Gedanken über (s)eine nachdenkliche Reise:
der Metall-Bildhauer Jürgen Heinz:

Aus dem umfangreichen, im Schwerpunkt aus statischen und kinetischen Skulpturen bestehenden bisherigen Werk von Jürgen Heinz können wir natürlich nur einen kleinen Ausschnitt zeigen; deshalb empfehlen wir Ihnen vorab oder nach der Lektüre unseres Porträts, unbedingt den Besuch der Website des Künstlers.

Bild oben: Jürgen Heinz: Innehalten, 2022, H 120 cm

Gerade heute um 07 Uhr MESZ; (ich schreibe diesen Text am Samstag, dem 28.02.2026), hat ein Krieg begonnen (Israel und die USA greifen den Iran an, dessen Gegenschlag gegen Israel gerade jetzt im Gange ist. Eher schweren Herzens, aber doch entschieden, entziehe ich ich mich der Nachrichtenflut, um stattdessen über Jürgen Heinz und seine Kunst zu schreiben. Als kunstbegeisterter Journalist weiß ich aus Erfahrung, wie wichtig es ist: um klarer zu sehen, um klarer zu denken, müssen wir immer wieder auf Distanz gehen, Abstand nehmen – kurzum: I n n e h a l t en, womit wir schon beim programmatischen und schönen Titel der aktuellen Ausstellung von Jürgen Heinz sind.

[ Elly Weiblen und Jürgen Heinz: | Galerie Q für Kunst Schorndorf 
24.06. – 08.08.2026 | I n n e h a l t e n |  Vernissage So, 01.03.2026; 15 Uhr]

Bild oben: Flyer zur Ausstellung; © Galerie Q für Kunst
Elly Weiblen und Jürgen Heinz: | Galerie Q für Kunst Schorndorf 
24.06. – 08.08.2026 | I n n e h a l t e n |  Vernissage So, 01.03.2026; 15 Uhr

Kunst ist (auch) Kommunikation: dies ist eigentlich trivial und sicher nicht neu: schon viele hatten diesen Gedanken und viele Kunstwissenschaftler, Künstler und Philosophen haben auch darüber öffentlich nachgedacht; sprich: geschrieben oder Vorträge gehalten.

Zum Thema Kommunikation also ist schon alles gesagt, könnten wir denken. Dennoch wähle ich diesen Bezugspunkt. Nachdem ich den Bildhauer Jürgen Heinz, über den hier ein Künstlerporträt zu schreiben, schon lange auf meiner To-Do-Liste stand, nun endlich vorgestern – in seiner Ausstellung (gemeinsam mit Elly Weiblen): Innehalten in der Galerie Q für Kunst Schorndorf kennen lernen durfte und wo ich auch erstmals so konzentriert seine Arbeit erleben konnte. Und ebendiese geht, was Kommunikation betrifft, ein oder zwei nachdenkliche, reflektierte Schritte weiter.

Kunst ist Kommunikation – hier in meinem persönlichen Schnelldurchlauf:
Der Künstler kommuniziert mit seinem Material, dessen Möglichkeiten er erforscht, erspürt, an die er sich herantastet; neugierig, manchmal vielleicht gar zärtlich. Dabei entsteht im Arbeitsprozess, der ja auch ein Kommunikationsprozess ist, ein Werk, das ganz natürlich einmalig ist.
Wir Betrachter treten diesem Werk gegenüber; ein weiterer Kommunikationsprozess, in welchem wir, uns ebenfalls herantastend, selbst befragen ob, wo und welche Verbindungen sichtbar, spürbar, erkennbar werden zwischen dem Werk und uns selbst.

Jürgen Heinz ist Metall-Bildhauer, doch sind seine Werke ganz besonders, keine “herkömmlichen Skulpturen“. Der Künstler nennt diese Arbeiten, leicht nachvollziehbar – und wunderbar doppelsinnig: Moving Sculptures – Denn Heinz’ Werke bewegen sich, und sie bewegen auch uns.

Neben den statischen Skulpturen, die Jürgen Heinz auch zeigt, sind es wie immer seine Moving Sculptures, die die Aufmerksamkeit besonders auf sich ziehen: man darf, ja man soll diese Skulpturen auch berühren, dann geraten sie in eine Bewegung.

Wunderbar zu erleben ist auf der Website des Künstlers (bitte sehen Sie: Moving Sculptures) wo die Bewegung seiner Werke einen weiteren Kommunikationsprozeß eröffnet, den er uns miterleben lässt – die Verbindung zu einer hierzu komponierten, produzierten, und hochprofessionell eingespielten Musik. Auf doppelte Weise also bewegen uns nun die Objekte durch ihre eigene Bewegung und durch die Musik, die uns ja auch berührt, bewegt.

