Stefanie Patruno, Direktorin des Kunstmuseums Karlsruhe im Kunstvermittlerinnen -Porträt
Seit 2021 ist Stefanie Patruno Leiterin der Städtischen Galerie Karlsruhe, die sie in diesem Jahr, 2026, umbenannt hat – zum Kunstmuseum Karlsruhe; unverändert dabei bleibt das enorme Engagement des Hauses für die Kunstvermittlungsarbeit, die in den letzten Jahren noch kreativer und vielfältiger wurde:
Endlich nun ist es gelungen, dieses entsprechend schon lange geplante Kunstvermittlerinnen-Porträt über die Leiterin des Kunstmuseums, Stefanie Patruno, zu schreiben und zu veröffentlichen:
„Wir wollen unser Profil als eigenständiges Kunstmuseum innerhalb der Karlsruher Museumslandschaft noch deutlicher sichtbar machen und unsere Sammlung, unsere Ausstellungen und unsere Vermittlungsarbeit stärker miteinander verbinden“. (S. Patruno)

Bild oben:| Kunstmuseum Karlsruhe: KAMUNA – Karlsruher Museumsnacht 2025; © Foto: Bruno Kelzer

Bild links: Dr. Stefanie Patruno, Direktorin des Kunstmuseums Karlsruhe; © Foto: ARTIS, Uli Deck
In unseren finanziell (gerade für die Kommunen) so schwierigen Zeiten, in der massive Sparmaßnahmen die Museen oft zwingen, ihre Ausstellungsprogramme zu kürzen oder zumindest „zeitlich zu strecken“, geraten auch die wichtigen – aber eben auch personal- und somit kostenintensiven – Kunstvermittlungsangebote vielfach unter Druck.
Stefanie Patruno, der Leiterin des Karlsruher Kunstmuseums, gelingt es, das zuletzt sogar noch gewachsene Vermittlungsprogramm in vollem Umfang aufrecht zu erhalten.
In diesem Kunstvermittlerinnen-Porträt zeigen wir, wie ihr und ihrem kleinen, hochmotivierten Team dies gelingt, und was das Kunstmuseum für die Kunstvermittlung leistet.
Erstmals erscheint hier der zweite Teil unseres Porträts in Form eines Interviews, das wir telefonisch geführt haben.
Im laufenden Jahr erst wurde aus der Städtischen Galerie Karlsruhe das Kunstmuseum Karlsruhe. Von Beginn an war die Kunstvermittlung wichtig in der Städtischen Galerie Karlsruhe; schon zu Zeiten der Gründungsdirektorin, Dr. Helga Walter-Dressler, die das Museum von 1991 bis 1993 leitete und ihrer Nachfolgerin Prof. Dr. Erika Rödiger-Diruf (bis 2007). Immer schon war die Kunstgalerie der Stadt in Frauenhand. Erika Rödiger-Diruf hatte dann auch die große Aufgabe, mit dem Umzug (1997) der SGS vom altehrwürdigen Prinz-Max-Palais in den IWKA-Hallenbau das Museum komplett “neu aufzustellen“; viele erinnern sich bestimmt an den damaligen schönen Slogan – “Auf Wiederseh’n im Lichthof 10“.
Seither wurde die SGS wohl von vielen wahrgenommen als ein Teil es ZKM; schließlich kennen alle das heute global bekannte Gebäude als den ZKM-Hallenbau. Doch, obwohl im Lichthof 10, ganz im Westen des 300 Meter langen Hallenbaus, fühlte sich die SGS nie an den Rand gedrängt, sondern blieb ein absolut eigenständiges Museum, das, mit der Kunst-Sammlung der Stadt als Grundstock, eine ganz eigene und anspruchsvolle Ausstellungspolitik betreibt. Die Umbenennung zum Kunstmuseum Karlsruhe, von der neuen Leiterin Stefanie Patruno initiiert und voran getrieben, war dann Anfang 2026 ein konsequenter Schritt, der die Eigenständigkeit des Hauses, das insbesondere durch seine großen Sonderausstellungen weit über die Region hinaus einen hervorragenden Ruf genießt, noch verdeutlicht.
Für Stefanie Patruno, die seit 2021 das Haus als Direktorin führt, und ihr Team, spielt dabei die Kunstvermittlung eine besondere Rolle: Das Kunstvermittlungsangebot des KMK ist viel zu umfangreich, als dass wir es hier in diesem Rahmen angemessen darstellen könnten; bitte informieren Sie sich auf der Website des KMK:
Kunst entdecken, erleben, machen: Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Doch nicht nur der Name, auch die Arbeit hat sich verändert: Von Beginn an war die Kunstvermittlung wichtig in der Städtischen Galerie Karlsruhe; schon zu Zeiten der Gründungsdirektorin, Dr. Helga Walter-Dressler, die das Museum von 1991 bis 1993 leitete und ihrer Nachfolgerin Prof. Dr. Erika Rödiger-Diruf (bis 2007). Immer schon war die Kunstgalerie der Stadt in Frauenhand. Erika Rödiger-Diruf hatte dann auch die große Aufgabe, mit dem Umzug der SGS vom altehrwürdigen Prinz-Max-Palais in den IWKA-Hallenbau das Museum komplett “neu aufzustellen“; viele erinnern sich bestimmt an den damaligen schönen Slogan – “Auf Wiedersehn im Lichthof 10“.

