lichtdurchflutet – über Barbara Jäger 2020

Unsere Porträt-Texte werden älter, die KünstlerInnen arbeiten immer weiter. Um diese Arbeit / die weitere Entwicklung zu dokumentieren, gibt es seit 2019 die Rubrik: Was seither geschah…?

lichtdurchflutet – über Barbara Jäger 2020 | Fast genau 10 Jahre ist es her, dass wir hier das erste Künstlerinnenporträt über Barbara Jäger präsentiert hatten: “Sag mir, wo die Blumen sind“ war der Titel – nicht bezogen auf die Woodstock-Zeit oder die Flower-Power/Hippie-Bewegung.
Sondern vielmehr auf die Skulpturen der Künstlerin: immer wieder formal strenge Formen und Objekte (Rechtecke, Würfel und Quader), aus denen sich Bruchstücke losgelöst zu haben scheinen – die Künstlerin beschreibt eine ihrer Skulpturen so: “Fallende Blütenblätter vom Winde verweht“.
Dies erinnerte mich schon seinerzeit an Vera Molnars “9 carrés dispersés par le vent du large“, wo ja auch konkrete Formen und romantische Assoziationen eine neue Verbindung finden. Wir könnten dies in beiden Fällen als “konkrete Romantik“ bezeichnen.

Heute, 10 Jahre später sehen wir, dass Barbara Jäger ihrer Formensprache treu geblieben ist, dass sie aber in der Tiefe ihrer Arbeiten weitere Schritte geht, inhaltlich neue Dimensionen erschließt. Begreifen wir die Formen dieser künstlerischen Arbeit als Teil des Materials der Künstlerin, so ist Barbara Jäger in gewissem Sinne auf einer Forschungsexpedition. Die Möglichkeiten des Materials und eben auch die transzendental erreichbaren Bedeutungsaspekte werden weiter ausgeleuchtet.
Licht als solches ist mehr denn je das Thema der Künstlerin Barbara Jäger. Deshalb nenne ich diese Porträtfortsetzung, einen der Arbeitstitel von Barbara Jäger aufnehmend,

…lichtdurchflutet.
Jürgen Linde im Juni 2020

Wir zeigen nachfolgend ein Gemeinschaftsprojekt von Barbara Jäger und OMI Riesterer und zwei weitere Skulpturenprojekte von Barbara Jäger, jeweils von den Künstlern selbst erläutert.
Bildbearbeitung: Wolfgang Gießler

“Tor des Ankommens” Waldenserdenkmal in Karlsruhe-Palmbach
Jahr: 2015 Material: Beton, Plexiglas, LED-Beleuchtung Größe: 300 x 210 x 90 cm Standort: Waldenser Platz Karlsruhe-Palmbach Besitz: Stadt Karlsruhe | © Barbara Jäger, OMI Riesterer, VG BIldkunst, Bonn 2020

Das sich öffnende Tor ist Zeichen für das Ankommen der Waldenser in ihrer neuen Heimat Palmbach. Mit den drei Strahlen (Wirklichkeit Gottes) und den vier Steinblöcken in der Tür (Wirklichkeit der sichtbaren Schöpfung) geben die Künstler einen Hinweis auf die Symbolzahl Sieben, die auch im Waldenserwappen mit den sieben Sternen enthalten ist. Um das Waldenserwappen herum findet sich die Umschrift „Lux lucet in tenebris“, zu Deutsch: „Das Licht leuchtet in der Finsternis“. Auf dieses Motto der Waldenser beziehen sich die drei Strahlen im Denkmal, die Tag und Nacht das Licht durch die Tür leuchten lassen. Die drei fächerförmigen Strahlen aus Plexiglas, die im Türblatt eingelegt sind, leuchten nach allen Seiten. Die Zugabe von einheimischem Sandsteinsplit in den eingefärbten Beton unterstreicht die Verbundenheit der Waldenser mit der neuen Heimat Palmbach. Diese Arbeit erhielt den ersten Preis beim eingeladenen Wettbewerb der Stadt Karlsruhe.

„Der Mantel des Hl. Martin“ vor der St. Martinskirche in Minfeld
© Barbara Jäger, OMI Riesterer, VG Bildkunst Bonn, 2020

Die Skulptur bezieht sich auf das Wandbild „Hl. Martin“ im gotischen Chor der evangelischen Kirche in Minfeld (Pfalz, erbaut um 1053 von Mönchen aus Seltz). Es ist eine zweiteilige Skulptur aus rotem Sandstein, der „Mantel“ als Umriss stehend mit umlaufendem Stahlrahmen, das herausgefallene „Kleid“ liegend, leicht schräg dahinter. Aus einem Stück werden zwei Teile oder die „Geteilte Wahrheit“. Die Platte aus rotem Sandstein ist eine ehemalige Altarplatte eines Seitenaltars der kath. Kirche St. Bartholomäus in Büchenau. Die Vertiefung in dieser Mensa war das AltarSepulcrum auch Reliquiengrab genannt, das mit einer Steinplatte geschlossen war.

Entstehungsjahr 1993, aufgestellt 2017 Material: Sandstein, montiert mit Stahlrahmen Größe: 230 x 105 x 20 cm, (stehende Figur). Standort: Foto: temporärer Standort vor der Kirche in Minfeld-Kandel-Pfalz Besitz: Barbara Jäger und OMI Riesterer.

„Blütenstele“ Projekt „Aspekte“ Hauptfriedhof Karlsruhe
© Barbara Jäger, VG BIldkunst Bonn, 2020

Grabgestaltung auf dem Parkfriedhof für vier Urnengräber zwischen alten Bäumen zum Projekt: Künstler gestalten „Ewigkeitsgräber“.
Blumen stehen für das Schöne, das Wunderbare in unserem Leben. Blumen sind Zeichen der Liebe, der Hoffnung, Zeichen der Freude und des Trostes. Blütenformen sind aus einer kantigen Säule herausgeschnitten. Sie überziehen die Flächen und brechen die Kanten auf. Licht durchflutet die filigrane Stele.
Jahr: 2011 Material: Edelstahl gebürstet, Sockel und Namentafeln aus Diabas Größe: 200 x 40 x 40 cm, Wandstärke 6 mm Standort: Hauptfriedhof Karlsruhe Besitz: Barbara Jäger.