Museum im Kleihues-Bau Kornwestheim | 25.07.2026 (verlängert) – 04.04.2027
Anlässlich seines 120. Geburtstags widmet das Museum im Kleihues-Bau dem Grafiker und Fotokünstler Reiner Michelfelder (1906–1985) eine Ausstellung. Im Mittelpunkt steht seine experimentelle Werkgruppe „ars dynografia“, mit der er in den 1960er- und 1970er-Jahren eine eigenständige Bildsprache entwickelte.

Bild oben: Reiner Michelfelder: C8s, 1969; Serigrafie, 56,8 x 70 cm
Wenig bekannt ist, dass Michelfelder zwischen 1950 und 1953 eng mit dem Fotografen Peter Keetman in dessen Münchner Agentur werbeform zusammenarbeitete. Keetmans wegweisende Pendelbilder beeinflussten Michelfelders gestalterisches Schaffen nachhaltig. Er integrierte die dynamischen Lichtlinien in seine Designarbeiten und entwickelte sie später zu einer eigenen künstlerischen Ausdrucksform weiter.
Für seine „ars dynografia“ entwarf Michelfelder zunächst Linien- und Rasterstrukturen mit Feder und Tusche. Diese reproduzierte er auf Film, legte sie um Glaszylinder, spiegelte sie in konkaven und konvexen Spiegeln und fotografierte die entstehenden Licht- und Raumwirkungen mit einer Polaroid-Planfilmkamera. Durch diesen aufwendigen fotografischen Prozess entstanden faszinierende abstrakte Kompositionen mit einer außergewöhnlichen räumlichen Tiefe.

Bild oben: Reiner Michelfelder: Ars Dynografia D10
1969/2026, Großdia, mehrteilig, 298 x 370 cm
Michelfelder realisierte seine Werke als Schwarzweiß- und Farbfotografien, Siebdrucke sowie großformatige Wandgestaltungen. Dabei experimentierte er mit unterschiedlichen Materialien wie Papier, gewachstem Leinen, Textilien und Keramik und nutzte früh auch das damals neu entwickelte Cibachrome-Fotomaterial.
Die Ausstellung präsentiert Fotografien, Grafiken, Wandgestaltungen sowie Materialien aus dem Nachlass der Familie Michelfelder. Sie eröffnet einen Einblick in das Schaffen eines innovativen Künstlers, dessen experimentelle Arbeiten heute neu zu entdecken sind.