Constanze Raach – Künstlerin und Kunstvermittlerin

Constanze Raach im kunstportal-bw Kunstvermittlerinnenporträt

Die Ausschreibung für den Kunstwettbewerb 2026 | „Metamorphose“ war der Anlass unserer Kontaktaufnahme. Die in Stuttgart geborene Künstlerin Contanze Raach, die lange schon weit hinaus nicht nur über die Grenzen des Landes bekannt und erfolgreich ist, ist die Hauptinitiatorin dieses landesweiten Wettbewerbs und wollte diesen entsprechend auch im kunstportal baden-württemberg kommunizieren.

Mit diesem Anliegen konnte sie bei uns natürlich nur, um eine nicht wirklich orginelle, aber eben doch klar sprechende Metapher zu verwenden, nur weit geöffnete Türen einrennen.

Bild oben: Constanze Raach bei der Eröffnung ihrer Ausstellung Trouble in Paradise im Gespräch mit Kay Hug, dem Leiter des Goethe-Instituts Freiburg 2025

Kunstvermittlung ist also ein gemeinsames Anliegen; eine Aufgabe, die wir beide uns selbst gewählt haben. Auch kannte ich schon lange ihren Namen; längst nicht gut genug aber ihre künstlerische Arbeit, die durch ihre frappierende technische und inhaltliche Vielfalt auf Anhieb so überwältigend ist, dass ich froh bin, mit der Ausschreibung für den Kunstwettbewerb einen Ansatzpunkt zu haben, aus dem heraus wir einen roten Faden zu entwickeln versuchen.

Constanze Raach, die bereits auf mehrere Jahrzehnte sehr produktiven und sehr eigenwilligen künstlerischen Schaffens zurückblickt, erlebe ich heute zuerst als Kunstvermittlerin: Ihre eigene, durch Energie und Produktivität kaum zu bremsende Arbeit stellt sie nach hinten, um sich für das eingangs genannte Projekt zu engagieren, mit dem sie die vielen sehr begabten Künstlerkollegen im Lande würdigen möchte.

Gleichzeitig ist aber auch ihr Anliegen, diejenigen zu fördern, die es nicht so leicht oder aus eigener Kraft heraus nicht schaffen, den Weg in den Markt zu finden. Zum (eben auch kommerziellen) Erfolg braucht es – neben dem künstlerischen Können/ Talent – auch die kommunikativen Fähigkeiten und den Erfolgswillen, der den Künstlern ja nicht immer angeboren ist. Constanze Raach kann beides. Sicher kann sie mit ihrem Kommunikationstalent hier wertvolle Unterstützung leisten.

Verbunden mit der Ausschreibung des aktuellen Kunstwettbewerbs/ Kunstpreises ist ihre Absicht einerseits, die regionalen umfangreichen künstlerischen Positionen weiter zu beleben, aber auch den Blick auf die facettenreiche Kunstszene in Baden-Württemberg zu erweitern und den Dialog, die Vernetzung zwischen Kunstschaffenden unterschiedlicher Kunstformen zu fördern.

Schon seit den 60er Jahren künstlerisch aktiv ist Constanze Raach noch heute dankbar dafür, schon als Kind immer und überall Papier und Farbstifte zur Hand gehabt zu haben.
Tatsächlich ist die Künstlerin immer der Technik (dem Medium?) Zeichnung treu geblieben, während Malerei, Collagen, auch Rauminstallationen und nicht zuletzt Videoarbeiten ihr Werk bereichern.

Auch thematisch / inhaltlich schöpft die Künstlerin aus dem Vollen: Während ja viele Maler sich im Verlauf ihrer Werkes immer mehr der Malerei als solcher zuwenden; diese also zum Thema ihrer dann oft ins Kontemplative gehenden Arbeit machen, scheint Constanze Raach ihren ganz anderen, fast gegenteiligen Weg zu gehen:

Thematisch scheint sie nicht weniger als die ganze Wirklichkeit in den Blick zu nehmen. Doch werden ihre Werke dadurch keineswegs „gegenständlich“: stattdessen entwickelt sie aus der Auseinandersetzung u.a. etwa mit gesellschaftlichen und sozio-politischen Themen, die dann manchmal auch titelgebend sind wie etwa „A dog is not a Toy“. Hier befasst sich die Künstlerin mit dem interessanten Sachverhalt, dass Tiere zwar inzwischen vom BGB nicht mehr wie früher als “Sachen“ gelten, gleichwohl aber etwa bei Unfällen wie Sachbeschädigungen behandelt werden.

Auf diese Weise entsteht eine eigene Art der Abstraktion. Und auch hier erleben wir die Künstlerin erneut als Kunstvemittlerin: immer wieder erscheinen in den Bildern Text oder textuelle Elemente, die uns andeuten oder ahnen lassen, was sie inhaltlich jeweils beschäftigt.

Wer sich künstlerisch mit derart komplexen Themen auseinandersetzt, hat naturgemäß ein, naja: in etwa unendlich großes Arbeitsprogramm vor sich: Und tatsächlich sagt mir die Künstlerin beim Gespräch in ihrem Haus in Pforzheim, wo Wohn – und Arbeitsraum untrennbar miteinander verbunden sind, wodurch eine ganz wunderbare Arbeitsatmosphäre entsteht: „Ich habe noch Themen, Ideen, noch Material für mehrere Jahrzehnte …“

Bild oben: © Foto: Moritz

Dies gilt umso mehr, wenn immer wieder auch Sonderprojekte – wie die aktuelle Kunstausschreibung, phasenweise fast keine Zeit lassen für das eigene künstlerische Schaffen.

Jürgen Linde im April 2026