Hinkelstein: | 19.04.2026 | Die Zukunft wird nicht abgesagt II
Liebe kunstportal-baden-württemberg-Leserinnen und Leser,
nachdem wir den Hinkelstein Nr. 70 vor 4 Wochen (Die Zukunft wird nicht abgesagt) als Teil 1 definiert und somit eine Fortsetzung versprochen hatten, die dann wiederum vom 05.04. verschoben wurde (auf heute) und auch, weil wir im Hinkelstein Nr. 71 besser wieder mal direkt zur Kunst schreiben wollten.

Bild oben: | Mischa Kuball: Newton/Goethe/Galileo, 2026 © Archiv Studio Mischa Kuball
Mischa Kuball | 30.04. – 04.10.2026 | Eröffnung: Mi, 29.04.2026, 19 Uhr I Casa di Goethe, Rom /ITA | Newton, Goethe, Galileo – Reflexionen von Mischa Kuball: | Mischa Kuball at Museum Casa di Goethe in Rome
Wir waren vor 4 Wochen bei Jürgen Habermas‘ „neuem Strukturwandel der Öffentlichkeit“. Also bei einem unserer Hauptthemen im Hinkelstein: Unsere Medienwirklichkeit und wie Internet allgemein und insbesondere die „Social Media“ unsere Welt verändern:
Immer stärker wird ja dieses Thema im Internet und nicht weniger in den alten Medien sehr kritisch gesehen: vor allem für die junge Generation erkennt man hier Gefahren, die zweifellos sehr ernst zu nehmen sind:
Stundenlang zocken, Videos auf TikTok schauen oder durch Instagram scrollen – mehr als eine Million Kinder und Jugendliche haben laut einer DAK-Studie einen riskanten oder krankhaften Medienkonsum. Experten sind alarmiert.
Mehr als 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen nutzen soziale Medien riskant oder krankhaft oft. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Ohne Ende Online?!“ der Krankenkasse DAK und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Demnach zeigen mehr als 25 Prozent aller 10- bis 17-Jährigen einen riskanten oder krankhaften Medienkonsum. 4,7 Prozent von ihnen gelten als süchtig. Insgesamt betroffen sind der Studie zufolge 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche.
Quelle:tagesschau.de | DAK-Studie zu Online-Nutzung (2025)
Ein Viertel der jungen Menschen hat ein Medienproblem
(tagesschau.de:) Stand: 12.03.2025; 14:21 Uhr
Solcherlei erschreckende, manchmal fast panikerzeugende, insofern also sehr mediengerechte(?) Meldungen lesen wir längst täglich:
Bundesländer dringen auf rasches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche.
(Deutschlandfunk)
Über ein Viertel aller Befragten weist ein suchtartiges Nutzungsverhalten der sozialen Medien auf. (Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit)
Laut einer Studie der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von 2025 verbringen mindestens 50 Prozent der 15-Jährigen in den OECD-Ländern wenigstens 30 Stunden pro Woche an digitalen Geräten.
Und ja, vielleicht ist das alles ja nur der Gang der Dinge – die Welt verändert sich (was gerüchteweise auch früher schon vorgekommen sein soll ( …?). Längst wird/ist die Welt digital und um den Umgang mit den digitalen Medien/Möglichkeiten zu lernen, brauchen wir eben Zeit, bis wir uns daran gewöhnt haben.
Danach ist wieder alles ganz normal, nur halt digitaler.
Ergo:
die Zukunft wird nicht abgesagt.
Dies war, jetzt entschlossen gekürzt, mein Text für diesen Hinkelstein Nr. 72 – die versprochene Fortsetzung von Nr. 70 (22.03.2026).
