Kunstausflüge mit Sigrid Balke | Neues im Fluss


Mit der 24. Ausgabe setzt die Triennale Ulmer Kunst eine Tradition fort und präsentiert sich gleichzeitig neu. Letzteres ist der Sanierung des Museum Ulm geschuldet, das mehr als 70 Jahre jüngeren oder weniger bekannten Künstler:innen und ihren Positionen eine Bühne bot und den Dialog zwischen Kunst und Öffentlichkeit förderte.

Die vorübergehende Schließung erforderte die Aufteilung der Ausstellung auf drei Schauplätze: dem Schuhhaussaal, der Galerie vom Kunstverein Ulm, dem Ausstellungsgebäude des BKK, dem Bund Bildender Künstler im Ochsenhäuser Hof, und, fast daneben, die Räume der Künstlergilde Ulm e.V. Der Wechsel zwischen den drei Ausstellungsorten unterstreicht unfreiwillig den Charakter der Triennale. Der diesjährige Titel Neues im Fluss trägt Bewegung als Metapher in sich und wird für die Besucher Teil des Ausstellungserlebnisses. Die Triennale als Schaufenster der regionalen Gegenwartskunst, auch sie bleibt in Bewegung und ist auch in diesem Jahr eine Plattform für spannende Positionen und medienübergreifende künstlerische Ausdrucksformen. Der Titel Neues im Fluss rückt einen Begriff ins Zentrum, der in der Kunst seit jeher als Metapher für Wandel, Vergänglichkeit und Erneuerung steht. Das Fließen beschreibt dabei nicht allein natürliche Prozesse, sondern auch gesellschaftliche, kulturelle und persönliche Transformationen. Die ausgestellten Arbeiten verstehen Veränderung nicht als Ausnahmezustand, sondern als grundlegendes Prinzip des Daseins.

Bild links: Sarah_Vuckovic: Rupa: Das Loch; Foto: ©_Sarah_Vuckovic

Viele der insgesamt 33 künstlerischen Positionen beschäftigen sich mit der Frage, wie sich in einer Welt permanenter Umbrüche Orientierung finden lässt. Vertraute Strukturen lösen sich auf, Fragmente fügen sich zu neuen Zusammenhängen, Vertrauen und gemeinschaftliches Handeln werden zu tragenden Elementen eines offenen Prozesses. Das Neue erscheint dabei nicht als radikaler Bruch mit dem Bestehenden, sondern entwickelt sich aus dessen Transformation.

Ein wiederkehrendes Motiv ist das Wasser – als physische wie symbolische Kraft. Es nimmt jeden Tag etwas von uns mit, trägt Erinnerungen fort, verändert Landschaften und verweist auf die Unbeeinflussbarkeit natürlicher Zyklen. Zugleich eröffnet es Räume des Unbekannten. Die Künstler:innen des Triennale-Parcours begreifen den Fluss nicht allein als Motiv, sondern als künstlerisches Prinzip. Ihre Arbeiten verweisen auf die Offenheit von Prozessen, auf die produktive Kraft des Wandels und auf die Fähigkeit der Kunst, trotz sich auflösender Gewissheiten neue Perspektiven sichtbar zu machen.

Eine Ausstellung des Kunstvereins Ulm, des BBK Ulm-Künstlerhaus und der Künstlergilde Ulm e.V.

Ausstellungsdauer: bis 30.August 2026 (Do-Fr 14-18 Uhr/ Sa-So 11-18 Uhr

Öffentliche Führungen: 11.07./25.07./22.08 um 14 Uhr (Start am Kunstverein, Ulm, Kramgasse)

© Text: Sigrid Balke