Rémy Trevisan –  im Hier und Jetzt

Rémy Trevisan –  Hier und jetzt

Rémy Trevisan ist, der Name legt es nahe, gebürtiger Franzose, der schon seit einigen Jahren in Deutschland lebt, im schwarzwäldischen Schramberg. Das allein ist ja schon aussergewöhnlich.

Für das schöne Katalogbuch “… Voyage 32 …” von Rémy Trevisan hat der Philosoph und Kunstextperte Dr. Joachim Penzeleinen sehr erhellenden Beitrag geschrieben. Wir danken ihm sehr dafür, einen Teil davon hier veröfffentlichen zu können:
Die Suche nach einer neuen Ikonizität der Abstraktion

Noch interessanter aber ist die Arbeit dieses Künstlers, der im Südwesten unseres Landes eine ganz eigene Position vertritt und diese unermüdlich weiterentwickelt.  Endlich hatte ich Gelegenheit zu einem Atelierbesuch. Eingezwängt zwischen zwei anderen Terminen war dies (leider) kein Schwarzwaldurlaub – aber ein schönes Erlebnis – die Vielfalt der Arbeit von Rémy Trevisan ist überwältigend. Wie schon oft stellt sich die Frage, wo anfangen?

Hommage an Vincent van Gogh , 2021    100 x 80 cm       Mischtechnik auf Leinwand
Aus der Serie Präsenz.
 Reprofotografien Volker Wierzba
© Rémy Trevisan, VG Bildkunst Bonn 2022

Rémy Trevisan hat in seiner Arbeit einen ganz eigenen Weg gefunden in der spannenden Welt zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, die wir hier ja immer wieder thematisieren. Manche seiner Arbeiten erwecken sogar den Eindruck, dass der Künstler diesen „Widerspruch“ ironisch verarbeitet“ – und als wahrscheinlich letztendlich irrelevant entlarvt. Wir finden viele Elemente des Informel; auch gibt es von ihm einige  – vordergründig gegenständliche Porträts wichtiger Künstler, die ihm Vorbild und Anregung waren – etwa Vincent van Gogh. All diese Bilder aber sind durch abstrakte Hintergründe auf Trevisans ganz eigene Art neu zu sehen.

Hommage an Lee Krasner, 2021
Tusche, Bleistifte, Buntstifte, Aquarell, Bütten-Papier
40 x 30 cm;  Reprofotografien Volker Wierzba
© Rémy Trevisan, VG Bildkunst Bonn 2022

Schon im Vorfeld war ich sehr begeistert von Trevisans Zeichnungen; in seinem großen Atelier in Lauterbach dominieren dann eher die malerischen Arbeiten. Alles möchte man gesehen haben, geht aber nicht. Wir haben hier im kunstportal ja auch nur begrenzten Platz, so dass Text und Bilder harmonisch zusammenwirken können.

Und noch immer sind es die Zeichnungen von Rémy Trevisan, die mich heftigst bewegen: hier erlebe ich eine Tiefe und Intensität, die mich – vorübergehend – sprachlos macht.

Der Künstler berichtet mir, dass er seine künstlerische Arbeit zuerst mit Text begonnen hatte – er hatte Gedichte geschrieben; wohl in eine Art Tagebuch, das aber leider nicht mehr erhalten ist.

Wieder einmal möchte ich deshalb zu den Bildern des Künstlers einen eigenen Texte beisteuern, der keinesfalls als Interpretationen verstanden werden sollte, eher als (meine sehr persönliche) Assoziation. Dies auch als Anregung für Sie, meine lieben Leser: Jedes Kunstwerk erzählt eine Geschichte – aber es ist immer Ihre Geschichte, sie kommt aus Ihrem Kopf, Ihrem Geist.

Rad; 2016/2017 | Mischtechnik, Pigment, Leinwand
60 x 60 cm| © Rémy Trevisan, VG Bildkunst Bonn 2022

Irgendwo?

wenn die Nacht laut brennt
dann bin ich bei uns
noch immer auf der Piste
wie immer Vollgas
fliege mit Dir
wohin Du willst

Die Kunst ermöglicht uns assoziativen Denkraum, Phantasie im besten Sinne, doch der Künstler, der dies ermöglicht, hier also Rémy Trevisan, arbeitet seit Jahren hier im Lande und ist
– im Hier und Jetzt.

Jürgen Linde im Oktober 2022