Kunstausflüge mit Sigrid Balke |
Sammlung Bäumler: Arche Noah – Kunst und Natur

Mit dem Namen der Sammlung Bäumler Arche Noah – Kunst und Natur, und dem Anspruch beides miteinander zu verbinden, ist die aktuelle Ausstellung geradezu exemplarisch. Wobei dieser Begriff für den abenteuerlichen Streifzug durch die Sonderausstellung Grüne Kuh und Ziegenbock entschieden zu brav erscheint. Immerhin begegnet der Besucher von A wie Affe, Adler und Ara bis Z wie Ziegenbock, den Tieren in einer Auswahl und Gemeinsamkeit, die in der Natur ausgeschlossen wäre. Franz Marcs Grüne Kuh, Namensgeber der Ausstellung und eines der wichtigsten Werke der Sammlung Hans Bäumler reiht sich ordnungsgemäß an die elfte Stelle im Alphabet zwischen J wie Jaguar und L wie Lamm. Dazu gesellen sich Perlthiere und der Hockeldockel und sine beide Fraue, die Schweizer Variante eines Pferdebildes neben Toulouse-Lautrecs Zirkusreiter. Unkomplizierte, qualitativ gut ausgewählte Kunst, die Spaß macht und den Fokus auf eine Zeit des künstlerischen Umbruchs richtet.

Kurator Tobias G. Natter folgt dem Muster bekannter Lernfibeln und verbindet die alphabetische Reihenfolge von A-Z mit dem kuratorischen Kniff, verschiedene künstlerische Genre, unterschiedliche Positionen und Techniken unmittelbar nebeneinander zu stellen. Das Resultat sind originelle Konstellationen und neue Sichtweisen – nicht zuletzt auf den monetären Wert von Kunst und die Bekanntheit der Künstler. Wie stark beeinflussen Namen wie Franz Marc, Gustav Klimt, Kokoschka oder Toulouse-Lautrec und der hohe Wert ihrer Werke unsere Einschätzung ihrer Qualität – und nicht zuletzt unser persönliches Gefallen? Neben berühmten Namen sind etliche Künstlerinnen und Künsler kaum bekannt oder längst in Vergessenheit geraten. Die Ausstellung ist daher auch eine Entdeckungstour durch die Kunstgeschichte Anfang des 20.Jahrhunderts, und zeigt den Weg von der akademischen Malerei hin zu mutiger, künstlerischer Kreativität. Unter den insgesamt 75 Werken sind zahlreiche Leihgaben, darunter die öffentliche Premiere des noch nie gezeigten Werks Puppengesellschaft mit gelbem Hund von Rudolf Wacker, einem der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit in Österreich. Er schuf vor allem Stillleben, Landschaften und eindrucksvoll hyperrealistische Porträts und Selbstbildnisse. Puppen spielen in seinen Bildern zentrale Rollen, sind aber ihrer geistigen Haltung, wie in dem hier gezeigten Bild von 1924, durchaus gesellschaftskritisch. Der Wegweiser durch die Ausstellung ist das ABC, der Rahmen die Zeit von 1900 bis in die 20er Jahre. Die Zeit ist geprägt von einem radikalen Wandel im Sehen. Formen und Farben emanzipieren sich, der Bildgegenstand tritt gegenüber der Bildkomposition und der Farborchestrierung in den Hintergrund. Es ist die Zeit des Expressionismus, des Jugendstils, Art Deco, Secession, und der Wiener Werkstätten. Apropos Wien – im Wiener Museum für angewandte Kunst (MaK) ist die Ausstellung als nächstes zu sehen.
Der Kunstausflug nimmt den kürzeren Weg nach Hohenems und wirft neben der Sonderausstellung auch einen Blick in die ständige Kunstsammlung. Sie zeigt Werke die der Textilunternehmer Hans Bäumler in den zurückliegenden zwanzig Jahren gesammelt hat: hier führt der Weg chronologisch durch die Zeit vomKlassizismus über Romantik, und Impressionismus bis zur Moderne. Und die Natur, die in der Sammlungsbezeichnung Arche Noah – Kunst und Natur ebenfalls eine Rolle spielt? Sie ist die große Leidenschaft des 87jährigen, der über einen langen Zeitraum eine beeindruckende Sammlung eigener und überlassener Tierpräparate zusammengetragen hat. Zusammen mit den damit verbundenen Geschichten eine Sache für sich. Im Zusammenhang mit einem Besuch der ständigen Sammlung und der aktuellen Wechselausstellung ein generationenübergreifend lohnenswerter Kunstausflug nach Hohenems.
Ausstellungsdauer: bis 06.Januar 2027
www.sammlung-hans-baeumler.at