Zeppelin-Museum Friedrichshafen | 22.05.2026 – 04.04.2027
2026 feiert das Zeppelin Museum sein 30-jähriges Jubiläum im Hafenbahnhof. Zu diesem Anlass stellt sich das Museum in der Ausstellung „Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus“ seiner eigenen Geschichte und arbeitet die Verstrickungen zwischen der politischen Nutzung von Zeppelinen und NS-Staat erstmals umfassend auf.

Leitend sind dabei Gefühlte Wahrheiten, ein Phänomen, das auf subjektiven, emotionalisierten Annahmen beruht: Aussagen, die wir irgendwo mal gehört und nicht hinterfragt, die sich im Laufe der Zeit verstetigt haben und unabhängig belegbare Fakten verdrängen. Sie dienen als Gerüst, um verklärende Erzählungen der Zeppelingeschichte zu dekonstruieren.
Gefühlte Wahrheiten bestimmen bis heute auch das Bild der Zeppeline als nostalgisch verklärte Technik. So hält sich etwa der Glaube, Zeppeline und die Konzerne, die sie bauten, seien unpolitisch gewesen.
Die Forschung zeigt ein anderes Bild: Das sogenannte goldene Zeitalter der Luftschifffahrt war durch die Bedeutung der Zeppeline für die NS-Propaganda geprägt. Ihre Inszenierung reichte von Hakenkreuzen an den Leitwerken bis hin zu Propagandafahrten und Auftritten bei politischen Großereignissen. Das selbst konstruierte Bild Eckeners wurde undifferenziert reproduziert und bis heute weitergetragen. Tatsächlich waren ab 1933 die Zeppeline und die Menschen, die sie bauten und betrieben, auf die ein oder andere Weise in den NS-Staat und seine propagandistische Selbstdarstellung eingebunden. Dass dies ausschließlich unfreiwillig und ohne Begeisterung geschah, ist einer der zentralen verklärenden Erzählungen, die in der Zeit nach 1945 entstanden und bis heute wirksam sind.
Einordnung und Neubewertung
Das Zeppelin Museum verfolgt in der Sonderausstellung einen glokalen, multiperspektivischen und interdisziplinären Ansatz. Die eigene Sammlung wird auf den Kontext hin befragt und setzt den „gefühlten“ Narrativen historische Forschung entgegen. Die Ausstellung ermöglicht so einen differenzierten Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus im Kontext historischer Kontinuitäten.
Die Aufarbeitung erfolgt entlang von Schlüsselereignissen und Schlüsselpersonen. Erstere setzen bereits vor der Zeit des Nationalsozialismus an, denn schon während der Kaiserzeit profitierten Zeppeline von ihrer politischen und emotionalen Aufladung. Im Ersten Weltkrieg waren sie militärische Werkzeuge, in der Weimarer Republik Symbole technischen Fortschritts und nationaler Ansprüche. Diese Wandelbarkeit machte sie für den NS-Staat zu Propagandawerkzeugen. Propagandafahrten der großen Zeppelin Luftschiffe zu politischen Großereignissen fungieren hierzu als zentrale Schlüsselereignisse. Ebenso die Katastrophe von Lakehurst, bei der mit der LZ 129 Hindenburg auch ein Symbol des NS-Staates verbrannte. Als Schlüsselpersonen werden Schicksale und Einzelpersonen präsentiert, die eine glokale Dimension eröffnen. Anhand ihrer Schicksale lassen sich Kontinuitäten und Wandel in der Diktatur beschreiben. Auch die eigene Museumsgeschichte wird kritisch beleuchtet. Im Mittelpunkt steht dabei das 1938 eröffnete Werksmuseum der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, das anlässlich des 100. Geburtstags des Grafen Zeppelin neu gebaut wurde.
In der Ausstellung werden rund 200 Exponate gezeigt, überwiegend aus der Sammlung des Museums, mit einem Schwerpunkt auf historischem Bild- und Aktenmaterial. Zur Eröffnung erscheint ein umfangreicher Begleitband, der neue Forschungsergebnisse dokumentiert.