***************************************************Intro; Unterbrechung: **********************
hier wird es schwierig für mich, ambivalent:
1. Ein Teil von mir: der gelassene alte Mann, den dieser ganze Mist schon irgendwann bald eh‘ nix mehr angeht, geht auf Distanz und denkt, dass es ja auch früher immer schon solche Veränderungen gegeben hat – die Entwicklung der Kommunikation vom (lange ist es her:) homo heidelbergensis bis zum homo smartphonitis (markantes Merkmal: der ungesund herabhängende, dem Smartphone zugewandte Kopf) ist nie ganz bruchlos verlaufen: Insofern ist die heute weit verbreitete Art des persönlichen Austauschs über Messenger-Dienste (rund 98% der Smartphoner nutzen Whats-App) vielleicht ja nur die moderne Variante des früheren Buschfunks (mittels lautem Getrommel wurden von Dorf zu Dorf Informationen kommuniziert…) ?
2. der andere Teil von mir, der Bedenkenträger(?), sieht das alles als sehr ernst, als gefährlich sogar:
Im Schnitt verbringen Kinder und Jugendliche demnach 157 Minuten pro Tag in sozialen Medien.
Mehr Jugendliche als zuvor haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO in Europa Probleme damit, ihre Smartphones zur Seite zu legen.
Die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der heutigen Kommunikationswerkzeuge ist einerseits vielleicht ein schöner Luxus, den wir dank des technischen Fortschritts heute genießen können, andererseits aber, dialektisch gedacht, potentiell ein Werkzeug der ständigen Kontrolle: einmal schon rein technisch: big Brother sieht (dank GPS) genau, wo wir sind und b) politisch: Big Brother (in diesem Fall Palantir von Peter Thiel) kontrolliert die Datenbanken – jeder (Whats-App-oder sonstige) Post ist mitlesbar (besser: scanbar) – dieser Welt und sieht genau, wer wir sind, was wir tun und denken. (Thought-Control).
Im Hinblick auf die Jugendlichen, deren besondere Gefährdung ja im Fokus der aktuellen kritischen Berichterstattung der Nachrichtenmedien steht, müssen wir uns klar machen, dass die Rund-um-die-Uhr-Überwachung der Social-Media nicht „nur“ zu so schlimmen Auswüchsen wie etwa Cybermobbing führt, sondern dass in diesem Kontext – die Gewöhnung an die permanente mediale Präsenz/Kontrolle – eine Konditionierung erfolgt: eine Konditionieung eben der Jugendlichen, die diese ständige Kontrolle dann später als Normalität wahrnehmen werden…das war doch immer schon so ….
(wir werden darauf im Hinkelstein zurückkommen)
***************************************************Ende Intro; weiter im Text ********************************
Usw. etc. und überhaupt halt: Dass Jugendliche so wie heute etwa 38 Stunden pro Woche mit ihrem Smartphone online im Internet sind – Ja – O Mein Gott – so was hat es früher nicht gegeben!
Richtig. Doch liegt dies möglicherweise weniger daran, dass früher (bestimmt vieles, denken wir an die Rockmusik, aber halt doch) nicht alles besser war, sondern mit einiger Wahrscheinlichkeit schlicht und einfach daran, dass es früher gar keine Smartphones gab. Naja, früher war die Musik besser und vielleicht auch die Zukunft? In den Zeiten der Aufklärung schien immerhin auch die Richtung klar: Zusammengefasst hier von Falco (2009): Out of the Dark – Into the Light.
Und doch soll es auch früher schon zu gelegentlichen Veränderungen unseres Alltags gekommen sein – und so ist es bis heute geblieben – die Welt verändert sich, noch immer. Und das Internet und die Smartphones und G5 sind inzwischen Teil des Alltags geworden. Sie sind längst keine Neuen Medien mehr, stattdessen haben sie die herkömmlichen Medien, die wir durchaus als alte Medien bezeichnen dürf(t)en, hinsichtlich unserer Lebenswelt klar abgehängt.

Bild oben: Bild oben: © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, KI-generiert
Das ZKM-Hertzlab testet bereits das Leben auf dem Mars: Dazu aktuell:
Das Hertzlab fliegt zum Mars | Fr, 24.04.2026; 15 – 18 Uhr: ZKM | Hertzlab | Monarchie auf dem Mars?
