Kunstausflüge mit Sigrid Balke | 07.06. – 20.09.2026 | Richard Sharum im Stadthaus Ulm
Sigrid Balke: Richard Sharum – Amerika Trilogie

Bild oben: Richard Sharum in seiner Ausstellung im Stadthaus Ulm
© Foto: Sigrid Balke

„Ich bin ein revolutionärer Aktivist und mein Werkzeug ist die Fotografie. Die Aufnahmen sind mein „Call to action“, die Aufforderung mehr miteinander zu reden“. Reden, das hat Richard Sharum getan. In vier Jahren durchstreifte er sechs Bundesstaaten von der kanadischen und bis zur mexikanischen Grenze der USA mit insgesamt 120.000 Quadratkilometer, redete mit unterschiedlichsten Menschen lebte mit ihnen in ihrem Alltag. Als Amerikaner der sein Land entdeckt, hat er in unzähligen Gesprächen mehr Gemeinsamkeiten, als Trennendes erlebt. Und er fotografierte – nicht voyeuristisch, sondern mit Respekt gegenüber gläubigen Mennoniten, Wanderarbeitern, Verbrechern, Obdachlosen oder Einwanderern. Er war dort, wo Politiker nicht hingehen, und nicht hinsehen. Die Fotografien seiner Erlebnisse und Erfahrungen zeigen aus seiner Sicht, die „Symptome von etwas Größerem“, ein Auseinanderdriften, das ganz aktuell auf das Ende des Mythos vom „American Dream“ zusteuert. Spina Americana, das Rückgrat Amerikas, so der Titel dieses Teils der Trilogie, ist brüchig.

Bild oben: Richard Sharum: American Avenue

Die Arbeitsweise von Sharum ist subtil, rücksichtsvoll, aber mit einer klaren Aussage. Er zeigt nicht die Opfer von Gewalt, sondern das, was die Tat mit den Angehörigen macht. Was macht die Verhaftung eines Gewalttäters mit seiner Familie?

Bild links: Richard Sharum: American Avenue

Die Fotografien Sharums sind Momentaufnahmen, keine Inszenierungen. Bei einigen Fotos der Serie American Homicide stellt er jedoch Porträts von Schulkindern aus zurückliegenden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zusammen und verändert den Blick des Betrachters, der inzwischen weiß, dass es sich um spätere Täter oder Opfer von Gewalt handelt. Trotzdem hat die Vergangenheit dieser Menschen Gemeinsamkeiten mit der eigenen Vergangenheit, es sind vergleichbar typische Fotos aus der Schulzeit.

Für die Serie American Avenue begleitete Richard Sharum Familien ohne festen Wohnsitz. Obwohl viele von ihnen arbeiten und die Kinder zur Schule gehen, können sie sich weder eine Wohnung noch Gesundheitsvorsorge leisten. Die Fotografien erzählen von dem Versuch dieser Menschen, Würde und Hoffnung auch in Notunterkünften oder provisorischen Schlafplätzen zu bewahren. Sharums Amerika Trilogie ist die Geschichte eines Landes, in dem Themen wie soziale Ungleichheit, Gewaltbereitschaft, prekäre Lebenslagen, Intoleranz und gesellschaftlicher Zusammenhalt an Bedeutung gewinnen. Dieser Aspekt geht über die USA weit hinaus und ist hoch aktuell.

Ausstellungsdauer: 07. Juni bis 20. September

© Text und Fotos: Sigrid Balke