geistige Perspektiven – über Mona Breede

Website: www.monabreede.de
E-Mail: breede@otenso.de

Mona Breede wurde mit dem Hanna-Nagel-Preis 2013 geehrt. Dazu gibt es eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Karlsruhe, die wichtige Arbeiten aus Breedes Serie der “Choreographien“ präsentiert. Auf diese Ausstellung und auf diese Arbeiten bezieht sich unser Porträt.

Beeindruckend ist, dass diese Arbeiten in ihrer Farbkomposition und in ihrer Atmosphäre immer wieder Assoziationen wecken zur Malerei von Edward Hopper.

Lost Gateway, 2013; 95 x 170 cm | © Foto: Künstlerin, VG Bildkunst Bonn 2020

Doch blicken wir mit Mona Breede nicht zurück, sondern nach vorne: Mona Breedes Arbeiten faszinieren, sind anders als das, was wir “normalerweise“ kennen. Wir erleben hier eine Kunst, die so heute erst möglich ist, Kunst, die brandaktuell ist:

So schreibt Peter Weibel: “Die Medienkunst schrieb die Kunst der Moderne neu, indem die Kluft zwischen der Darstellung künstlerischer Mittel und der Darstellung von Objekten überbrückt wurde. Es entstand eine neue Realität: die Medienrealität.”
(Peter Weibel: Globalisierung: Das Ende der Modernen Kunst? (Juni 2013)

Look out, 2007; 95 x 160 cm | © Foto: Künstlerin, VG Bildkunst Bonn 2020

In ihrer ganz besonderen – hochkomplexen – Vorgehensweise(dazu gleich mehr) macht die Künstlerin eine Verbindung sichtbar, die wir “verloren“ haben: die Verbindung von der (vermeintlich) klaren und profanen Alltagswelt, die wir hier einfach mal Realität nennen zu einer anderen Ebene des (Bewusst-)Seins, vielleicht manchmal auch zur “anderen Seite“, wie das Jenseits ja manchmal genannt wird.

Naheliegend auch, aber nach meinem Empfinden zu früh, hier von Transzendenz zu sprechen.

Was man früher Fotomontage genannt hat, hat hier eine ganz neue Qualität erreicht. Mit ihrem virtuosen Umgang mit den Möglichkeiten der digitalen Welt zeigt uns Mona Breede, wie nahe die anderen Welten, die anderen Wahrnehmungsräume eigentlich sind, wenn wir sie denn sehen könnten. Dies sichtbar zu machen, das ist die Kunst.

Aurora, 2007 ; 95 x 120 cm | © Foto: Künstlerin, VG Bildkunst Bonn 2020

Die Vorgehensweise ist eigentlich leicht zu verstehen: Mona Breede fotografiert die zuvor genau ausgewählten Locations – immer wieder, mit immer wieder anderen Menschen/Situationen.
Dann werden aus den verschiedenen Bildern Teile (Menschen, Gegenstände) ausgewählt, ausgeschnitten und neu zusammengefügt – zu einem ganz neuen Bild, zu einer ganz neuen Geschichte. Hier wird verständlich, warum die Künstlerin diese Arbeiten auch als Choreographien bezeichnet. Heute erscheint ja “digital alles möglich, alles einfach“ Wer sich aber mit digitaler Bildbearbeitung ernsthaft auseinandersetzt, weiß, dass sich hinter dieser Arbeitsmethodik furchtbar viel Fleißarbeit verbirgt: Licht und Schatten, Hell und Dunkel, bis da alles stimmt…

Erst beim Pressetermin in der Städtischen Galerie Karlsruhe zum Hanna-Nagel-Preis 2013, den Mona Breede ja bekommen hat, lerne ich endlich die Künstlerin persönlich kennen. Einzelne Bilder von ihr habe ich immer wieder mal gesehen. Doch erst durch diese tolle Ausstellung, die noch bis 04. August 2013 zu erleben ist, wird mir klar, wie genial Mona Breede vieles von dem zusammenfasst, was wir schon in früheren Künstlerinnenporträts entdeckt haben.

Eine besondere Leistung der Kunst, vielleicht auch das, was die Kunst als solche politisch macht, ist die Kontingenz – das ist die Tatsache, dass alles auch anders sein könnte: Es ist wie es ist, doch es liegt an uns, zu erkennen, dass und wie es auch anders sein könnte. Das gilt für die eigene Person wie auch für die Gesellschaft, für die politische Welt.

Mit Sicherheit keine Freiheit, 2010; 75 x 300 cm | © Foto: Künstlerin, VG Bildkunst Bonn 2020

Und so ist es bestimmt kein Zufall, wenn zunehmend explizit politische Themen in den Fokus der Arbeit von Mona Breede rücken: “Mit Sicherheit keine Freiheit“, so der wunderschön dialektische Titel einer weiteren aktuellen Arbeit, die dies veranschaulicht.

Mona Breede ist Künstlerin und nicht als Künstlerin Politikerin oder umgekehrt. Zu oft schon mußten wir erleben, wie die Kunst aufhört, wenn sie vom Künstler vor einen explizit parteipolitischen Karren gespannt wird.
Diese Gefahr besteht bei Mona Breede überhaupt nicht, zum Glück. Gespannt aber sind wir auf kommende Arbeiten der in Karlsruhe lebenden Künstlerin und welche weiteren Schritte sie gehen wird.

Mona Breede, © Foto: Wolfgang Gießler, 2013

Mona Breede
© Foto: Wolfgang Gießler 2013

Wie meist, sehen wir die riesige Arbeit nicht, sondern nur das Ergebnis.

Für uns als Betrachter schafft Mona Breede ganz neue
geistige Perspektiven.

Jürgen Linde, im Juli 2013