Helmut Sturm. Spielfelder der Wirklichkeit

04. September 2021 bis 01. November 2021 | Kunstmuseum Ravensburg

Open House Eröffnung: 3. September, 19-23 Uhr

Helmut Sturm, Ländlicher Konflikt (Ländliches Scharmützel), 1962 (Detail), Öl auf Leinwand, 150 x 120 cm, Privatsammlung, © VG Bild-Kunst, 2021, Foto: Archiv Helmut Sturm / Richard Beer

Die retrospektive Ausstellung gibt erstmals einen umfassenden Einblick in das facettenreiche Werk des Malers Helmut Sturm (1932–2008) und beleuchtet seine verschiedenen Schaffensphasen von Ende der 1950er-Jahre bis zu seinem Tod. Seine farb- und formmächtigen Bildräume kennzeichnet zeitlebens ein offener dynamischer Malprozess sowie die freie Verbindung von Gegenständlichem und Abstraktem. Die Leinwand versteht Sturm als ein »räumlich bewegtes Spielfeld«, in dem sich Geschlossenheit und Expansion, Konstruktion und spontaner Gestus mit »allerlei Gerümpel aus der Spielzeugkiste der Wirklichkeit« verbinden. Als Mitbegründer der Künstlergruppe SPUR (1957-1965), eine der ersten Avantgardebewegungen im Nachkriegsdeutschland, trägt er maßgeblich zur künstlerischen Aufbruchsstimmung der 1960er-Jahre bei. In den fünf Jahrzehnten seines Schaffens gehörte der langjährige Professor an der Kunstakademie München ebenfalls zu den zentralen Akteuren der Künstlergemeinschaften SPUR WIR, GEFLECHT und KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE und war kurze Zeit mit der Situationistischen Internationale verbunden. Die permanente Befragung seiner Malerei hat er sich zur Lebensaufgabe gemacht. Die Ausstellung und ein umfangreicher Katalog entstand in enger Kooperation mit der Kunsthalle Emden und dem Museum Lothar Fischer sowie in Zusammenarbeit mit dem Nachlass Helmut Sturm. Sowohl die Sammlung Selinka des Kunstmuseums Ravensburg wie die Sammlungen der Kooperationspartner umfassen wichtige Arbeiten von Helmut Sturm und der Künstlergruppe SPUR.

Die Ausstellung von Helmut Sturm umfasst die Filmcollage »Situationistisch sein« (2017) von Felix Boekamp (*1977, CH), deren Inspirationsquelle das künstlerische Werk und eine Manifestvorlesung Sturms bildete. Im Erdgeschoss gibt – neben der umfangreichen Präsentation der sieben Spur-Zeitschriften – das filmische Porträt von Sabine Zimmer »Gruppe SPUR – Die Maler der Zukunft!« (2019) einen einzigartigen Einblick in das malerische und gesellschaftspolitische Wirken der Künstlergruppe SPUR (1957-1965).

AUSSTELLUNGSKATALOG mit Beiträgen von Ottmar Bergmann, Pia Dornacher, Axel Heil, Heribert Heindl, Heiko Herrmann, Eva Huttenlauch, Bärbel Kleindorfer-Marx, Andreas Kühne, Lisa Felicitas Mattheis, Selima Diggl, Ute Stuffer und Katharina Sturm, Deutsch/Englisch, 23 x 27,5, 255 Seiten, Hirmer Verlag, im Museum 29,90 €