Bild oben: Die Beats von DJ Toolbox und Beatschmied laden zum Tanzen ein, © Foto: Fabian Althoff
Für Stefanie Patruno, die seit 2021 das Haus als Direktorin führt, spielt dabei die Kunstvermittlung eine besondere Rolle: Das Kunstvermittlungsangebot des KMK ist viel zu umfangreich, als dass wir es hier in diesem Rahmen angemessen darstellen könnten; bitte informieren Sie sich auf der Website des KMK:
Kunst entdecken, erleben, machen: Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Dazu nur ein paar Stichworte, wie es dem KMK gelingt, den jungen Menschen Kunst als spielerische Freude nahezubringen. So schrieb ja auch schon Friedrich Schiller: “Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“
Bereits für Kinder ab 4 Jahren bieten wir spielerische Ausstellungsrundgänge und Workshops an. Unter der Anleitung unserer erfahrenen Kunstpädagog*innen erleben die Kinder einen sinnlichen Museumsbesuch und werden in unserem Atelierraum selbst künstlerisch tätig.
Erfolgreich gelingt es dem KMK, junge Leute (mit realen und virtuellen Museumsbesuchen) abzuholen und für die Kunst zu gewinnen. Und noch darüberhinaus; dies ist, soweit ich sehen kann, wirklich einzigARTig:

Bild links: © Foto: Artis Uli Deck
Per Fahrrad und mit einem Anhänger voller Kunst kommt das KMK auch selbst in die Schule:
Unser Outreach-Programm „Museum in der Box“ ist ein wertvolles Instrument, Kinder und Jugendliche an dem Ort für Kunst zu begeistern, an dem sie ohnehin täglich sind: in der Schule. Mit unserem Museumsfahrrad fahren wir ein Exponat aus unserer Sammlung als Reproduktion mit dazu gehörigen Materialien ins Klassenzimmer, wo Fachpädagog*innen die Schüler*innen dabei unterstützen, die Besonderheiten der Exponate und ihren Kontext zu ergründen. Wie in unseren Museumsworkshops vertiefen sie die durch Anschauung erlangten Erkenntnisse anschließend in einem praktischen Workshop.
[ wie eingangs erläutert: der zweite Teil unseres Kunstvermittlerinnen-Porträts ist das folgende Interview: ]
Die Kunstvermittlung nimmt in Ihrer Arbeit einen großen Stellenwert ein. Warum?
Weil die Frage, wie Menschen Zugang zu Kunst finden, für mich eine zentrale Museumsfrage ist. Kunstvermittlung beginnt für mich übrigens nicht erst bei der Führung. Sie beginnt bereits damit, wie ein Museum gestaltet ist: Wie werde ich empfangen? Fühle ich mich hier willkommen? Verstehe ich, wie ich mich durch das Haus bewegen kann? Und finde ich einen Zugang zu den Werken, auch wenn ich keine kunsthistorischen Vorkenntnisse habe? Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren sehr unterschiedliche Formate entwickelt – für Kinder, Familien, Jugendliche und Erwachsene, aber auch für Menschen, die bisher wenig Berührung mit dem Museum hatten.
Besonders Kinder und Jugendliche scheinen Ihnen wichtig zu sein.
Ja. Und zwar nicht, weil Kinder und Jugendliche die „Museumsbesucher von morgen“ sind, wie man häufig sagt. Sie sind die Museumsbesucher von heute.
Wenn ein vierjähriges Kind bei uns eine Ausstellung besucht, mit einem Kunstwerk etwas verbindet und anschließend selbst etwas ausprobiert, dann ist das bereits eine eigenständige ästhetische Erfahrung.
Deshalb bieten wir beispielsweise schon für Kinder ab vier Jahren spielerische Ausstellungsrundgänge und Workshops an. Entscheidend ist, dass Kinder Kunst nicht nur erklärt bekommen, sondern sie sinnlich erfahren und selbst tätig werden können.
Mit „Museum in der Box“ gehen Sie sogar in die Schulen.
Das ist uns sehr wichtig. Denn wir können nicht immer darauf warten, dass alle Menschen den Weg ins Museum finden. Bei „Museum in der Box“ bringen wir Kunst beziehungsweise Reproduktionen aus unserer Sammlung direkt in die Schule. Unser Museumsfahrrad wird damit gewissermaßen selbst zum mobilen Museum.
Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich zunächst mit einem Werk und seinem Kontext und werden anschließend selbst praktisch tätig. Das verändert auch unsere Perspektive auf Vermittlung: Nicht immer muss das Publikum zum Museum kommen. Manchmal muss das Museum zum Publikum gehen.
Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
Eine große – aber ich sehe sie nicht als Ersatz für den Museumsbesuch.
Natürlich eröffnen digitale Angebote ganz neue Möglichkeiten. Wir können Informationen zugänglich machen, Werke anders kontextualisieren, Inhalte vertiefen und Menschen erreichen, die vielleicht nicht unmittelbar vor Ort sein können. Aber gleichzeitig leben Kunstmuseen von der Begegnung mit dem Original.
Wir leben heute in einer Welt, in der wir permanent Bilder sehen. Das Smartphone ist immer dabei, Bilder werden in Sekunden produziert und weitergewischt. Gerade deshalb kann ein Museum ein Gegenraum sein: ein Ort, an dem man sich Zeit nimmt. Ein Kunstwerk muss nicht mit dem nächsten Bild konkurrieren. Es darf Aufmerksamkeit verlangen.
Das klingt fast wie ein Gegenmodell zu TikTok und Instagram.
Ein Stück weit vielleicht. Aber ich würde das gar nicht als Gegensatz formulieren. Wir müssen die digitalen Lebenswelten der Menschen ernst nehmen. Gerade junge Menschen bewegen sich selbstverständlich zwischen digitalen und analogen Räumen. Ein Museum sollte deshalb nicht versuchen, diese Welt zu ignorieren.
Ist das Museum also ein Ort der Entschleunigung?
Ja, das kann es sein. Und ich finde diesen Gedanken heute zunehmend wichtig. Wir müssen dabei aber aufpassen, das Museum nicht zu romantisieren. Ein Museum darf auch lebendig, laut und kommunikativ sein. Unsere Veranstaltungen wie Art to Night zeigen ja gerade, dass ganz unterschiedliche Formen des Museumsbesuchs möglich sind. Für mich geht es nicht um die Entscheidung zwischen „still“ und „eventorientiert“. Es geht darum, unterschiedliche Formen der Begegnung mit Kunst zu ermöglichen.

Bild rechts:© Foto: Anne-Sophie Stolz
11. Sie leiten das Haus seit 2021. Was wollten Sie verändern?
Ich wollte zunächst sehr genau verstehen, was bereits da ist. Ein Museum entwickelt sich ja nicht mit einer neuen Direktorin plötzlich völlig neu. Mir war wichtig, die Stärken des Hauses weiterzuentwickeln und gleichzeitig stärker darüber nachzudenken, welche Rolle ein kommunales Kunstmuseum im 21. Jahrhundert spielen kann.
Dazu gehört die Sammlung. Dazu gehören Ausstellungen. Dazu gehört Forschung. Dazu gehört die digitale Zugänglichkeit unserer Bestände. Und ganz wesentlich gehört dazu die Frage, wie wir unterschiedliche Menschen erreichen.
Das Bild zeigt: Friedrich Schiller hatte bestimmt recht: Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.
Wir danken Stefanie Patruno für die guten Gespräche und das Interview.
Jürgen Linde im September 2026.