Zurecht beobachten wir kritisch, wie sich dadurch unsere Medienwirklichkeit (auch unsere Demokratie) dadurch verändert, aber wieder verschwinden werden sie nicht. Zwar mag es alte Säcke und altmodische Menschen (wie mich) geben, die sich die Welt ohne Smartphones als eine klar bessere Welt vorstellen, aber etwa Google erleichtert unser aller Leben: wie sollte ich „schnell mal was googlen“ – ohne Google?
Also was solls. Bleibt alles anders.
Auch in der ARD-Medienstudie 2025 lesen wir versöhnliche, erfrischend abgeklärte Töne: Weitere Befunde der Medienstudie 2025: 63 Prozent der deutschen Bevölkerung nutzen
Social Media regelmäßig, das Wachstum verlangsamt sich aber. Instagram bleibt mit einer
Wochenreichweite von 40 Prozent führend, verliert indes erstmals bei Jüngeren; Facebook
folgt mit 31 Prozent, TikTok wächst auf 20 Prozent.
Und was noch ermutigender ist: schon seit der Medienstudie 2023; inzwischen unterstützt durch einige andere Quellen, gibt es offenbar einen – leider sehr langsamen – Rückgang der „Social-Media-Nutzung“.
Da gleichzeitig die tägliche Internetnutzungszeit bei etwa 130 Minuten (im Durchschnitt aller Nutzer über alle Altersgruppen hinweg) ziemlich stabil blieb/bleibt, erlaubt dies den vorsichtigen Rückschluß, dass die Nutzung des ja noch immer bestehenden Freien Internet langsam wieder wächst.
Leider konnten wir zu diesem besonderen, aus unserer Sicht durchaus wichtigen Aspekt, keine qualifizierten Daten/Erhebungen finden.
Doch anhand eines konkreten, womöglich repräsentativen Beispiels, können wir dies dennoch anschaulich machen:
So hat unser kunstportal-baden-wuerttemberg, online seit 1996 und ausschließlich im Freien Internet (frei von Zugangsdaten/Account, frei sogar von geisteskranker Werbebelästigung), im oben genannten Zeitraum (seit 2023) besonders an Reichweite zugelegt:
So stieg der Zahl der jährlichen Page-Impressions von 3,08 Mio in 2023 über 3,85 Mio in 2024 auf erstmals über 4 Mio (4.494.230) im letzten Jahr.
Basierend auf dem hervorragenden 1. Quartal in 2026 erwarten wir, im laufenden Jahr die 5 Millionen-Schwelle zu schaffen.
Mediadaten kunstportal-bw 2021 – 2026 – KUNSTPORTAL BADEN-WÜRTTEMBERG
In unserer sich (nicht immer schneller, wie viele uns glauben machen wollen, sondern tatsächlich eher recht gemütlich sich verändernden Welt, bleibt eben doch, zum Glück, vieles wie früher:
Qualität setzt sich durch.
Vor diesem Hintergrund als können wir glasklar sagen:
Die Zukunft wird nicht abgesagt.
Und was solls. Wir hier, im künstlerisch-kreativen Bereich gehen noch’n Schritt weiter und betrachten die Zukunft als einen zu gestaltenden Raum und fragen:Zukunft, warum eigentlich nicht?
Nicht verstecken müssen sich die guten neuen Nachrichten aus der Kunst, die wir im kunstportal-baden-wuerttemberg weiterhin jeden Tag liefern werden, auch und gerade am Sonntag:
Neu am 22. März 2026: | Künstler: | So, 22.03.2026; 15 Uhr: | Elly Weiblen und Jürgen Heinz: | Eine besondere Führung: | Silent Seeing – You will see what you want to see
Neu am 22. März 2026: | ZKM – Zentrum für Kunst und Medien | 28.11.2026 – 30.05.2027 | Lichthof 1+2; 2 OG: | Hidden on Tape. Frühe Videokunst in Europa
Neu am 22. März 2026: | Newsletter Hinkelstein: | Hinkelstein Nr. 70 am 22.03.2026: | Die Zukunft wird nicht abgesagt