Kunstausflüge mit Sigrid Balke | 16.10.2026 – 24.01.2027 | Kunsthaus Bregenz

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Torkwase Dyson:. Ausstellungsansicht Erdgeschoss Kunsthaus Bregenz, 2026
Foto: Markus Tretter; © Torkwase Dyson, Kunsthaus Bregenz; Courtesy of the artist
Architektur schafft Räume für unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche. Mit dem Kunsthaus schuf der Architekt Peter Zumthor einen Raum für Inspiration. Den nutzte die amerikanische Künstlerin Torkwase Dyson für raumgreifende Installationen, die dem Inneren des minimalistischen Kubus neue räumliche Strukturen geben. Wie die Begrenzungen und Freiräume auf den Betrachter wirken, wie er sich darin bewegt, ist Teil der Installation und führt direkt zur zentralen Frage ihrer Kunst: Wem gehört der Raum?

Dyson, die Soziologie und Kunst studierte, beschäftigt sich mit Ressourcengerechtigkeit, der geschichtlichen Interpretation von Raum und der Teilhabe am gesellschaftlichen Raum. Ihre Werke ermöglichen räumliche Erfahrungen, die – so das Anliegen der Künstlerin – die Wahrnehmung verändern und für diese Aspekte sensibilisieren. Sie arbeitet mit Malerei, Zeichnung, Skulptur, Klang und Architektur. Was sie thematisch beschäftigt sind Fragen zu Architektur und Infrastruktur, Ökologie und Umwelt, Geschichte, Sklaverei und Freiheit. Ein wesentlicher Begriff ihrer Kunst: Black Compositional Thought – Schwarzes kompositorisches Denken, steht auch für die Werke im Kunsthaus Bregenz. Historische Erfahrungen und räumliche Beziehungen übersetzt Dyson in geometrische Formen.
Ein Beispiel ist die Umsetzung einer Dachbodenkammer in der sich die Schwarze Harriet Jacobs jahrelang versteckte. Die Übersetzung ist eine trapezförmige Arbeit, bei der die Enge, die Begrenztheit spürbar wird. Doch auch ohne den unmittelbaren Bezug, lässt sich nachvollziehen, wie geometrische Abstraktion Räume verändert, Grenzen setzt oder sie aufhebt, neue Sichtachsen und Perspektiven schafft. Die monumentalen Skulpturen aus Pappelsperrholz im Kunsthaus Bregenz wurden eigens für die Ausstellung im Bregenzerwald gefertigt. In einem tagelangen Prozess färbt Torkwase Dyson das Holz mit einer schwarzen Lasur und erzeugt mit unterschiedlichen Werkzeugen vielfältige visuelle Qualitäten. Im Zusammenspiel zarter Spuren und eingeritzter, diagrammartiger Linien gewinnen die Arbeiten eine poetische Dimension. Die strenge kompositorische Ordnung verleiht ihnen eine architektonische Präsenz und eine starke optische Wirkung.

Bild rechts: Torkwase Dyson im Kunsthaus Bregenz, 2026; Foto: Miro Kuzmanovic; © Kunsthaus Bregenz
Im zweiten, komplett abgedunkelten Stock vom KUB ergänzt Dyson ihre räumliche Arbeit um die Dimension des Hörens: Klang wird zu einem Material, das Umgebung, Erinnerung und körperliche Wahrnehmung miteinander verbindet. Schon auf der Biennale in Venedig in diesem Jahr war Torkwase Dyson mit einer immersiven Installation aus monumentalen Skulpturen und Klang vertreten. Im tageslichthellen Obergeschoss zeigt die Künstlerin großformatige Gemälde geometrischer Abstraktion und steht damit formal in einer Tradition, die unter anderem vom Konstruktivismus und der Minimal Art geprägt wurde. Die Strenge hebt sie auf und interpretiert Minimalismus mit ihrer ganz persönlichen Handschrift.
www.kunsthaus-bregenz.at Ausstellungdauer: bis 24.01.2027