„Weitere Informationen und Bilder zu: Bloom up! Die Sprache der Blumen“

Kunsthalle Baden-Baden | 13.06.2026 – 10.01.2027: | Sonderausstellung der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden

Begleitprogramm: Kunstvermittlung

Bild links: Petrit Halilaj, Alvaro Urbano: Marjorie Brunet Plaza

Die Kommunikation durch Blumen im Kontext persönlicher Beziehungen wird sichtbar in der Serie großformatiger Blüten von Petrit Halilaj (1986) und Álvaro Urbano (1983), die die privaten Meilensteine und Momente ihrer Beziehung mit diesen Blumen öffentlich feiern. Ähnlich zeigt sich dies in den gemalten Blumenmotiven auf südwestdeutschen „Bauernschränken“ aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Möbel gehörten zur Mitgift, die der Gemeinschaft stolz präsentiert wurde. Die Blumen als Ausdruck einer wohlhabenden Landbevölkerung werfen damit auch die Frage nach der Rolle der Frau im neuen Haushalt nach der Heirat auf.

Von einer bunten Blumenvielfalt zu einer Welt in Weiß: Das Blumenarrangement „Bouquet IX“ (2012) von Willem de Rooij (1969) folgt einem strengen Konzept. Es besteht aus zehn festgelegten weißen Blumensorten, die während der Laufzeit nach genauen Vorgaben immer frisch gesteckt und arrangiert werden. „Bouquet IX“ untersucht dabei Fragen von Gleichheit und Unterschied. Formal orientiert es sich an einem Phänomen, das sowohl be grenzt als auch scheinbar unendlich ist: dem Spektrum der Farbe Weiß. Auf ähnliche Weise wie in seinem Bouquet stellt De Rooij eine Fotocollage aus Arbeiten des Bildarchivs Staufen rund um die Farbe Weiß zusammen. Dabei geht es ebenfalls darum, Gleichheit und Unterschied sichtbar zu machen und gleichzeitig den Schwarzwald kritisch zu interfragen. Viele Fotografen heg ten eine Sehnsucht nach der „guten alten Welt“. Welche Aspekte des Lebens in Südwestdeutschland haben die Fotografen weggelassen, und was wird betont?

Zu sehen ist auch das letzte Werk des Filmemachers Jonas Mekas (1922 2019): „Requiem“, ein eindringliches Videopoem mit Musik von Giuseppe erdi. Mekas verbindet darin Natur- und Blumenaufnahmen aus drei Jahr zehnten mit Nachrichtenbildern von Krieg und Katastrophen. So entsteht eine kraftvolle Konfrontation von Naturpoesie und menschlicher Gewalt. Dem filmischen Nachdenken über das Ende des Lebens steht ein Mosaik aus dem frühen 18. Jahrhundert gegenüber. Mit Blumenranken aus Edelsteinen und dem christlichen Motiv der Verkündigung gehört es zu einem der High lights der Sammlung des Badischen Landesmuseums und wird hier in der Gegenüberstellung zum Sinnbild des Anfangs.

Bild oben: Ketuta Alexi-Meskhishvili: „Making food out of sunlight“

Ketuta Alexi-Meskhishvili (1979) widmet sich fotografisch der Tulpe, die in ihrem Werk immer wiederkehrend für Widerstand und Solidarität steht. Sie erinnert damit an die Studierendenproteste vom 09. April 1989 in Georgien, bei denen Tulpen zu Symbolen zivilen Aufbegehrens wurden. Für die Ausstellung entwickelt sie neue Arbeiten, die sich mit dem Motiv der Pietà auseinandersetzen: Damit tritt sie in einen direkten Dialog mit einer spät mittelalterlichen Pietà des Badischen Landesmuseums, deren Umhang barock gefasst und mit Tulpen verziert ist. So begegnen sich politische Symbol kraft und religiöses Sinnbild von Tod und Auferstehung.

Bild oben: Hard to say I’m sorry: Belia_Brueckner_Dorothea_Dittrich

In der Serie „Hard to say I’m sorry“ untersucht Belia Zanna Geetha Brückner (1992) gemeinsam mit der Floristin und Künstlerin Millie Schwier Blumensträuße als Entschuldigungsgesten in gewaltvollen Beziehungen. Aufwändige Arrangements stehen neben einfachen Tankstellensträußen – begleitet von handgeschriebenen Zetteln, die persönliche Geschichten preisgeben. Die Arbeit offenbart, wie sich hinter harmlos scheinenden loralen Gesten systemische Abgründe auftun. Neben Brückners Objekten hängt im selben Raum der bedeutende Wirkteppich „Der Pilger im Garten“ von Edward Burne-Jones und William Morris von 1901: Ein Pilger greift nach einer riesigen Rosenblüte mit dem Abbild der geliebten Frau. Es handelt sich um zwei allegorische Figuren aus einem mittelalterlichen Vers roman. Dabei stellt sich die Frage, ob die Sexualität und die verführerische Anziehungskraft nicht in zerstörerische Begierde umschlagen. So entsteht eine Gegenüberstellung zweier floraler Werke, die auf unterschiedliche Weise Leidenschaft, Verletzlichkeit wie auch Gewalt verkörpern.

In der Serie Paperwork and the Will of Capital“ (2015) präsentiert Taryn Simon (1975) Blumenarrangements historischer Vertragsunterzeichnungen. In ihren Fotografien von rekonstruierten Tischdekorationen zeigt sie, wie Macht inszeniert, vermarktet und gefestigt wird. Dazu wird erstmals eine mehr als drei Meter lange, bestickte Decke des Badischen Landesmuse ums aus dem späten 17. Jahrhundert präsentiert. Ihre schimmernde Seide und kunstvolle Stickerei monumentaler Blumen und Kronen verweisen auf Repräsentation, Herrschaft und Wertsetzung und bilden einen beeindruckenden Schlussakkord der Ausstellung.

Die Ausstellung „Bloom up!“ verrät mehr über zeitlose Boten, deren verschlüsselte Sprache sich lernen lässt – ein Code, der den Blick des Ausstellungspublikums über das Ästhetische hinaus öffnet und Natur und Kunst neu in Beziehung setzt.