Landschaft in der Nähe vom Paradies – über Ana Laibach

Ana Laibach
Atelier Blumenfressersalon
R7,40
68161 Mannheim
Internet: www.ana-laibach.de
e-mail: ana@ana-laibach.de
Fon: 0170 – 54 800 93

Im vorletzten Jahr war mir Ana Laibach zum ersten Mal aufgefallen: aufgrund ihrer farbgewaltigen Bilder im Katalog der TOP-MeisterschülerInnen (Ana Laibach war Meisterschülerin bei Max Kaminski) der Kunstakademie Karlsruhe hatte ich mir ihren Namen notiert, in meiner Liste mit der Überschrift “unbedingt kennenlernen wegen Künstlerinnenporträt”.

Kennenlernen konnte ich die Künstlerin dann am 14. November 2003: Bei der DebütantInnenausstellung der Kunstakademie war Ana Laibach eine der beiden KünstlerInnen, die hier ihre Arbeit einer größeren Öffentlichkeit präsentieren durften.

Ich war hell begeistert von den lebendig-berauschenden Meeren aus Farbe und Bewegung, die Ana Laibach in großformatigen Arbeiten hier gezeigt hat.
Die Künstlerin arbeitete in einer Ecke des Ausstellungsraumes und schenkte Sekt aus, was mir nicht ungelegen kam. Am Ende eines sehr anregenden Gesprächs hat sie mir den Katalog mitgegeben, der anläßlich dieser Ausstellung entstanden war. Diesen sah ich mir anschließend in der Straßenbahn genauer an und entdeckte ein Bild mit dem schönen Titel “Landschaft in der Nähe vom Paradies”.

Konservierte Ekstase, 1999 | 100 x 100 cm | © Künstlerin, VG Bildkunst Bonn 2020

Als ich Ana Laibach am 2. Januar in ihrem Mannheimer Atelier besuche, wird unser Rundgang durch die riesengroße ehemalige Backstube, die ihr als Arbeitsplatz dient, von Miles Davis` Musik begleitet. Hier und im Keller der Backstube lagern zahlreiche großformatige Gemälde mit seltsamen Titeln wie “A + E – II”, “Dienstag” oder “Konservierte Ekstase”.

Die Bilder erscheinen unglaublich bewegt und dynamisch, ein Meer von Farben ergiesst sich über den Betrachter. Fast rauschhaft fliessen Oberfläche und Farbe ineinander und verschmelzen miteinander im Raum, in der Tiefe.

Repeat, 2002 | 150 x 200 cm | © Künstlerin, VG Bildkunst Bonn 2020

Neben diesem malerischen Aspekt besitzen die Gemälde aber auch Form und Struktur. Ruhe und Kontemplation tauchen als scheinbare Gegensätze zur Bewegtheit in den Bildern auf.

Angedeutete archaische Symbole, wie man sie sich auf Totempfählen vorstellt, finden sich immer wieder: Beschwörendes, Mystisches, eine andere Seite: Was dialektisch fast trivial klingt, erzeugt in der künstlerischen Arbeit Ana Laibachs allergrößte Spannung: Der Tod ist genauso präsent wie das Leben.

Ein Bild, das gerade in Arbeit ist, hat mit dem Thema Tod zu tun; es trägt den schönen Titel “Frieden”.
Schnell sind wir uns einig, daß der Tod für die, die zurückbleiben, oft ein abstraktes, trauriges Rätsel ist. Wir hoffen, dies gilt weniger für die, die weggehen, vielleicht heimkehren …(denken wir an “Heimat” im Sinne Ernst Blochs).
Das Thema enthält eine dialektische Verbindung, in welcher der Tod dem Prozeß des Lebens gleichermaßen als Gegensatz und als dessen Vollendung zugehört.

A + E, 2003; 200 x 150 cm
| © Künstlerin, VG Bildkunst Bonn 2020

“Vollendet wird das Kunstwerk erst im Prozeß seiner Auflösung. Nur im Untergang (…) ist Zukunft. Nur was vergeht, bleibt”.
Thomas Wagner über Dieter Roth in der FAZ (Seite 34) vom 03. Januar 2004:
“Schön ist der Untergang einer Salamischeibe”

Neben den großen Bildern zeigt mir Ana Laibach auch eine Reihe mittlerer und kleiner Formate – und sogar Kleinstformate: 20 Bilder, jeweils von der Größe einer Streichholzschachtel dienen als Puzzlespiel, richtig sortiert ergeben sie ein Gesamtbild.
Ana empfiehlt dieses Puzzle zum Beispiel als Vorspiel für Verliebte.

In der Auseinandersetzung mit Ana Laibach und ihrer Arbeit erschließt sich ein weiterer dialektischer Schachzug: Ana sprach davon, daß es wichtig sei, “loslassen” zu können.

In zeitlicher Überschneidung mit der DebütantInnenausstellung in Karlsruhe hatte Ana Laibach zwei weitere Ausstellungen; im Moment plant sie Ausstellungen in Frankfurt und vielleicht auch wieder in Karlsruhe, und überhaupt will sie in diesem Jahr noch unglaublich viel malen…

Vom Loslassen ist somit erst mal keine Rede, eher von Zupacken und zwar richtig. Auch das ist Dialektik.

Künstlerinnenporträt Ana Laibach im Kunstportal Baden-Württemberg
Landschaft in der Nähe vom Paradies, 2002; 80 x 80 cm A + E, 2003; 200 x 150 cm
© Künstlerin, VG Bildkunst Bonn 2020

Landschaft in der Nähe vom Paradies, 2002
80 x 80 cm

Ich freue mich sehr auf die weitere Arbeit von Ana Laibach und bin mir ziemlich sicher, daß wir noch einiges von ihr erleben werden. Vielleicht ist das Leben ja eine Wanderung durch die

Landschaft in der Nähe vom Paradies.
Jürgen Linde, Januar 2004