichts humanoider Roboterwesen erst erkennen, was den Menschen wirklich ausmacht? Werden wir die humanen Fähigkeiten wie Empathie, Fantasie und Intuition zukünftig als menschliche Alleinstellungsmerkmale bewusst entwickeln oder es zulassen, dass unser psychisch-mentaler und emotionaler Resonanzraum schwindet und wir selbst zum fremdbestimmten Roboterwesen mutieren? Der seelenlose Cyborg Andro Wekuas und die sensiblen, der Natur zugewandten Selbstporträts Fabien Mérelles markieren die beiden gegensätzlichen Pole des in der Ausstellung Supernatural mittels hyperrealistischer und realistischer Skulptur entfalteten Themenfeldes.

Anna Uddenberg: Savage #7 (zero g), 2017
108 x 105 x 75 cm, Unique, Aqua-Resin auf Fiberglas, Koffer, Acrylnägel, Kunsthaar, gestepptes Kunstleder, Steppjacke, Kunstpelz, Netz, Kristalle, Ugg-Imitat-Schuhe, Rucksäcke, Drachen, Jeansimitat, Courtesy of Aldala Collection of Diamond Newman Fine Arts LLC, Photo: Gunter Lepkowski

Die in der Ausstellung vertretenen Künstler reflektieren jedoch nicht nur Auswirkungen der digitalen Revolution und der Gentechnik auf den »posthumanen« Menschen und die Umwelt, sondern veranschaulichen auch durch hybride Eigenschöpfungen von Tier- und Pflanzenwesen, dass die Grenzen zwischen Natur und Kultur heute fließend geworden sind.

Zu sehen sind Skulpturen von Künstlerinnen und Künstlern aus elf unterschiedlichen Ländern der Welt. Diese sind nach den Themen – Technik-Mensch Metamorphosen, Hybrid Others, Post Nature und Künstler 4.0 – gruppiert. Entstanden ist ein aufrüttelnder und teilweise auch verstörender Parcours, der einem im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut“ geht und anregt, sich mit den Fragen unserer Zeit anhand post-humaner Skulptur auseinanderzusetzen.

Josh Kline: Keep the Change (Texas Roadhouse Waiter’s Arm with Bottle Opener), 2018
Sammlung Scharpff 2.0, © the artist, Courtesy Modern Art, London, Foto: Matt McDonald


Konzept von Nicole Fritz
Kuratiert von Nicole Fritz und Maximilian Letze