Elke Wree – Freiheit und Raum

Freiheit und Raum – über die Kunst von Elke Wree

Elke Wree: Estelmar II, 2019. Öl auf Leinwand, 90 x 110 cm | © Elke Wree, VG Bildkunst Bonn 2023
Elke Wree: Nebelfeld, 2018,Öl auf Leinwand, 90 x 110 cm
© Elke Wree, VG Bildkunst Bonn 2023

Im Jahr 2003 hatte ich mein erstes Porträt geschrieben über die in Karlsruhe lebende Künstlerin Elke Wree, die damals schon ihre ganz eigene – durchaus einzigARTige – Form gefunden, sich erarbeitet hatte.
Als flöge sie nach Haus …“(2003)

Lyrik und Landschaftsmalerei waren seinerzeit meine ersten Assoziationen zu ihren Arbeiten, die sich – im großen Feld zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion schon klar in der Region der Abstraktion bewegten. Nur wenigen Künstlern gelingt es, abstrakte Arbeiten gleichzeitig so sinnlich wirken zu lassen – das kann nur gute Kunst.

20 Jahre später nun ist es Zeit, eines unserer Fortsetzungsporträts zu machen. Was wieder gar nicht ganz einfach ist, denn im Stil und im Duktus insgesamt ist sich die Künstlerin konsequent treu geblieben.

Und doch sehe ichin den letzten Jahren andere Bilder: Die Galerie Knecht und Burster (Karlsruhe), die die Künstlerin vertritt, präsentierte in einer Sonderausstellung (Oktober bis Ende November 2020) Arbeiten der Künstlerin aus den Jahen zuvor 2017 – 2020; zur Ausstellung ist der kleine Katalog “Lebenslinien“ erschienen, der mir jetzt, da ich am Schreibtisch texte, erleichtert, die Ausstellung zu “rekapitulieren“. Wie viele andere Besucher auch stand ich jeweils recht lange vor jeder einzelnen Arbeit und denke – ja:­ an alles Mögliche; ganz verschiedene Dinge und Themen.

Elke Wree: LebenslinienI, 2017, Tusche, Kreide auf Papier, 19 x 29 cm
© Elke Wree, VG Bildkunst Bonn 2023

Wir sehen, was wir sehen – wer wollte dies bestreiten? Bei der Kunst aber ist dies anders: stehen wir zu dritt vor einem Bild, sehen wir drei das dasselbe Bild – und doch evoziert dieses Bild bei jedem Betrachter persönlich andere Assoziationen, Erinnerungen, Gedanken.

Elke Wree: Estelmar II, 2019. Öl auf Leinwand, 90 x 110 cm | © Elke Wree, VG Bildkunst Bonn 2023

Gerade, wenn die Künstlerin die Fläche des Bildträgers komplett nutzt, wirken die Verbindungen der einzelnen Farb- und Strukturelemente leichter – vielleicht ein impliziter Hinweis auf die (durch die Digitalisierung beschleunigte) Entkörperlichung unserer Wirklichkeit?


Elke Wree: Gräser III, 2017, Tusche auf Papier 60 x 85 cm
© Elke Wree, VG Bildkunst Bonn 2023

Gegenüber ihren früheren Arbeiten, so scheint mir, hat Elke Wrees ihre gestalterische Freiheit und ihre (nennen wir es:) ihre souveräne künstlerische Leichtigkeit noch gesteigert. Wo ich damals, vereinfacht gesagt, an “abstrahierte Landschaften“ dachte und stark auch an lyrische Sprache, erlebe ich bei den den neuen Werken – neben Poesie und, auch Musik – noch mehr:

Als flöge sie nach Haus” (der Titel des ersten Porträts) erscheint mir rückblickend als programmatische Ansage: Als Künstlerin ist Elke Wree inzwischen zuhause: sie hat – ihren Stil wahrend – ihre Ausdrucksmöglichkeiten noch ausgefeilt.

Heute hat Elke Wree alles In ihrem künstlerischen Werkzeugkasten, was eine Künstlerin sich wünschen kann und woran sie uns als Betrachter teilhaben läßt:

Freiheit und Raum

Jürgen Linde im Januar 2023

Elke Wree: Summer Inspiration II, 2020. Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm | © Elke Wree, VG Bildkunst Bonn 2023