Der Künstler führt damit auch den „üblichen“ Komunikationprozeß weiter. Als Künstler auch Forscher, hört er auch hier „noch nicht auf“, sondern untersucht weiter seinen künstlerischen Arbeitsweg. Als ein Künstler, der sich zu recht auch als Philosoph sieht, findet er den Weg zur weiteren Forschung in der Sprache: in seinem aktuellen Katalog ergänzt / kommentiert er die Bilder seiner bildhauerischen Arbeit mit lyrisch-philosophischen Gedanken:

Bild links: Jürgen Heinz;  © Foto: privat

der anfang ist getan
lautlos
zu gehen
frei sein
ohne halt
aber nicht haltlos
los
aber nicht ohne halt

weiter

„Die Seele des Objekts kommt durch die Bewegung zum Vorschein“ schreibt er auf seiner Website, wo er seine Werke hervorragend präsentiert. Ein wenig Innehalten; Zuhören und ins (eigentliche?) Hier und Jetzt entschwinden.

Die Ausstellung, die am Sonntag, dem 01.03.2026 eröffnet wurde, konnte ich schon am Donnerstag, dem 26.02. erleben, wobei ich nicht nur den Künstler kennen lernte, sondern auch teilnehmen durfte an einem Briefing: die beiden Leiterinnen der Galerie Q für Kunst Schorndorf moderierten einen gemeinsamen Rundgang der Künstler und der Führungskräfte des Hauses und ein anschließendes Gespräch. Führungskräfte sind die fast immer ehrenamtlichen Mitarbeiter der Galerie und des Kunstvereins, die nachher zuständig sind für die Ausstellungsführungen. Kommunikation zwischen den beiden Künstlern und den Führungskräften, Kommunikation auch angesichts und mit den Kunstwerken. Sehr konzentriert, sehr inspiriert. Hier entsteht Community im wahren Sinne.

Begeistert war ich zuletzt schon in 2023, als Jürgen Heinz eine One-Man-Show, einen Skulpturenplatz auf der art karlsruhe (Galerie Petra Kern) präsentierte. Doch auf der Messe und damit mitten in der (gerade für Journalisten) eigentlich (kunst-)sinn-widrigen Terminhektik, war natürlich keine Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen.

Schon dies zeigt, wie wichtig, wie treffend und zeitgerecht der Ausstellungstitel Innehalten ist:

In unserer Mediengesellschaft, in der die inzwischen schon sprichwörtliche Bilderflut abgelöst wurde von einer immer brutaleren Medienflut, dabei immer mehr Werbung in allen erdenklichen Formen und Formaten, in welchem wir uns leicht verirren können und sollen.

Doch Jürgen Heinz holt uns zurück. Bodenständig, schwer und massiv – der eigentlich ja schwere Stahl ist ein Material, auf das wir vertrauen.
Doch noch mehr Verbindungen entdecke ich zum künstlerischen Schaffen von Jürgen Heinz.

Schon im vorletzten Hinkelstein (Nr. 67 vom 08.02.2026 hatten wir das dialektische Thema Ruhe und Bewegung ausführlicher bearbeitet – mit der vorläufigen Quintessenz als Titel: „Kein Endbahnhof in Sicht“. Schauen Sie mal rein?

Jürgen Heinz‘ künstlerische Arbeit erlebe ich als eine Art Forschungsreise. Wie wir oben in seinem Gedicht lesen, geht diese natürlich immer weiter. „Ohne halt, aber nicht haltlos“ , schreibt er; auch nicht ziellos, denke ich: seit Novalis wissen wir ja: nach Innen führt der geheimnisvolle Weg.

Ich bin kein Bildender Künstler, sondern eben nur Texter, als solcher aber auch weiter auf der Suche; bei einem ganz wichtigen Thema – Heimat – treffe ich Jürgen Heinz inhaltlich:

Dazu hatte ich selbst mal ein Gedicht geschrieben, das für mich noch gilt:

Heimat – wo sie ist?
da bin ich nicht

sicher nicht dort, wo ich herkomme
nicht hier, wo ich bin.

nahe dem Menschen , den ich liebe?
das ergäbe Sinn.

Oder irgendwann vielleicht hier – in meinem Kopf?
Dort gehörte sie hin

Der Metall-Bildhauer und Philosoph Jürgen Heinz ist, man ahnte es, auch hier schon einen Schritt weiter:

Er schreibt:

heimat
ist
da
wo die Seele wohnt.

Jürgen Linde im März 2026

 © alle Fotos in diesem Beitrag: Jürgen Heinz