Hinkelstein 69 | 08.03.2026 | „Fragen der Zeit“

Hinkelstein: | 08.03.2026 | „Fragen der Zeit“

Liebe kunstportal-baden-württemberg-Leserinnen und Leser,

Frei in der Form, behandeln wir hier im Hinkelstein ja in verschiedenen Varianten, die Fragen der Zeit.
Meist eher prosaisch, als Essay oder eben heute mal „ganz konkret“: ein Kunstwerk, ein Gedicht, ein paar weitere Gedanken.

Zuerst das Kunstwerk: „Tag um Tag guter Tag“, die wunderbare und sicherlich berühmteste Werkgruppe des Freiburger Künstlers und Pofessors Peter Dreher  (* 26.08.1932 in Mannheim † 18.02.2020 in Freiburg im Breisgau; ein echter Badener).
1972 entstand ein erstes einzelnes Bild vom Glas. Seit 1974 entstehen jedes Jahr mindestens 50 Bilder, die ein leeres Wasserglas auf weißer Tischfläche vor weißem Hintergrund zeigen. Das gemalte Glas ist in natürlicher Größe im Bild. Die äußeren Verhältnisse, wie Beleuchtung, Entfernungen, Bildformat bleiben unverändert.

Ein Glas ist ein Glas, ein Bild ist ein Bild, eine Zeichnung ist eine Zeichnung.
© Text: Stiftung Peter Dreher,

Bild oben: Peter Dreher: Tag um Tag guter Tag, Nr. 801, 1987
Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm | © Peter Dreher, Galerie Friese, VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Mit „Tag um Tag guter Tag“ hatte Peter Dreher überzeugend gezeigt, dass die Malerei immer wieder neu ist, selbst wenn sie sich wiederholt einem identischen Gegenstand zuwendet.

Von diesem Werk angeregt, wollen wir uns hier im Hinkelstein erneut mit dem Themenbereich der Wirklichkeitswahrnehmung (und unserer Mediengesellschaft) befassen.

Dabei starten wir mit folgendem Phänomen“: „Wir leben in einer sich immer schneller verändernden Welt“. Diese Vorstellung, die mir selbst immer als Klischee erschienen war, sitzt heute recht fest in unseren Köpfen: Tatsächlich muss man ja auch nur die Nachrichten einschalten, um sich in dieser Vorstellung bestätigt zu sehen.
Dennoch erscheint mir die Realität dem in mehreren Punkten diametral entgegen zu stehen: Zunächst ist es ja so, dass die globalen Veränderungen nichts an unserem Alltag ändern: wir schimpfen auf die höheren Preise, kaufen vielleicht billigere Produkte, gehen aber weiter einkaufen und tanken zu erschreckend hohen Benzinpreisen, weil wir keine andere Wahl haben. Bis die geostrategischen Verschiebungen unseren Alltag wirklich ändern, ist noch (unbestimmbar, aber eher viel) Zeit.

Zur Gleichförmigkeit des Alltags und zur endlos erscheinenden Wiederholung hier ein kleines Gedicht:
Fragen der Zeit ?
Morgens aufstehn,
todmüde.
Abends hinlegen,
schlafen – hoffentlich!
Jürgen Linde am 08.03.2026


Dazu unsere Musik/Videoempfehlung: mal wieder Element of Crime: Wieder ein Tag

Kürzlich erst las ich, dass sich die Menschen in Deutschland heute weit unsicherer fühlen als etwa vor 20 Jahren; viele glauben dass ihr Leben weniger sicher sei und dass es eindeutig mehr Gewalt und Verbrechen gäbe. Doch steigt die Lebenserwartung weiterhin stetig an und laut den offiziellen Statistiken der Polizei sind auch die Zahlen der Verbrechen und Gewalttaten leicht rückläufig.

Gibt es also eine Schere zwischen Wirklichkeit und Wirklichkeitswahrnehmung? Wenn es diese (wie ich vermute) gibt und immer schon gab, ist diese dann gewachsen – womöglich durch einen immer stärkeren Einfluss der Medien auf unsere Wahrnehmung?
Die Medien waren schon immer (gerade in Diktaturen) ein zentrales Werkzeug der Herrschaft und beeinflussen ja „auch ganz natürlich“ unsere Realitätswahrnehmung: Von der Welt, die wir ja als globale Welt erleben, können wir uns schlicht kein eigenes Bild machen.

Und doch werden wir hier im Hinkelstein, wo ja weiterhin die These eines entstehenden technologischen Totalitarismus im Hintergrund steht, sensibel:
Klar ist: Wenn wir den BegriffMedien eng verwenden: Das bedeutet: Medien sind Sprache, Bild, Ton, Text und Daten, dann gibt es ohne Medien keine Informationen über die Außenwelt.
Gesellschaftspolitisch gesehen, verwenden wir einen etwas weiteren Medien-Begriff: Medien sind hier Kanäle, über die wir uns informieren: Telefon, Zeitung, Radio, TV, Internet (dort Podcasts, Streaming-Dienste verschiedenster Art, E-Mail et.).

Wir haben hier in Deutschland/ in Europa noch die Wahl (auch politisch/ideologisch) verschiedener Kanäle zur Information; auch in den digitalen (ehemals „Neuen“) Medien.
Interessant (gefährlich) wird es erst dann, wenn diese verschiedenen Informationskanäle von wenigen Personen/Interessen kontrolliert werden. Bevor wir diese Thematik in einen der nächsten Hinkelsteine weiter vertiefen, hier nur vorab schon der Hinweis: Gerade ist zu lesen in der der „ARD-ZDF-Medienstudie 2025“: Social Media und generische YouTube-Inhalte überholen Streamingdienste.

Wie eingangs gesagt: fast alles bleibt gleich im Alltag – und verändert sich eben doch: Same same but different: Die Mediennutzung pro Tag bleibt mit etwa 6,5 Stunden seit ein paar Jahren stabil, doch verändern sich die Anbieter und die Auswahl dessen, was wir sehen und hören.

Doch vermutlich gibt es einen Übergang von dieser natürlichen Beeinflussung zur Steuerung, zur Manipulation, zur Gleichschaltung?.

Unabhängig von allen grundsätzlichen Fragen der täglichen Lebensgestaltung und Mediennutzung gibt es bei uns weiterhin jeden Tag wieder gute Nachrichten aus der Kunst; so auch heute am Sonntag, dem 08. März 2026::

Neu am 08. März 2026: | Künstler: | Jürgen Heinz: | 14. + 15.03. und 24.04.2026 | Ein Abend im Atelier Jürgen Heinz mit Simone Maria Dietz: | Mit Hammer und Meißel, Feuer und Stahl. Die Geschichte der Bildhauerei
Neu am 08. März 2026: | KunsthalleTübingen | 08.11.2025 – 08.03.2026 | Bewohnte Mythen – Joseph Beuys: |  Heute letzter Ausstellungstag! | Führungsmarathon am Finissage-Wochenende in der JOSEPH BEUYS-Ausstellung der Kunsthalle Tübingen
Neu am 08. März 2026: | Marc Peschke – Out of The Länd | 22.03. – 04.04.2026: | Rosa von Praunheim: Galerie Mond Fine Arts in Berlin | Eröffnung: Sa, 21.03.2026; 18 – 21 Uhr | „Rosa In The Sky“